Das folgende Analyseschema basiert auf der Erkenntnis, dass die Analyse historischer Texte
für den Großteil der SchülerInnen1 in der Oberstufe von Gymnasien und Gesamtschulen im
wesentlichen ein methodisches Problem darstellt.
Die Ursache: Einerseits unterscheiden sich historische Textanalysen in wesentlichen Punkten
von der Analyse fiktionaler Texte, u.a. im Fach Deutsch. Andererseits setzt die Analyse
historischer Texte die Fähigkeiten von Schülern und Lehrern voraus, historische
Sachzusammenhänge zu erkennen, sie zu vermitteln und entsprechend der Aufgabenstellung
umzusetzen. Häufig scheitert die Arbeit an letzterem.
Das Ziel: Das folgende Analyseschema kann nicht die Arbeit ersparen, den historischen
Kontext zu wissen und ihn einzusetzen; ohne dieses umfangreiche Wissen - und dies heißt
1 Der besseren Lesbarkeit wegen wird im weiteren auf eine Verwendung von weiblichen und männlichen
Begriffen verzichtet.
nicht das bloße Aneinanderreihen von Daten - ist eine Analyse historischer Texte unmöglich.
In solchen Fällen bleiben Bearbeitungen eindimensional und erfassen meist nicht die
Problematik, die in der Aufgabenstellung verlangt wird. Grundsätzlich soll anhand einer
vergleichenden (Text-)Analyse nicht nur die Fähigkeit einen Text richtig zu interpretieren,
einzuordnen und zu beurteilen nachgewiesen werden. Die Methodik ist als ebenso als
Arbeitsaufgabe zu verstehen. Das heißt, dass man anhand einer Textanalyse zeigen soll, ob
man die Werkzeuge einsetzen kann, ob man einer historischen Problematik auf den Grund
gehen und sie in kausalen Zusammenhängen darstellen kann. Das hier beschriebene Schema
soll dabei helfen, Quellen methodisch richtig und immer in Abhängigkeit zur
Aufgabenstellung zu bearbeiten, damit ein erfolgreiches Bearbeiten gelingt. [...]
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Allgemein: Unterschiede Analyse und Erörterung
Zum Hauptteil als Kernstück der Analyse:
Zur Kritik:
1. Einleitung
2. Hauptteil
3. Kritik & eigene Meinung
Zur Kritik:
Zur eigenen Meinung:
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit bietet ein strukturiertes Analyseschema für historische Texte, um Schülerinnen und Schülern der gymnasialen Oberstufe eine methodische Anleitung zur quellenkritischen Untersuchung und Einordnung in den historischen Kontext an die Hand zu geben.
- Methodische Abgrenzung zwischen Textanalyse und Erörterung
- Strukturierte Vorgehensweise bei der Untersuchung historischer Quellen
- Verbindung von Quellenarbeit mit historischem Hintergrundwissen
- Anleitung zur kritischen Stellungnahme und Reflexion
Auszug aus dem Buch
3. Kritik & eigene Meinung
Dies ist der Teil, an dem sich meist die Geister scheiden.
Was soll ich kritisieren? Wie soll ich kritisieren? Habe ich eine eigene Meinung zu den Quellen?
Und doch ist gerade dieser abschließende Teil von großer Wichtigkeit, zeigt er doch dem Leser/Lehrer, dass man die Aufgabe beherrscht hat (und nicht umgekehrt). Außerdem stellt die eigene Meinung einen Aspekt dar, den man so umschreiben kann: In dem der Verfasser einer Analyse die Quellen beurteilt, sie bewertet und entsprechend der zuvor gemachten Aussagen gewichtet, wird eine Transferleistung geboten, die sich auf die subjektive Sicht des Verfassers bezieht - eine Stellungnahme. Zuvor wurde im Hauptteil ein sogenannte „objektivierte“ Betrachtung geboten, die möglichst neutral Ursachen und Wirkungen mit Argumenten (nicht Vermutungen oder Persönlichem) nachgewiesen hat. Die jetzt einsetzende Kritik soll nach wie vor objektiv sein. Erst die eigene Meinung gibt dem Verfasser abschließend die Möglichkeit, subjektiv seine Sichtweise mit einfließen zu lassen.
Wichtig ist: Auch und besonders die eigene Meinung muss sich argumentativ belegen lassen und darf nicht eine Aneinanderreihung von „schönen Worten“ sein, deren Argumente man schuldig bleibt und die völlig unreflektiert erscheinen. Man muss als Leser nicht gleicher Meinung sein, man kann als Leser eine eigene Meinung haben (somit auch der Verfasser), jedoch muss deutlich werden, warum man dieser und nicht einer anderen Meinung ist. Dazu dienen Argumente, die die eigene These belegen! Somit ist man der Aufgabenstellung in vollem Umfang gerecht geworden.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Erläutert das methodische Problem bei der Analyse historischer Texte und führt das Ziel des Analyseschemas ein.
Allgemein: Unterschiede Analyse und Erörterung: Differenziert zwischen der quellenorientierten Analyse und der kontextfokussierten Erörterung.
Zum Hauptteil als Kernstück der Analyse:: Beschreibt den schrittweisen Prozess der Argumentationsdarstellung und Thesebildung.
Zur Kritik:: Definiert die Anforderungen an eine objektive und argumentativ fundierte Kritik der Quellen.
1. Einleitung: Definiert die formale Struktur der Einleitung anhand von W-Fragen und Autorendaten.
2. Hauptteil: Erläutert die tiefgehende, sukzessive Bearbeitung der Quellen und deren historische Einordnung.
3. Kritik & eigene Meinung: Erklärt die Bedeutung der transferorientierten Stellungnahme und der argumentativen Absicherung der eigenen Meinung.
Zur Kritik:: Vertieft die Methode der objektiven, lückenorientierten Textkritik.
Zur eigenen Meinung:: Diskutiert den Stellenwert der subjektiven Reflexion innerhalb einer wissenschaftlichen Arbeit.
Schlüsselwörter
Historische Analyse, Quellenkritik, Methodik, Industrialisierung, Geschichtsunterricht, Argumentationsstruktur, Historischer Kontext, Textinterpretation, Volkswirtschaft, Historische Quellen, Erörterung, Wissenschaftliches Arbeiten, Adam Smith, Kurt Kluxen, Laissez-faire
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet ein praxisorientiertes Analyseschema für historische Texte, das speziell auf die Bedürfnisse von Schülern in der gymnasialen Oberstufe zugeschnitten ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die methodische Vorgehensweise bei Textanalysen, die historische Einordnung von Primär- und Sekundärquellen sowie die kritische Reflexion ökonomischer Theorien im Kontext der industriellen Revolution.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Schülern Werkzeuge an die Hand zu geben, um historische Sachverhalte präzise zu analysieren und eine fundierte, argumentativ gestützte eigene Meinung zu bilden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein sukzessiver Ansatz propagiert, bei dem die Textanalyse streng von der historischen Kontextualisierung und der abschließenden persönlichen Wertung getrennt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung der Argumentationsstruktur der Texte sowie der kritischen Verknüpfung der Thesen mit dem historischen Umfeld.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie Quellenkritik, historische Kontextualisierung, industrielle Revolution und die methodische Trennung von Analyse und eigener Stellungnahme.
Wie unterscheidet sich die Vorgehensweise bei einer Sekundärquelle von Primärquellen?
Sekundärquellen, wie die von Kluxen, sollten als informatives Instrument genutzt werden, um die historische Entwicklung nachzuzeichnen und die Einseitigkeit zeitgenössischer Primärberichte zu relativieren.
Warum ist die Trennung von objektiver Analyse und subjektiver Meinung für den Autor so wichtig?
Der Autor betont, dass eine Vermengung beider Bereiche die wissenschaftliche Nachvollziehbarkeit gefährdet und den Leser darüber im Unklaren lässt, welche Thesen belegt und welche persönlich vermutet sind.
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- Robin Grüe (Author), 2001, Vergleichende Textanalyse (Methodik und Beispiel), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18615