Wissenschaftstheorie ist die philosophische Reflexion über die Grundlagen von Wissenschaften und ist so zu sagen eine „Theorie über Theorien", denn tatsächlich gibt es keine anerkannte Theorie, die letztgültig besagt, was "wissenschaftlich" ist. Jean-Francois Lyotard schreibt in seinem Aufsatz „Das Postmoderne Wissen“: „Eine Aussage muss eine bestimmte Menge von Bedingungen aufweisen, um als wissenschaftlich akzeptiert zu werden.“
Jede Wissenschaft muss also klären, was sie unter „Wissenschaftlichkeit" versteht und mit welchen Methoden sie diese sicher erreichen kann. Will man dies für die Wirtschaftswissenschaften klären, stößt man auf größere Probleme als in vielen anderen Wissenschaften. Denn während zum Beispiel die Biologie oder die Physik es mit dem immer gleichen Gegenstand der Natur zu tun hat, in den sie im Laufe ihres Fortschritts immer weiter vordringt, hat die Wirtschaftswissenschaft es mit dem sich ständig wandelnden Wirtschaftsgeschehen zu tun, das durch äußere Veränderungen z.B. sozialer und politischer Art beeinflusst wird. Lediglich die Funktion der Wirtschaftswissenschaft bleibt dieselbe: Sie soll Entscheidungshilfen für das Wirtschaften mit knappen Gütern bereitstellen. Dies erreicht sie, wenn sie die Konsequenzen der verschiedenen Entscheidungen systematisch beschreibt und erklärt, was jedoch aufgrund der Komplexität vieler Sachverhalte nicht einfach ist. Wenn sie "Entscheidungshilfen" geben will, heißt das jedoch nicht, dass sie genau vorgibt, was der Einzelne zu tun hat, wenn er sich wirtschaftlich verhalten will. Sie kann lediglich die zur Erreichung eines bestimmten Zieles adäquaten Mittel angeben.
Wie kann eine Theorie als bewiesen angesehen werden, wo sich doch in der Vergangenheit immer wieder durch neue und angeblich letztgültige Beweise weiterentwickelte Theorien, sogar Paradigmenwechsel etabliert haben? Dies gilt insbesondere für die Wirtschaftswissenschaft, deren Gegenstandsbereiche sich durch äußere Einflüsse ständig ändern. Wie kann es überhaupt eine gültige Theorie auf diesem Gebiet geben?
Diese Fragen sind es, die eine Arbeit über die Wissenschaftstheorie in der Wirtschaftswissenschaft interessant und notwendig macht.
Inhaltsverzeichnis
- Wissenschaftstheoretische Grundfragen der Wirtschaftswissenschaften
- Milton Friedmans Konzept der Gültigkeitsprüfung
- Der Kritische Rationalismus in Schüz' Theorie
- Wirtschaftwissenschaft - eine Real- oder eine Formalwissenschaft?
- Methoden der Gültigkeitsprüfung
- Das Problem der Eingrenzung
- Das Problem der Vielschichtigkeit
- Das Problem der mangelnden Objektivität
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit den grundlegenden wissenschaftstheoretischen Fragen der Wirtschaftswissenschaften. Sie untersucht die Herausforderungen, die sich aus der ständigen Veränderung des Wirtschaftsgeschehens und der komplexen Interaktion mit anderen akademischen Disziplinen ergeben. Der Fokus liegt darauf, die Gültigkeitsprüfung in der Wirtschaftswissenschaft zu analysieren, insbesondere im Kontext von Milton Friedmans Konzept und dem Kritischen Rationalismus in Schüz' Theorie.
- Die Gültigkeitsprüfung in der Wirtschaftswissenschaft
- Die Abgrenzung der Wirtschaftswissenschaft von anderen Disziplinen
- Die Komplexität und Vielschichtigkeit des Wirtschaftsgeschehens
- Die Frage nach der Objektivität in der Wirtschaftswissenschaft
- Die Rolle der Wirtschaftswissenschaft im Kontext gesellschaftlicher Entscheidungen
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel beleuchtet die Grundfragen der Wissenschaftstheorie im Kontext der Wirtschaftswissenschaften. Es stellt die besonderen Herausforderungen heraus, die sich aus dem ständig verändernden Wirtschaftsgeschehen ergeben und die die Gültigkeitsprüfung erschweren. Kapitel drei analysiert das Konzept der Gültigkeitsprüfung nach Milton Friedman. Es untersucht, wie Friedman die Überprüfung von Theorien in der Wirtschaftswissenschaft konzeptionalisiert und welche Kritikpunkte an seinem Ansatz bestehen. Kapitel vier befasst sich mit dem Kritischen Rationalismus in Schüz' Theorie, einem alternativen Ansatz zur Gültigkeitsprüfung in der Wirtschaftswissenschaft. Es untersucht die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Friedmans und Schüz' Theorie und analysiert die Stärken und Schwächen beider Ansätze.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit zentralen Themen wie Wissenschaftstheorie, Wirtschaftswissenschaften, Gültigkeitsprüfung, Milton Friedman, Kritischer Rationalismus, Objektivität, Komplexität, Realwissenschaft, Formalwissenschaft, Entscheidungshilfen, Paradigmenwechsel.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2001, Die Wissenschaftstheorie in den Wirtschaftswissenschaften, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18235