„Alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.“
Mit diesen Worten (Mt 16,19) übergab Jesus die Schlüssel des Himmelsreiches an Petrus – den Obersten seiner Jünger. Jesus, der sich selbst weltlicher Macht entsagte1, wird bei dieser Übergabe v.a. die geistige Führungsrolle sowie die theologische Entscheidungshoheit Petri im Sinn gehabt haben. Die Nachfolger des Apostels, die ihr Amt in Sukzession zu ihm verstanden, taten dies mit Sicherheit auch. Doch im Vergleich zur Biografie Petri, der vornehmlich in römischen Provinzen agierte, lehrte und der sein Martyrium in Rom fand, waren die nach ihm kommenden Päpste fest in die römische Welt eingebunden und erkoren deren Hauptstadt sogar zu ihrem Machtzentrum. Unter Berücksichtigung dieser chiastisch anmutenden Verschiebung stellt sich die Frage, ob der einstige Anspruch – zu binden und zu lösen – den Rahmen der geistlichen Vollmacht überstieg und wie ggf. der neue Anspruch präsentiert wurde.
Die nachfolgende Arbeit versucht unter Betrachtung des päpstlichen
Krönungszeremoniells auf diese Frage eine Antwort zu finden. Zu Beginn der Arbeit werden, v.a. zur terminologischen Operationalisierung, die Papstwahl sowie die daran anknüpfenden Krönungsriten überblicksartig dargestellt. Aufbauend darauf werden die einzelnen Riten mittels entsprechender Quellen beschrieben und hinsichtlich ihrer Intention analysiert, wobei das Hauptaugenmerk auf der sedes stercatoria liegt.
Inhaltsverzeichnis
- Binden und Lösen
- Zwischen geistlicher Führung und weltlicher Macht – Die Krönung des Papstes und sein Sitz auf dem,,Kot-Stuhl“.
- Papstwahl und Stationen der Krönung
- Die Krönungszeremonie in den Darstellungen des Liber Pontificalis und des Liber censuum
- Valentin I. im Liber Pontificalis
- Paschalis II. und Honorius II. im Liber Pontificalis
- Krönungszeremoniell nach dem Liber censuum
- Die Krönung Pius II.
- Die Deutung der sedes stercatoria
- Geschlechterprüfung seit der Päpstin Johanna
- Biblische Deutung
- Krönungszeremoniell und sedes stercatoria - Versuch eines Fazits
- Literaturverzeichnis
- Quellen
- Monographien
- Aufsätze und Artikel
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit dem päpstlichen Krönungszeremoniell und untersucht die Bedeutung der sedes stercatoria im Kontext der Legende um die Päpstin Johanna. Ziel ist es, die Entwicklung des Krönungszeremoniells zu beleuchten und die Intentionen der einzelnen Riten zu analysieren. Dabei soll die Frage geklärt werden, wie sich der Anspruch des Papstes, zu binden und zu lösen, im Laufe der Zeit im Spannungsfeld zwischen geistlicher Führung und weltlicher Macht entwickelte.
- Entwicklung des päpstlichen Krönungszeremoniells
- Bedeutung der sedes stercatoria
- Intentionen der Krönungsriten
- Spannungsfeld zwischen geistlicher Führung und weltlicher Macht
- Einfluss der Legende um die Päpstin Johanna
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel beleuchtet den Anspruch des Papstes, zu binden und zu lösen, im Kontext der biblischen Überlieferung und der historischen Entwicklung des Papsttums. Es wird die Frage aufgeworfen, wie sich dieser Anspruch im Laufe der Zeit im Spannungsfeld zwischen geistlicher Führung und weltlicher Macht entwickelte.
Das zweite Kapitel befasst sich mit dem päpstlichen Krönungszeremoniell und seinen einzelnen Stationen, von der Papstwahl bis zur possesso. Es werden die Riten anhand von Quellen wie dem Liber Pontificalis und dem Liber censuum beschrieben und hinsichtlich ihrer Intention analysiert. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der sedes stercatoria und ihrer Deutungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen das päpstliche Krönungszeremoniell, die sedes stercatoria, die Legende um die Päpstin Johanna, die geistliche Führung, die weltliche Macht, die Papstwahl, die Krönungsriten, der Liber Pontificalis, der Liber censuum, die Intentionen der Riten und die Entwicklung des Papsttums.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die sedes stercatoria im päpstlichen Krönungszeremoniell?
Die sedes stercatoria, auch als „Kot-Stuhl“ bekannt, war ein spezieller Sitz, der im mittelalterlichen Krönungsritual verwendet wurde. Er symbolisierte die Demut des neuen Papstes und erinnerte ihn an seine menschliche Vergänglichkeit, trotz seiner hohen geistlichen Macht.
Welche Rolle spielt die Legende der Päpstin Johanna in diesem Kontext?
In der Forschung wurde oft diskutiert, ob die Nutzung der sedes stercatoria der physischen Geschlechterprüfung diente, um eine Wiederholung des Falls der legendären Päpstin Johanna zu verhindern. Die Arbeit untersucht diese Deutung kritisch gegenüber biblischen Interpretationen.
Was bedeutet der Anspruch „Binden und Lösen“ für das Papsttum?
Dieser Anspruch basiert auf Mt 16,19 und bezeichnet die geistliche Vollmacht, die Jesus an Petrus übergab. Die Arbeit analysiert, wie sich dieser Anspruch im Spannungsfeld zwischen geistlicher Führung und weltlicher Macht im Mittelalter entwickelte.
Welche Quellen werden zur Analyse der Krönungsriten herangezogen?
Wichtige Quellen sind der Liber Pontificalis und der Liber censuum. Diese Dokumente beschreiben die Stationen der Krönung, wie etwa die von Valentin I., Paschalis II. oder Pius II., und geben Aufschluss über die Intentionen der Riten.
Wie unterschied sich das Leben Petri von dem seiner Nachfolger in Rom?
Während Petrus vornehmlich in römischen Provinzen agierte und dort sein Martyrium fand, banden seine Nachfolger das Papstamt fest in das administrative und machtpolitische Zentrum der Stadt Rom ein, was zu einer Verschiebung des Machtanspruchs führte.
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- Daniel Meyer (Author), 2011, Die Krönung des Papstes auf dem "Kot-Stuhl" , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184940