Die Entwicklungspsychologie befasst sich mit der systematischen Erforschung von Veränderungs- und Umformungsprozessen in den Motiven und den Verhaltensweisen von Menschen. Sie will wissen, welche Verläufe kontinuierlich bzw. diskontinuierlich sind und unter welchen Bedingungen. Verhaltensveränderungen ereignen sich über die gesamte Lebensspanne. Die Entwicklungspsychologie will vor allem erforschen, welche Zusammenhänge zwischen Bedingungsfaktoren, genetischer oder sozialer Art und dem tatsächlichen Verhalten eines Menschen bestehen. Entwicklung ist immer zweiseitig bestimmt, von der Natur (Anlage) und der Umgebung. So suchen wir beispielsweise Freunde und Freizeitaktivitäten, die mit unseren eigenen Neigungen übereinstimmen und unabhängig vom Kalenderalter sind. Das Kalenderalter ist als soziale Richtschnur gerade für hochbegabte Kinder oft ein Entwicklungshindernis und gerade intellektuell hochbegabte Kinder sind auf Grund ihres Entwicklungsvorsprunges nicht nach chronologischem Alter einzuteilen. So dürfen intellektuell frühreife Kinder erst ab sechs Jahren zur Grundschule zugelassen werden. Warum aber sollten Schulgesetze, die sich am Durchschnitt orientieren, auch für Kinder gelten, die einen deutlichen Entwicklungsvorsprung haben? Diese und andere Umgebungsvariablen können die individuelle Entwicklung im positiven, aber auch im negativen Sinne beeinflussen. So ist im Grunde die Kreativität und Anstrengungsbereitschaft von Eltern und anderen Erziehern oft entscheidend dafür, ob sich beispielsweise ein musikalisch oder intellektuell hoch begabtes Kind so entwickelt, dass es entsprechende Leistungen (Leistungsexzellenz) zustande bringt. Eltern müssen gute Lehrer finden, geeignete Aus- und Fortbildungsmaßnahmen zur Verfügung stellen, und sie müssen vor allem das Kind so erziehen, dass es motiviert bleibt, sich anzustrengen und Leistungen zu erbringen. Entscheidend ist nämlich, dass das Kind von sich aus keine Anstrengungen scheut und auch Entbehrungen nicht aus dem Wege geht. Diese Zielerreichung muss dann oft gegen Widerstände oder entgegen ungünstigen Bedingungen durchgesetzt werden. Wenn das Motiv innerlich stark genug ist, sind Ziele auch erreichbar. Jede Begabung braucht fördernde und stimulierende Entwicklungshilfe! Diese allgemeine Feststellung stimmt natürlich immer und für alle Kinder.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begrifflichkeiten: Querschnittstudie, Längsschnittstudie, Reliabilität, Validität, Signifikanz, Underachiever
3. Die Münchner Hochbegabtenstudie
3.1. Definition: Hochbegabung
3.2. Grundlagen, Zeitraum, Durchführung
3.3. Ziele und Ergebnisse der ersten Testphase (1986/87)
3.4. Ziele und Ergebnisse der zweiten Testphase (1987/88)
3.4.1. Ziele
3.4.2. Allgemeine Ergebnisse
3.4.3. Ergebnisse bei Underachievern
3.4.4. Geschlechtsspezifische Ergebnisse
4. Thesen und Kritik
6. Zusammenfassung
7. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, das Phänomen der Hochbegabung auf Basis der renommierten Münchener Hochbegabtenstudie von Heller und Perleth wissenschaftlich zu durchleuchten und dabei insbesondere die sozial-emotionalen Bedürfnisse begabter Kinder sowie die Möglichkeiten ihrer Identifizierung und Förderung zu analysieren.
- Methodische Grundlagen der Hochbegabtenforschung (Querschnitt- und Längsschnittstudien)
- Konzepte der Hochbegabung und deren diagnostische Erfassung
- Analyse der Ergebnisse der Münchener Hochbegabtenstudie in verschiedenen Testphasen
- Untersuchung von Underachievement und geschlechtsspezifischen Differenzen
- Ableitung von pädagogischen Konsequenzen für die Förderung Hochbegabter
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Die Entwicklungspsychologie befasst sich mit der systematischen Erforschung von Veränderungs- und Umformungsprozessen in den Motiven und den Verhaltensweisen von Menschen. Sie will wissen, welche Verläufe kontinuierlich bzw. diskontinuierlich sind und unter welchen Bedingungen. Verhaltensveränderungen ereignen sich über die gesamte Lebensspanne. Die Entwicklungspsychologie will vor allem erforschen, welche Zusammenhänge zwischen Bedingungsfaktoren, genetischer oder sozialer Art und dem tatsächlichen Verhalten eines Menschen bestehen.
Entwicklung ist immer zweiseitig bestimmt, von der Natur (Anlage) und der Umgebung. So suchen wir beispielsweise Freunde und Freizeitaktivitäten, die mit unseren eigenen Neigungen übereinstimmen und unabhängig vom Kalenderalter sind. Das Kalenderalter ist als soziale Richtschnur gerade für hochbegabte Kinder oft ein Entwicklungshindernis und gerade intellektuell hochbegabte Kinder sind auf Grund ihres Entwicklungsvorsprunges nicht nach chronologischem Alter einzuteilen. So dürfen intellektuell frühreife Kinder erst ab sechs Jahren zur Grundschule zugelassen werden.
Warum aber sollten Schulgesetze, die sich am Durchschnitt orientieren, auch für Kinder gelten, die einen deutlichen Entwicklungsvorsprung haben? Diese und andere Umgebungsvariablen können die individuelle Entwicklung im positiven, aber auch im negativen Sinne beeinflussen. So ist im Grunde die Kreativität und Anstrengungsbereitschaft von Eltern und anderen Erziehern oft entscheidend dafür, ob sich beispielsweise ein musikalisch oder intellektuell hoch begabtes Kind so entwickelt, dass es entsprechende Leistungen (Leistungsexzellenz) zustande bringt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die entwicklungspsychologische Perspektive auf Hochbegabung ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach den sozial-emotionalen Bedürfnissen hochbegabter Kinder.
2. Begrifflichkeiten: Querschnittstudie, Längsschnittstudie, Reliabilität, Validität, Signifikanz, Underachiever: Hier werden die wesentlichen methodischen und fachwissenschaftlichen Termini definiert, die als Grundlage für das Verständnis der Studie dienen.
3. Die Münchner Hochbegabtenstudie: Dieser umfangreiche Abschnitt erläutert die Definition von Hochbegabung, das Studiendesign sowie die spezifischen Ergebnisse der verschiedenen Testphasen und Untergruppen.
4. Thesen und Kritik: Es werden sechs zentrale Konsequenzen aus der Studie abgeleitet und kritisch hinterfragt, insbesondere im Hinblick auf das Auswahlverfahren der Probanden.
6. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, die unterstreicht, dass Hochbegabung ein komplexes Zusammenspiel aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren darstellt.
7. Literatur: Dieses Kapitel listet alle verwendeten Quellen und weiterführende Publikationen zur Thematik auf.
Schlüsselwörter
Hochbegabung, Münchener Hochbegabtenstudie, Entwicklungspsychologie, Begabungsdiagnostik, Underachiever, Längsschnittstudie, Intelligenzquotient, Leistungsmotivation, Sozialkompetenz, Schulleistung, Kreativität, Förderung, Persönlichkeitsmerkmale, Validität, Reliabilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Verständnis und der Erforschung von Hochbegabung, basierend auf der Münchener Hochbegabtenstudie von Heller und Perleth.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen Begabungsdiagnostik, die Bedeutung von Umweltfaktoren, Unterschiede zwischen Begabungstypen und spezifische Bedürfnisse hochbegabter Kinder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob hochbegabte Kinder andere sozial-emotionale Bedürfnisse haben als durchschnittlich begabte Kinder und wie man diese erkennt und fördert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf die Ergebnisse einer Längsschnittstudie (Münchener Hochbegabtenstudie), welche kognitive und nicht-kognitive Daten von Schülern über mehrere Jahre hinweg erfasste.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Begabungsmodell, die Ergebnisse der verschiedenen Testphasen sowie spezifische Gruppen wie Underachiever und geschlechtsspezifische Unterschiede.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Hochbegabung, Begabungsdiagnostik, Underachiever, Längsschnittstudie, Intelligenz und sozial-emotionale Entwicklung.
Welche Rolle spielt die elterliche Kontrolle laut der Studie?
Die Studie zeigt, dass eine hohe elterliche Kontrolle bei hochbegabten Kindern teilweise negative Effekte auf die Aktivitäten haben kann, während sie bei normal begabten Kindern anders wirken kann.
Warum ist das Thema "Underachiever" in der Studie wichtig?
Underachiever benötigen besondere Aufmerksamkeit in der schulpsychologischen Intervention, da bei ihnen eine Diskrepanz zwischen Leistungsvermögen und erbrachter Leistung besteht, oft begleitet von Versagensängsten.
- Quote paper
- Stephan Lembke (Author), 2010, Die Münchner Längsschnittstudie zur Hochbegabung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/182103