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Islam und Panislamismus in Bosnien

Religion, Nation und Staat in Bosnien-Herzegowina

Title: Islam und Panislamismus in Bosnien

Term Paper (Advanced seminar) , 2011 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Julian Nitzsche (Author)

Asian studies
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Bosnien und Herzegowina ist eines jener Länder, die uns vor allem durch ihre kriegerische Vergangenheit in Erinnerung sind. Gerade einmal 15 Jahre ist es her, dass der Bosnienkrieg, ein Kampf zwischen Ethnien und/oder Glaubensgemeinschaften, wie gerne kolportiert wird, beendet wurde. Noch immer hat das Land unter den Folgen des Krieges zu leiden, der weit über 100.000 Menschen das Leben kostete.

Was vor diesem Hintergrund gerne in Vergessenheit gerät, ist die Tatsache, dass Bosnien und Herzegowina zudem eines der wenigen europäischen Länder mit einer seit Jahrhunderten ansässigen muslimischen Bevölkerung ist; dass das vormals unabhängige Königreich mehr als 400 Jahre lang unter osmanischer Herrschaft stand, und dass seine ethnische und konfessionell gemischte Bevölkerung über lange Zeiträume hinweg friedlich zusammengelebt hat.

Ich möchte in dieser Arbeit einen Überblick über Bosnien und seine Muslime geben, und dabei besonders auf Ereignisse im 20. Jahrhundert eingehen. Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Vernetzung der bosnischen Muslime mit dem Rest der islamischen Welt, also auf dem panislamischen Aspekt. Dabei wird sich die Arbeit u.a. mit der muslimischen SS-Division im Zweiten Weltkrieg, der “Islamischen Deklaration” des späteren bosnischen Präsidenten Alija Izetbegović sowie den ausländischen Mudschaheddin im Bosnienkrieg beschäftigen.

Neben der angegebenen Literatur konnte ich auf eigene Erfahrungen von mehreren längeren Reisen durch Bosnien und Herzegowina zurückgreifen. Es ist gerade jene Mischung aus muslimischen, katholischen, orthodoxen, jüdischen und vielen weiteren Einflüssen, die dieses Land auszeichnet und seine Schönheit ausmacht. Andererseits wurde eben jene Vielfalt ihm mehrmals in seiner Geschichte, besonders aber im vergangenen Jahrhundert, zum Verhängnis.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Bosnien und sein Islam

2.1 Vorislamische Geschichte

2.2 Osmanische Eroberung

2.3 Bosnien im Osmanischen Reich

2.4 Der Beginn der Nationalisierung

3. Die bosnischen Muslime im Zweiten Weltkrieg

4. Islam und Panislamismus im sozialistischen Jugoslawien

4.1 Die Anerkennung der “muslimischen Nation”

4.2 Alija Izetbegović und die “Islamische Deklaration”

4.2.1 Rückständigkeit und Abhängigkeit

4.2.1 Die Islamische Ordnung

5. Krieg und Dschihad in Bosnien

6. Bosnien heute – Ein Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese Arbeit bietet einen historischen Überblick über Bosnien und seine muslimische Bevölkerung mit einem Fokus auf das 20. Jahrhundert. Die zentrale Fragestellung untersucht dabei, wie sich die Vernetzung der bosnischen Muslime mit der islamischen Welt entwickelte und welche Rolle der Panislamismus bei der Identitätsbildung und in politischen Krisenzeiten spielte.

  • Die Entwicklung der bosnisch-muslimischen Identität im Kontext des Osmanischen Reiches.
  • Die politische Rolle der Muslime während des Zweiten Weltkriegs und der Einfluss der Waffen-SS-Division "Handžar".
  • Die staatliche Anerkennung der "muslimischen Nation" im sozialistischen Jugoslawien.
  • Die Bedeutung und Interpretation von Alija Izetbegovićs "Islamischer Deklaration".
  • Die Rolle ausländischer Mudschaheddin während des Bosnienkrieges und deren Einfluss auf die Radikalisierung.

Auszug aus dem Buch

4.2 Alija Izetbegović und die “Islamische Deklaration”

Die sich in den 1970er Jahren andeutende beginnende Konfrontation zwischen dem jugoslawischen Staat und dem wahrgenommenen “muslimischen Nationalismus” erreichte 1983 mit dem Prozess gegen 13 bosnische Muslime einen Höhepunkt. In den Vorjahren waren mit staatlicher Duldung u.a. eine islamische Theologische Fakultät in Sarajevo eröffnet (1977) und die Monatsschrift Islamska misao begründet worden (1979). Gleichzeitig nahm jedoch die Debatte über die vorgebliche Gefahr des muslimischen Nationalismus an Intensität zu, es wurde von einem zunehmend “nationalistischen und religiösen Klima” in Sarajevo geschrieben und gesprochen. Vor allem Serben schrieben von einem gefährlichen “panislamischen Nationalismus”; der später als Freischärlerführer im Bosnienkrieg, rechtsextremer Politiker und mutmaßlicher Kriegsverbrecher berüchtigt gewordene Recht Vojislav Šešelj, mithin Doktor der Rechtswissenschaften, sprach gar davon, dass bosnische Nationalisten die Errichtung einer Islamischen Republik im Herzen Jugoslawiens anstrebten. Auf allen Seiten erhielten die Nationalisten zu Beginn der 1980er Jahre Aufwind, da nicht mehr zu leugnen war, dass sich Jugoslawien in einer ernsthaften Wirtschafts- und Legitimationskrise befand. Die internen Auseinandersetzungen sind also auch als beginnende Kämpfe um das Erbe des nach dem Tod Josip Broz Titos 1980 langsam zerfallenden Landes zu verstehen. Gleichzeitig stritten die offiziellen Stellen in Sarajevo und Belgrad bis 1982 die bloße Existenz eines “radikalen Islamismus” weitgehend ab. Das änderte sich mit dem sogenannten “Prozess der Dreizehn”.

Die Islamische Deklaration war ursprünglich bereits Mitte der 1960er Jahre von Alija Izetbegović, einem bosnisch-muslimischen Intellektuellen, und einigen Mitstreitern verfasst worden und hatte anfangs nur im kleinen Rahmen Verbreitung gefunden; ab 1970 wurde sie verlegt, ins Arabische, Türkische, Deutsche und Englische übersetzt und so auch einem größeren Publikum – v.a. in arabischen Staaten – bekannt. Vermutlich aufgrund der erstarkenden nationalistischen Bewegungen v.a. der Serben, die sich immer häufiger auch in öffentlichen Äußerungen manifestierte, sowie der ohnehin infolge der islamischen Revolution im Iran gestiegenen Angst vor dem politischen Islamismus wurde die Deklaration 1983 zum Kernstück eines Gerichtsprozesses, der die Bedenken der Serben aufgriff.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Der Autor führt in die historische kriegerische Vergangenheit Bosniens ein und erläutert die Absicht, die Vernetzung der bosnischen Muslime mit der islamischen Welt zu analysieren.

2. Bosnien und sein Islam: Dieses Kapitel behandelt die religiöse Geschichte Bosniens von der vorislamischen Zeit bis zum Ende der osmanischen Herrschaft und dem Beginn der Nationalisierung.

3. Die bosnischen Muslime im Zweiten Weltkrieg: Der Fokus liegt hier auf der Rolle der Muslime zwischen den Fronten und den Beziehungen zum Ustaša-Regime sowie der Gründung der Waffen-SS-Division "Handžar".

4. Islam und Panislamismus im sozialistischen Jugoslawien: Es wird die Anerkennung der Muslime als eigene Nation sowie die Kontroverse um Alija Izetbegovićs "Islamische Deklaration" analysiert.

5. Krieg und Dschihad in Bosnien: Dieses Kapitel beleuchtet die Rolle der ausländischen Mudschaheddin während des Bosnienkrieges und die damit verbundene zunehmende Politisierung und Radikalisierung.

6. Bosnien heute – Ein Fazit: Eine Schlussbetrachtung zur aktuellen religiösen Situation in Bosnien, in der der moderate Islam trotz einzelner radikaler Tendenzen dominiert.

Schlüsselwörter

Bosnien, Islam, Panislamismus, Alija Izetbegović, Mudschaheddin, Nationalismus, Identität, Bosniaken, Jugoslawien, Zweiter Weltkrieg, Waffen-SS, Handžar, Religion, Politik, Multireligiosität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die religiöse sowie politische Identitätsfindung der muslimischen Bevölkerung in Bosnien-Herzegowina im 20. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen das osmanische Erbe, die politische Rolle während des Zweiten Weltkriegs, die nationale Anerkennung im sozialistischen Jugoslawien sowie die Einflüsse panislamischer Strömungen während und nach dem Bosnienkrieg.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Vernetzung der bosnischen Muslime mit der islamischen Welt aufzuzeigen und zu analysieren, inwiefern der Islam als Identitätsmerkmal in Phasen politischer Bedrohung instrumentalisiert wurde.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung von Fachliteratur sowie zeitgenössischen Dokumenten und Berichten basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die Rolle der bosnischen Muslime im Zweiten Weltkrieg, die politische Instrumentalisierung von Religion, den "Prozess der Dreizehn" sowie die Auswirkungen des Bosnienkrieges auf die lokale religiöse Praxis.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Bosnien, Islam, Panislamismus, Identität, Nationalismus und die Rolle von Alija Izetbegović charakterisieren.

Warum spielt die "Islamische Deklaration" eine so zentrale Rolle?

Sie gilt als Schlüsseltext, der im Jahr 1983 zum Kernstück eines politischen Gerichtsprozesses wurde, da er von den Behörden als Aufruf zur Errichtung eines islamischen Staates interpretiert wurde.

Wie hat sich die religiöse Praxis der Muslime nach dem Krieg verändert?

Obwohl es Einflüsse durch ausländische Organisationen gibt, bleibt der moderate, liberale Islam laut Fazit des Autors die vorherrschende Variante, wobei radikale Tendenzen weitgehend gesellschaftlich isoliert sind.

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Details

Title
Islam und Panislamismus in Bosnien
Subtitle
Religion, Nation und Staat in Bosnien-Herzegowina
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Asien- und Afrikawissenschaften)
Grade
1,0
Author
Julian Nitzsche (Author)
Publication Year
2011
Pages
22
Catalog Number
V184183
ISBN (eBook)
9783656088301
ISBN (Book)
9783656088622
Language
German
Tags
bosnien panislamismus islam izetbegovic handschar muslime
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julian Nitzsche (Author), 2011, Islam und Panislamismus in Bosnien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/184183
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