Die religionssoziologischen Überlegungen der vergangenen Jahre und Jahrzehnte haben vielfältige Thesen hervorgebracht, um das religiöse Feld und deren Veränderungen weltweit erklären zu können (Raiser 2010: 11). Eine der wichtigen Theorien, die in diesem Zusammenhang entstanden ist, geht davon aus, dass Religion in postindustrialisierten Nationen immer mehr an Bedeutung verliert und so langfristig gesehen aussterben wird (Schäuble 2010: 18). Diese Entwicklung, die unter dem Begriff der Säkularisierung zusammengefasst wird, ist in den vergangenen Jahren immer mehr in Kritik geraten. Säkularisierungs-prozesse lassen sich beispielsweise in Europa am Rückgang der Mitglieder in grossen Kirchen beobachten, dennoch hat man auch festgestellt, dass Religion keineswegs am Aussterben ist. Es kann zum Teil sogar von einer Rückkehr von Religion in den öffentlichen und politischen Raum gesprochen werden (Raiser 2010: 11). Norris und Inglehart (2004) gehen davon aus, dass das Konzept der Säkularisierung auch die aktuellen Entwicklungen in der heutigen Zeit erklären kann. Ihrer Ansicht nach muss die traditionelle Säkularisierungstheorie jedoch überarbeitet werden und anhand der Erkenntnisse aus den letzen Jahren und Jahrzehnten ergänzt werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Säkularisierungstheorie von Norris und Inglehart
- Die These der existentiellen Sicherheit
- Theoretische Kritik
- Definition von Religiosität durch existentielle Sicherheit
- Fehlender Einbezug von neuen Technologien
- Erklärungsversuche anhand eines westlichen Konzepts
- Methodologische Kritik
- Messung von existentieller Sicherheit
- Ergebnisse auf der Mikro- und Makro-Ebene
- Empirische Kritik
- Der „Sonderfall“ USA
- Vergleich zu anderen Ländern
- Zuwanderung in die USA
- Das Gesundheitssystem in den USA
- Geburtenrückgang am Beispiel von Deutschland
- Der „Sonderfall“ USA
- Antwort auf die Kritik
- Definition von Religiosität durch existentielle Sicherheit
- Messbarkeit von existentieller Sicherheit
- Konklusion
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die überarbeitete Säkularisierungstheorie von Norris und Inglehart (2004) und deren Fähigkeit, die unterschiedliche Bedeutung von Religion weltweit zu erklären. Die Analyse basiert auf dem Buch "Sacred and Secular: Religion and Politics Worldwide" sowie darauf aufbauender Kritik.
- Darlegung der Säkularisierungstheorie von Norris und Inglehart.
- Analyse der theoretischen Fundamente der Theorie.
- Bewertung der methodologischen Ansätze.
- Prüfung der empirischen Belege.
- Bewertung der Antworten von Norris und Inglehart auf die Kritik.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der religionssoziologischen Erklärungsversuche für weltweite Religiosität ein und stellt die Arbeit von Norris und Inglehart in den Kontext bestehender Säkularisierungstheorien. Kapitel 1 fasst die These von Norris und Inglehart zusammen, wonach existentielle Sicherheit den Grad der Religiosität beeinflusst. Die folgenden Kapitel (2-4) befassen sich mit der theoretischen, methodologischen und empirischen Kritik an diesem Ansatz. Kapitel 5 präsentiert die Reaktion von Norris und Inglehart auf diese Kritikpunkte.
Schlüsselwörter
Säkularisierung, Religiosität, existentielle Sicherheit, Norris und Inglehart, postindustrielle Gesellschaften, empirische Forschung, methodologische Kritik, theoretische Kritik, globale Religion, Geburtenrate.
Häufig gestellte Fragen
Was besagt die Säkularisierungstheorie von Norris und Inglehart?
Die Theorie besagt, dass Religiosität eng mit existenzieller Unsicherheit verknüpft ist. In Gesellschaften mit hoher Sicherheit (Wohlstand, Sozialstaat) nimmt die Bedeutung von Religion ab, während sie in unsicheren Regionen hoch bleibt.
Warum gelten die USA als „Sonderfall“ in dieser Theorie?
Trotz hohen Wohlstands sind die USA sehr religiös. Norris und Inglehart erklären dies durch das Fehlen eines starken sozialen Sicherungsnetzes und die hohe Ungleichheit, was zu einer fortbestehenden existenziellen Unsicherheit führt.
Wie beeinflusst die Geburtenrate die weltweite Religiosität?
Religiöse Gesellschaften haben meist deutlich höhere Geburtenraten als säkulare. Daher wächst der Anteil religiöser Menschen an der Weltbevölkerung insgesamt, auch wenn einzelne Länder säkularer werden.
Welche methodische Kritik gibt es an der Arbeit von Norris und Inglehart?
Kritiker bemängeln die Schwierigkeit, „existenzielle Sicherheit“ objektiv zu messen, und weisen darauf hin, dass die Theorie stark auf westlichen Konzepten basiert, die nicht eins zu eins auf den Rest der Welt übertragbar sind.
Bedeutet Säkularisierung das Aussterben von Religion?
Nein, die Forschung zeigt eher eine „Rückkehr der Religion“ in den öffentlichen Raum. Säkularisierung beschreibt vor allem den Funktionsverlust organisierter Kirchen in postindustriellen Gesellschaften.
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- Nadja Schloss (Author), 2011, Religiosität weltweit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/181088