Heutzutage hat die Liebe einen ganz besonderen Stellenwert; fast schon etwas Religiöses. Diese Ausprägung ist in der Tat erst durch den Wohlstand der Moderne möglich geworden. Nun wird über die Liebe gesprochen, darüber nachgedacht, gesungen und gedichtet. Doch wird ein präziser Blick auf dieses Phänomen geworfen, wird sichtbar, dass es die Liebe in der heutigen Zeit respektive in der Zweiten Moderne ziemlich schwer hat, ja fast schon unmöglich erscheint, aber doch umso notwendiger denn je geworden ist. Eine Ambivalenz der Moderne. Man kann beobachten, dass die Liebe einem Wandel unterlegen war und dass sie heute immer wieder neu definiert werden muss. Liebe scheint zur Verhandlungsache geworden zu sein, sie ist institutionell verankert, eine Ware, eine Konstruktion der Gesellschaft; überbaut von romantischen Leitbildern des 18./19. Jahrhunderts und dabei eingeengt durch politische, wirtschaftliche, kirchliche und gesellschaftliche Zwangsmechanismen. Durch diese äußere institutionelle Wirkmächtigkeit wird die sehnliche Suche nach Liebe perpetuierend fortgesetzt und lässt in der Zweiten Moderne einen zweifelsohne einzigen „Halt“ erhoffen, fernab der „chaotischen“ Verhältnisse des öffentlichen Raumes. [...]
Eine Beziehung respektive eine Liebe ist in der heutigen Zeit einmal mehr mit Risiken verbunden, da sich die Menschen einerseits nach Freiheit und Individualität und andererseits nach Liebe und sexueller Befriedigung sehnen und das gerne über längere Zeit hinweg oder sogar bis an das Lebensende. Diese romantische Vorstellung von Liebe und das Leben in der Zweiten Moderne sind ein perpetuierendes Paradoxon. Die Modernisierung bewirkte einen rasanten Wandel der Gesellschaft, der Geschlechter zueinander und führte zur Pluralisierung der Lebensformen. [...]
In meinen Ausführungen soll der Frage nachgegangen werden, wie die Individualsierung auf die Liebe, die Zweierbeziehung und das Miteinander der Geschlechter wirkt. Eben: Ist eine lebenslange Liebe im Kontext der Zweiten Moderne überhaupt möglich? Weitere Fragen die beantwortet werden sollen, sind: Was ist Liebe und welche Liebessemantik hat sich herausgebildet und folgt der heutigen Logik von „Liebe“ in ihrer Dialektik? Welchen Problemen steht die Liebe in der Zweiten Moderne und in Zukunft gegenüber? [...]
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- 1. Liebe und andere Katastrophen
- 2. Individualisierungsthese nach Ulrich Beck
- 3. Geschlechterdisparität und Liebe
- 4. Liebe und Individualisierung in der Zweiten Moderne
- 5. Resümee & Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der Frage, wie sich die Individualisierung auf die Liebe, die Zweierbeziehung und das Miteinander der Geschlechter in der Zweiten Moderne auswirkt. Die Arbeit analysiert die Liebessemantik seit dem 18./19. Jahrhundert und hinterfragt die Möglichkeit einer lebenslangen Liebe im Kontext der heutigen Gesellschaft.
- Die Entwicklung der „romantischen Liebe“ und ihre Auswirkungen auf das Individuum
- Die Rolle der Individualisierungstheorie von Ulrich Beck in Bezug auf Liebe und Beziehungen
- Die Bedeutung von Geschlecht und Liebe in der Zweiten Moderne
- Die Herausforderungen, denen die Liebe in der heutigen Zeit gegenüber steht
- Die Ambivalenz der Liebe in der Moderne
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt die Relevanz der Liebe in der modernen Gesellschaft dar und beleuchtet die Ambivalenz dieses Phänomens. Sie führt in die Thematik ein, beschreibt die Herausforderungen der Liebe in der Zweiten Moderne und die Veränderung der Liebessemantik im Laufe der Geschichte.
- 1. Liebe und andere Katastrophen: Dieses Kapitel beleuchtet die Definition von Liebe und die Entwicklung des Konzeptes der „romantischen Liebe“. Es analysiert die philosophischen und soziologischen Perspektiven auf das Phänomen der Liebe, die verschiedenen Formen der Liebe und die Bedeutung von "großer Liebe" in der heutigen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Die wichtigsten Schlüsselwörter und Fokusthemen der Arbeit sind: Individualisierung, Liebe, Zweierbeziehung, Geschlechterdisparität, romantische Liebe, Zweite Moderne, Ulrich Beck, Elisabeth Beck-Gernsheim, Anthony Giddens, Liebessemantik, "Das ganz normale Chaos der Liebe", "reine Beziehung", "partnerschaftliche Liebe".
Häufig gestellte Fragen
Wie wirkt sich Individualisierung auf die Liebe aus?
Individualisierung führt dazu, dass Liebe zur „Verhandlungssache“ wird. Menschen suchen einerseits Freiheit und Selbstverwirklichung, sehnen sich aber gleichzeitig nach dem Halt einer stabilen Zweierbeziehung.
Was versteht Ulrich Beck unter dem „ganz normalen Chaos der Liebe“?
Es beschreibt das Paradoxon der Zweiten Moderne, in der traditionelle Rollenbilder zerbrechen und Paare ihre Beziehung ständig neu definieren müssen, was oft zu Konflikten zwischen individuellen Bedürfnissen und partnerschaftlicher Bindung führt.
Ist lebenslange Liebe in der Zweiten Moderne noch möglich?
Die Arbeit hinterfragt dies kritisch und analysiert, ob die romantische Vorstellung der lebenslangen Liebe mit der modernen Logik von Mobilität, Flexibilität und Individualität vereinbar ist.
Welche Rolle spielt die „romantische Liebe“ heute?
Die romantischen Leitbilder des 18. und 19. Jahrhunderts dienen immer noch als Maßstab, stoßen aber in der heutigen Realität auf politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zwangsmechanismen.
Was ist eine „reine Beziehung“ nach Anthony Giddens?
Eine Beziehung, die ausschließlich um ihrer selbst willen eingegangen wird und nur so lange Bestand hat, wie beide Partner daraus eine hinreichende Befriedigung ziehen.
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- Stefanie Neidhart (Author), 2011, Liebe und andere Katastrophen: Liebe und Individualisierung in der Zweiten Moderne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184207