Die Staatsarbeit befasst sich mit der Teufelsgestaltung in fünf exemplarisch ausgewählten Faust-Dichtungen (Historia von 1587, Lessings Fragmente, Goethes "Faust I", Heines Tanzpoem, Thomas Manns "Doktor Faustus"). Die Genese des literarischen Dämons wird unter zeitgeschichtlichen, psychologischen, theologischen sowie philosophischen Fragestellungen betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Der Teufel in der Bibel
II. 1 Das Alte Testament – „Das Buch Hiob“
II. 2 Das Neue Testament – Jesu Versuchung
III. Teufelsgestalten in der deutschsprachigen Faust-Literatur
III. 1 Das Faust-Buch von 1587
III. 1. 1 Die theologische Konzeption
III. 1. 2 Mephostophiles als protestantischer Prediger
III. 2 Lessings Faust-Fragmente
III. 2. 1 Entstehung und Kontext
III. 2. 1. 1 Konzeptionsstufe 1
III. 2. 1. 2 Konzeptionsstufe 2
III. 2. 1. 3 Konzeptionsstufe 3
III. 3 Goethes Faust
III. 3. 1 Vorbemerkungen
III. 3. 2 Säkularisierung und Entmystifizierung – Der „Prolog im Himmel“
III. 3. 3 „Studierzimmer I“ (V. 1177 – 1529)
III. 3. 4 Exkurs: Mephisto und das „MANDEVILLSCHE Paradox“
III. 3. 5 „Studierzimmer II“ (V. 1530 – 1850)
III. 3. 6 Die „Walpurgisnacht“ als Teil einer dualistischen Grundspannung
III. 3. 7 Conclusio
III. 4 Heines Tanzpoem Der Doktor Faust
III. 4. 1 Entstehung und Konzeption
III. 4. 2 Verführung durch Mephistophela
III. 5 Der namenlose Teufel in Thomas Manns Doktor Faustus
III. 5. 1 Vorbemerkungen
III. 5. 2 Die Darstellung des Nicht-Darstellbaren
III. 5. 2. 1 Die Wahl der Perspektive
III. 5. 3 Die Prädisposition zur Teufelei
III. 5. 4 Das Theologiestudium – Ein „gottseliges Fürnemmen?“
III. 5. 5 Der Abschluss des Teufelspaktes
III. 5. 5. 1 Teuflisches Leipzig – Das Bordellerlebnis
III. 5. 5. 2 Kapitel XIX – Das eigentliche Bündnis
III. 5. 6 Das Teufelsgespräch von Palestrina
III. 5. 7 Der nationale Paktschluss mit dem Teufel
IV. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die diachrone Entwicklung von Teufelsgestalten in der deutschsprachigen Faust-Literatur. Das Ziel ist es, die Charakterisierung und Funktion des Teufels in fünf exemplarischen Werken zu analysieren und dabei theologische, philosophische sowie sozial- und zeitgeschichtliche Einflussfaktoren zu beleuchten, um die Verschiebung vom christlichen Sündenbegriff hin zur Säkularisierung des Bösen aufzuzeigen.
- Diachrone Untersuchung der Faust-Teufel-Konstellation von der Historia bis zu Thomas Mann.
- Analyse der Teufelsfigur als Medium zur Reflexion der jeweiligen zeitgeschichtlichen Weltanschauung.
- Untersuchung des Teufelspakts unter Berücksichtigung von freien Willen, Paktformulierung und den Konsequenzen für den Protagonisten.
- Kontrastierung der theologischen Tradition des Protestantismus mit aufklärerischen und modernen Interpretationen des Teufels.
- Reflexion des „Mandevilleschen Paradoxes“ als Deutungsmuster für das Zusammenspiel von Gut und Böse bei Goethe und Thomas Mann.
Auszug aus dem Buch
III. 1. 1 Die theologische Konzeption
Die Historia von D. Johann Fausten, 1587 veröffentlicht durch den Verleger Johann SPIES, entstand nach einem Jahrhundert, das durch eine explosionsartige Entwicklung wissenschaftlichen Forschens gekennzeichnet war, und in dem die Naturwissenschaften einen mächtigen Aufschwung genommen hatten. Die Suspension des geozentrischen Weltbilds PTOLEMÄUS`, die Entstehung der ersten Weltkarte und große geografische Entdeckungen durch KOLUMBUS, VESPUCCI und DA GAMA sind nur einige Ereignisse, die das gesamte bisherige Weltbild umwälzten. Am Beginn der Neuzeit stößt die Kirche mit der neu aufkommenden Welt der Wissenschaft zusammen.
Genau dieser Zusammenstoß ist es, der auch den Hintergrund des Faust-Buches bildet. Es erscheint als Zeugnis rückwärtsgewandter, radikal negativer Reaktion auf das Neue [...]. In der Gestalt des Doktor Faustus verteufelt es die neue Weltzuwendung und insbesondre die Lust am Forschen, an Entdeckungen und an Vorstößen ins Unbekannte.
Durch die Reformation und LUTHERs Bibelübersetzung erscheint auch die Figur des Satans in neuem Licht.
Der Teufel des 16. Jahrhunderts ist nicht mehr länger der Gehörnte, vergleichsweise Harmlose des katholisch-MARIANISCHEN Mittelalters, mit dem sich einzulassen kein großes Risiko darstellte, sondern er ist, durch den lutherischen Rückgriff auf seine biblische Präsenz [...] ein geistig gefährlicher und besonders dem Geist gefährlicher Antipode Gottes und seines Reiches.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Faust-Stoffes ein, erläutert das Forschungsinteresse an den verschiedenen Teufelsgestalten und formuliert die zentralen Thesen der Untersuchung.
II. Der Teufel in der Bibel: Dieses Kapitel betrachtet die biblischen Grundlagen des Teufelsglaubens anhand von Hiobs Prüfung und der Versuchung Jesu, um die archaischen Rollen des Teufels als Exekutiv-Organ und Versucher herauszuarbeiten.
III. Teufelsgestalten in der deutschsprachigen Faust-Literatur: Der Hauptteil analysiert die diachrone Entwicklung des Teufelspaktes und der Teufelsfigur in fünf exemplarischen Faust-Adaptionen unter Berücksichtigung der jeweiligen Epochenkontexte.
IV. Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Werkanalysen zusammen, betont die Säkularisierung des Teufelsbegriffs im Laufe der Jahrhunderte und skizziert die funktionale Wandlung der Figur vom Warninstrument hin zur modernen literarischen Repräsentation.
Schlüsselwörter
Faust, Teufel, Mephistopheles, Faust-Buch, Historia, Goethe, Lessing, Heine, Thomas Mann, Teufelspakt, Literaturgeschichte, Säkularisierung, Protestantismus, Dämonologie, Faust-Literatur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die literarische Entwicklung und Gestaltung der Teufelsfigur im Faust-Stoff von den Anfängen im 16. Jahrhundert bis in das 20. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die religiöse Fundierung der Faust-Sage, die literarische Charakterisierung von Mephistopheles, die Bedeutung des Teufelspaktes sowie die diachrone Veränderung des Bösen als literarisches Motiv.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, zu zeigen, wie sich die Darstellung des Teufels in Abhängigkeit von den jeweiligen sozial- und zeitgeschichtlichen Einflüssen gewandelt hat und inwieweit die Rolle des Teufels als Spiegelbild der Weltanschauung des jeweiligen Autors fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor arbeitet überwiegend werkimmanent und ergänzt die Analyse durch historische, theologische, psychologische und philosophische Perspektiven.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Analyse von fünf ausgewählten Werken: dem Faust-Buch von 1587, Lessings Fragmenten, Goethes Faust, Heines Tanzpoem und Thomas Manns Doktor Faustus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Faust, Teufel, Mephistopheles, Teufelspakt, Säkularisierung, literarische Tradition, Dämonologie und Faust-Adaptionen.
Warum spielt die Reformation für die Teufelsgestalt im Faust-Buch eine so große Rolle?
Durch Luthers Lehre von der Sündenverfallenheit des Menschen und den Rückgriff auf die biblische Präsenz wurde der Teufel als ernsthafter, geistig gefährlicher Antipode Gottes neu definiert und fungiert in der Historia als Instrument christlicher Mahnung.
Inwiefern unterscheidet sich die Rolle des Teufels bei Goethe von der in der Historia?
Während der Teufel in der Historia ein bloßes Warninstrument ist, das Faust in die Verdammnis führt, fungiert der Teufel bei Goethe als komplexer Charakter und Teil eines göttlichen „Heilsplans“, der Fausts Streben methodisch anregt und somit trotz böser Absicht „das Gute schafft“.
Warum wählt Thomas Mann eine namenlose, unsichtbare Teufelsfigur?
Thomas Mann stellt sich in die Tradition des Faust-Stoffes, muss aber die dämonischen Elemente modern und glaubwürdig in einen realistischen Roman des 20. Jahrhunderts integrieren, weshalb der Teufel bei ihm eher als geistige Verinnerlichung und metaphysisches Prinzip existiert.
- Quote paper
- Tim Oliver Sander (Author), 2004, Teufelsgestalten in der deutschsprachigen Faust-Literatur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/186029