Partizipationsansätze sind in immer mehr Lebensbereichen der Gesellschaft anzutreffen: in der Forschung, in der Entwicklungszusammenarbeit, in der Kultur, in Schulen, in der Sozialarbeit, der Medizin, bei der Etablierung von Naturschutzgebieten (protected areas), im Tourismus, in der Raumplanung, in der Verwaltung, sogar in einigen wirtschaftlichen Betrieben. Die Motivationen der BürgerInnenbeteiligung sind vielfältig und die Erwartungen an den ?Alleslöser? Partizipation sind oft überfrachtet. Im Laufe der Jahre wurden unzählige Partizipationsprozesse mehr oder weniger erfolgreich implementiert und evaluiert. Sowohl in wohlhabenden Ländern als auch in so genannten Entwicklungsländern (emerging countries). Auch wenn die Inhalte auf den ersten Blick unterschiedlich zu sein scheinen, sind die Modelle von Partizipation und die Prozessabläufe gleich. Partizipation wird als Teil des Demokratisierungsprozesses betrachtet, und Demokratisierung wird mit steigendem Wohlstand in Verbindung gebracht. Doch das Partizipationsmodell in Bolivien, einem hoch verschuldeten Land, in dem 63% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben, stellt diese kausale Verbindung in Frage.
Im zweiten Teil der Arbeit werden die Bedingungen für die Implementierung von partizipativen Elementen und deren Folgen in der bolivianischen Gesellschaft vorgestellt. Aber auch die Entwicklungsmöglichkeiten dieses groß angelegten Beteiligungsprozesses werden reflektiert. Während die theoretische Auseinandersetzung mit Bürgerbeteiligung im ersten Teil als Grundlage zum Verständnis des bolivianischen Modells dient. Im dritten Teil der Arbeit wird Bürgerbeteiligung unter völlig anderen Vorasusetzungen vorgestellt: ein lokale Agenda 21 Prozess in Wien Alsergrund.
Auf folgende Fragen habe ich Antworten gesucht: Was soll und kann mit Partizipation erreicht werden? Welche Voraussetzungen brauchen erfolgreich umgesetzte Partizipationsprozesse? Aber auch die Frage nach den Vor- und Nachteilen, den erfüllten sowie unerfüllten Erwartungen von Beteiligungsformen wird gestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie der Partizipation
2.1. Begriffsbestimmung
2.2. Wozu Partizipation?
2.3. Partizipationsformen
2.4. Rahmenbedingungen eines Partizipationsprozesses
2.5. Nutzen der Partizipation
2.6. Grenzen der Bürgerbeteiligung
3. Beteiligung der bolivianischen Zivilgesellschaft an der Armutsbekämpfung
3.1 Partizipation der „Armen"
3.2 Weshalb Bolivien?
3.3 Lebenssituation in einem Barrio am Beispiel El Alto
3.4 Partizipative Maßnahmenzur Armutsreduzierung
3.5 Die beteiligten Akteure
3.6 Zwischenergebnisse
3.7 Resümee des partizipatorischen Armutsbekämpfungsprogramms
4. Bürgerinnenbeteiligung in Wien Alsergrund
4.1 Organisation, Struktur und Akteure des LA-21 Prozesses
4.2 Welche Bürgerinnen beteiligen sich in Alsergrund?
4.2.1 Wo bleiben die benachteiligten Menschen?
4.2.2 Weshalb beteiligen sich Menschen am LA-21 Prozess?
4.3 Die Partizipation beeinflussende Faktoren in Alsergund
4.3.1 Finanzierung
4.3.2 Organisation und Struktur
4.3.3 Politik und Verwaltung
4.3.4 Bürgerinnen
4.4 Resümee des LA-21 Prozesses Wien Alsergrund
5. Schlussbetrachtung
6. Literaturverzeichnis
7. Anhang
Häufig gestellte Fragen
In welchen Bereichen wird Partizipation heute eingesetzt?
Beteiligungsansätze finden sich in der Raumplanung, Forschung, Entwicklungszusammenarbeit, Sozialarbeit sowie in Schulen und der Verwaltung.
Was ist das Besondere am Partizipationsmodell in Bolivien?
Trotz hoher Armut hat Bolivien groß angelegte Beteiligungsprozesse zur Armutsbekämpfung implementiert, die den Zusammenhang zwischen Wohlstand und Demokratisierung hinterfragen.
Was ist der „Lokale Agenda 21“-Prozess?
Es ist ein Programm zur nachhaltigen Stadtentwicklung unter Bürgerbeteiligung; als Beispiel wird der Prozess im Wiener Bezirk Alsergrund untersucht.
Welche Voraussetzungen brauchen erfolgreiche Beteiligungsprozesse?
Erfolgreiche Partizipation benötigt klare Rahmenbedingungen, gesicherte Finanzierung, politische Unterstützung und die Einbindung benachteiligter Bevölkerungsgruppen.
Was sind die Grenzen der Bürgerbeteiligung?
Grenzen liegen oft in überfrachteten Erwartungen, mangelnder Repräsentativität (wer beteiligt sich tatsächlich?) und strukturellen Hindernissen in der Verwaltung.
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- MSc Alex Glas (Author), 2007, Partizipation in raumbezogenen Planungs- und Entwicklungsprozessen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186596