In der vorliegenden Arbeit soll untersucht werden, welche Bedeutung die Familie im Leben der Altenheimbewohner hat. Diese Thematik kann man aus sehr unterschiedlichen Blickwinkeln bearbeiten. Man könnte – ausgehend von einer histori-schen Betrachtung der Familie – die Rolle der alten Menschen in unserer Gesell-schaft und ihre Stellung in der heutigen Familie beleuchten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Rahmen und Hintergrund der Untersuchung
I.1 Demographische Angaben
I.2 Der Umzug ins Heim
I.3 Leben im Heim
I.4 Die Beziehung zu den Angehörigen
II. Stand der Forschung
III. Die eigene Vorgehensweise
III.1 Auswahl und Begründung der Untersuchungsmethode
III.2 Methodische Probleme
III.3 Die konkrete Durchführung
III.4 Die Auswertung des Materials
IV. Auswertung der eigenen empirischen Ergebnisse
IV.1 Die Interviewpartner
IV.1.1 Übersicht über die Interviews
IV.1.2 Frau M. B.
IV.1.3 Herr J. H.
IV.1.4 Frau R. H.
IV.1.5 Frau A. I.
IV.1.6 Frau E. S.
IV.1.7 Herr H. V.
IV.2 Analyse und Interpretation ausgewählter thematischer Aspekte
IV.2.1 Die Rolle der Familie bei der Entscheidung zum Heimeinzug
IV.2.2 Die Veränderung der Beziehung zur Familie durch den Heimeinzug
IV.2.3 Die Einstellung zum Leben der Kinder
IV.2.4 Die Beziehung zu den Enkelkindern
IV.2.5 Die sozialen Kontakte außerhalb der Familie
IV.2.6 Die Einschätzung der eigenen Bedeutung in der Familie
IV.2.7 Zusammenfassung
IV.3 Bezug zum Forschungsstand
Schlußbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Familie für das Leben von Bewohnern in einem Altenheim. Im Fokus steht die qualitativ ausgerichtete Analyse der Beziehungsmuster zwischen den Heimbewohnern und ihren Angehörigen, um zu verstehen, wie sich der Umzug in eine Institution auf das familiäre Verhältnis auswirkt und welche Faktoren dieses prägen.
- Qualitative Analyse von Einzelinterviews mit Altenheimbewohnern
- Einfluss des Heimeinzugs auf die familiäre Kontaktsituation
- Bedeutung der Familie für das Wohlbefinden und die Lebensqualität im Alter
- Rolle des Pflegepersonals im Vergleich zu familiären Bindungen
- Coping-Strategien bei der Anpassung an die institutionelle Lebenswelt
Auszug aus dem Buch
IV.1.2 Frau M. B.
Frau M. B. lebt seit etwa neun Monaten im Osterwicker Altenheim. Zuvor hat sie ihr gesamtes Leben in einem Dorf in der Lüneburger Heide verbracht. Ihr Mann stirbt im Krieg, sie muss ihre drei Töchter alleine aufziehen. Die Mädchen heiraten schließlich und ziehen in unterschiedliche Teile Deutschlands (Hannover, Augsburg, Münsterland), die Mutter bleibt zurück. Sie lebt fast 40 Jahre alleine in ihrem großen Haus und beschäftigt sich leidenschaftlich mit Arbeiten im eigenen Garten. Ihre Töchter fehlen ihr in dieser Zeit nur selten; sie hat viel Kontakt zu Nachbarn und Bekannten.
Im Alter leidet sie allerdings immer stärker an Osteoporose, so dass sie alltägliche Dinge wie z.B. die Gartenarbeit oder das Fahrradfahren immer weiter einschränken muss. Im Jahr 1994 zieht sie schließlich in eine kleine Wohnung in einem Altenwohnheim, da sie mit dem Treppensteigen in ihrem bisherigen Haus nicht mehr zurecht kommt („Was mit Treppen konnte ich gar nicht haben.“). Viele Arbeiten wie z.B. das Putzen der Wohnung werden ihr nun vom Personal abgenommen. Der Umzug in dieses Wohnheim innerhalb des Heimatortes war von Frau M. B. mit ihren Töchter zusammen geplant worden.
Die Krankheit verschlimmert sich, so dass Anfang 1999 ein langer Krankenhausaufenthalt notwendig wird. In dieser Zeit geht es Frau B. so schlecht („Ich dachte schon, ich geh da ein.“), dass deutlich wird, dass sie nicht in ihre eigene Wohnung zurückziehen kann. Das Wohnheim bietet keine ausreichende Pflege. „Ja, da haben meine Töchter sich zusammengetan und haben gesucht.“ Zusammen mit der Mutter beschließen die drei Töchter, dass Frau M. B. am besten in den Wohnort einer Tochter ziehen soll.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur Bedeutung der Familie für Altenheimbewohner und Erläuterung des qualitativen Untersuchungsansatzes mittels Einzelinterviews.
I. Rahmen und Hintergrund der Untersuchung: Darstellung des Lebens im Altenheim, der demographischen Rahmenbedingungen und der theoretischen Einbettung von Familieneinflüssen.
II. Stand der Forschung: Überblick über bisherige empirische Studien und deren Vorgehensweise, wobei der Fokus auf quantitativen Ansätzen und deren Limitationen liegt.
III. Die eigene Vorgehensweise: Begründung der Wahl des halbstandardisierten Interviews als qualitative Methode zur Erfassung individueller Bedeutungsmuster und Reflexion methodischer Probleme.
IV. Auswertung der eigenen empirischen Ergebnisse: Detaillierte Fallvorstellungen der Interviewpartner sowie die Analyse und Interpretation der gewonnenen Daten im Hinblick auf familiäre Beziehungen.
Schlußbemerkungen: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Diskussion der praktischen Implikationen für die Gestaltung des Lebens im Altenheim.
Schlüsselwörter
Altenheim, Bewohner, Familie, Lebenszufriedenheit, Angehörige, Qualitative Forschung, Interview, Familienbeziehungen, Pflegebedürftigkeit, Heimeinzug, Soziale Kontakte, Einsamkeit, Lebensqualität, Generationenbeziehung, Coping-Strategien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung der Familie für ältere Menschen, die in einem Altenheim leben. Es wird untersucht, wie sich das Verhältnis zwischen Bewohnern und Angehörigen durch den Umzug in die Institution verändert und wie diese Beziehungen die Lebensqualität beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Gründe für den Heimeinzug, die Rolle der Familie bei der Entscheidungsfindung, die qualitative Gestaltung der Kontakte zu Kindern und Enkeln sowie der Einfluss des familiären Umfelds auf das Wohlbefinden im Heim.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, die individuellen Bedeutungsmuster von Familie für Altenheimbewohner aufzuzeigen. Dabei soll analysiert werden, wie unterschiedlich das Verhältnis zu Angehörigen trotz ähnlicher institutioneller Rahmenbedingungen sein kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin wählte ein qualitatives Vorgehen und führte mit sechs Altenheimbewohnern offene, halbstandardisierte Interviews durch, um die subjektive Perspektive und die biografische Einbettung der Heimsituation zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der Forschungsmethode, die detaillierte Vorstellung der Interviewpartner als Einzelfallstudien sowie die thematische Analyse und Interpretation der Ergebnisse im Vergleich mit vorhandenem theoretischem Wissen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich geprägt durch Begriffe wie Altenheim, Familie, Lebenszufriedenheit, Angehörige, qualitative Forschung, Familienbeziehungen, Pflegebedürftigkeit und Heimeinzug.
Wie unterscheidet sich die Arbeit von bisherigen Studien?
Im Gegensatz zu vielen quantitativen Studien, die lediglich statistische Zusammenhänge zwischen Besuchshäufigkeit und Wohnform prüfen, zielt diese Arbeit auf eine qualitative Vertiefung der emotionalen Qualität und individueller Bedeutungsmuster ab.
Warum ziehen die interviewten Bewohner in ein Heim?
Die meisten Bewohner ziehen aufgrund zunehmender Pflegebedürftigkeit oder gesundheitlicher Krisen ein, die eine Haushaltsführung unmöglich machen. Familiäre Konflikte spielen dabei meist eine untergeordnete Rolle, oft geht dem Einzug ein Krankenhausaufenthalt voraus.
Welche Rolle spielt die Familie nach dem Heimeinzug?
Die Familie bleibt für die meisten Bewohner ein zentraler Ankerpunkt. Die emotionale Wertschätzung durch die Angehörigen ist ein wesentlicher Indikator für das Selbstwertgefühl und die Lebenszufriedenheit, auch wenn funktionale Aufgaben (wie Pflege) zunehmend vom Heimpersonal übernommen werden.
Können andere soziale Kontakte die Familie ersetzen?
Die Analyse zeigt, dass soziale Kontakte außerhalb der Familie für die meisten Heimbewohner eine geringe Rolle spielen. Der Ersatz durch Bekanntschaften innerhalb oder außerhalb des Heims gelingt selten, wodurch die Familie für das emotionale Wohlbefinden eine herausragende Bedeutung behält.
- Arbeit zitieren
- Christiane Althoff (Autor:in), 2000, Zur Bedeutung der eigenen Familie für Bewohnerinnen und Bewohner eines Altenheims - eine empirische Untersuchung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/185461