Der Erste Weltkrieg brachte viele Veränderungen in der Art, wie die Konfliktparteien ihre Kampfhandlungen bestritten. „Materialschlacht“ und „Stellungskrieg“ sind die militärhistorisch relevanten Termini für die Zeit von 1914 bis 1918. Sie stehen exemplarisch für die massenhafte Vernichtung von Menschenleben durch technische Neuerungen im Kriegswesen.
Die Armeeführung des Deutschen Reiches musste 1914 – nach dem Scheitern des Schlieffen-Plans – die Entscheidung treffen, ob sie den Krieg offensiv und kräftezehrend oder defensiv und mit möglichst großer Schonung der eigenen Ressourcen weiterführen sollte. Die Befürworter eines Ausgleichsfriedens ohne Sieger und Besiegte standen den Annexionisten gegenüber, die einen klaren, militärisch erzwungenen Sieg für das beste Mittel hielten, den Krieg zu beenden. Dieser Gegensatz manifestiert sich in Erich von Falkenhayn auf der einen und in Paul von Hindenburg bzw. Erich Ludendorff auf der anderen Seite. Dabei sind nicht nur ihre Friedenskonzepte, sondern auch ihre Strategien zur Fortführung des Kampfes zwischen den Mittelmächten und den Alliierten vom Grundgedanken her verschieden, weshalb der Vergleich dieser beiden Kriegskonzeptionen den Schwerpunkt dieses Werkes bildet.
Der Zeitrahmen umfasst die Jahre 1915 bis 1918, wobei die vorliegende Arbeit in zwei große Themenkomplexe untergliedert ist. Zum einen werden die Kriegsstrategien der 2. und 3. Obersten Heeresleitung (OHL) auf theoretischer Ebene vorgestellt, die bestimmten Rahmenbedingungen, wie Kriegslage und Ressourcenmangel, unterlagen, welche auf die Planungen Falkenhayns und Hindenburgs/Ludendorffs eine Wechselwirkung ausübten. Zum anderen werden die praktischen Aspekte der Strategien dargelegt, d.h. inwiefern die Dispositionen der militärischen Spitze des Deutschen Reiches in der Schlacht von Verdun und der Frühjahrsoffensive umgesetzt wurden. Zudem wird ein Strategievergleich aufgestellt, der die konkreten Auswirkungen beider militärischer Operationen gegenüberstellt und die politischen sowie taktischen Überlegungen in Relation zueinander setzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zur Konzeption der Strategien und deren Abhängigkeit von der Kriegslage
2.1. Die Kriegslage
2.2. Die Ermattungsstrategie Erich von Falkenhayns
2.3. Die Kriegssituation im Jahre
2.4. Die Vernichtungsstrategie der 3. OHL
3. Zur Umsetzung der Operationspläne bei Verdun und im Frühjahr
3.1. Die Bewährungsprobe der beiden Strategietypen
3.1.1. Die Verdun-Schlacht von
3.1.2. Die Frühjahrsoffensive von
3.2. Die Verdun-Schlacht und die Frühjahrsoffensive im direkten Vergleich
3.2.1. Die Ergebnisse
3.2.2. Der direkte Strategievergleich
4. Zusammenfassung
5. Anhang
6. Quellenverzeichnis
6.1. Literaturverzeichnis
6.2. Bild- und Kartenverzeichnis
6.3. Internetressourcen
Häufig gestellte Fragen
Was unterschied die 2. von der 3. OHL im Ersten Weltkrieg?
Die 2. OHL unter Falkenhayn setzte eher auf eine Ermattungsstrategie, während die 3. OHL unter Hindenburg und Ludendorff eine Vernichtungsstrategie verfolgte.
Was war Falkenhayns Ziel in der Schlacht von Verdun?
Sein Ziel war das „Weißbluten“ der französischen Armee durch eine Materialschlacht an einem strategisch wichtigen Punkt.
Wie unterschied sich die Frühjahrsoffensive 1918 davon?
Sie war ein massiver Versuch der 3. OHL, durch eine offensive Entscheidungsschlacht den militärischen Sieg zu erzwingen, bevor die US-Truppen voll eingreifen konnten.
Was versteht man unter „Stellungskrieg“?
Eine Form der Kriegführung, bei der sich die Frontlinien über lange Zeit kaum bewegen und die Soldaten in Gräben ausharren, was zu enormen Verlusten führte.
Welchen Einfluss hatte der Ressourcenmangel auf die Strategien?
Der Mangel zwang Falkenhayn zur Defensive, während die 3. OHL trotz knapper Ressourcen alles auf eine Karte setzte (Siegfrieden).
- Quote paper
- Stefan Rudolf (Author), 2010, Vergleichende Darstellung der Kriegsstrategien der 2. und 3. OHL, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180836