Depressive Störungen sind weit verbreitet und gehören weltweit zu den wohl häufigsten Erkrankungen. Nach Schätzungen leiden in Deutschland mindestens 4 Millionen Menschen an dieser Diagnose.
Grob kann gesagt werden, dass sich bei etwa der Hälfte bis zwei Drittel derjenigen, bei denen die Erkrankung ausbricht, der Gesundheitszustand soweit bessert, dass sie wieder ihre Leistungsfähigkeit erreichen und das „alte“ Selbst wieder hervortritt, auch wenn einzelne Beschwerden oft weiter bestehen bleiben. Doch ist die Literatur zur Prognose der Krankheit uneinheitlich und es kann wegen der sehr heterogenen und methodisch wenig vergleichbaren Befundlage zu keiner klaren Aussage kommen, was den Ausgang der Depression betrifft. (Vgl. Mayer 2009) Dennoch gilt die Krankheit in der Regel als gut behandelbar und oft auch heilbar.
Der Behandlungsschwerpunkt liegt meist auf einer konstanten medikamentösen und psychotherapeutischen Ebene, welche derzeit die wichtigsten Säulen zur erfolgreichen Behandlung von Depressionen darstellen. (Vgl. Mayer 2009, Eberhardt-Metzger 2006) Doch gewinnt die Forschung immer neue Erkenntnisse über die Entstehung psychischer Erkrankungen und entwickelt damit auch neue Formen der Behandlung. So entstehen immer mehr alternative Behandlungsformen, die nicht alleine auf die medikamentöse Therapie abzielen, wie beispielsweise achtsamkeitsbasierte Ansätze.
Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich der Frage nachgehen, inwieweit die aus der buddhistischen Tradition kommende Methode der Achtsamkeit als eine Behandlungsform bei Depressionen eine Rolle spielen und ob sie eine medikamentöse Therapie ersetzen kann.
Dazu werde ich darauf eingehen, welche Auswirkungen Achtsamkeit auf das psychische Wohlbefinden von Menschen hat und wie depressive Menschen im Hinblick auf ihre Gesundheit von ihr profitieren können. Studien, die sich mit dem Zusammenhang von Achtsamkeit und seelischer Gesundheit von Menschen mit depressiven Störungen beschäftigen, sollen die Relevanz dieser alternativen Behandlungsform zeigen. Anschließend werde ich Möglichkeiten aufzeigen, wie die Soziale Arbeit sich dieser alternativen Methode in der Praxis bedienen kann und mit einem kurzen Fazit schließen.
Zunächst werde ich jedoch sowohl kurz in das Krankheitsbild Depression als auch in den Begriff der Achtsamkeit einführen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einführung in die Begrifflichkeiten
2.1 Einführung in das Krankheitsbild Depression
2.1.1 Definition, Symptome und Auswirkungen
2.1.2 Epidemiologie
2.2 Einführungen in den Begriff der Achtsamkeit
2.2.1 Was ist Achtsamkeit?
2.2.2 Achtsamkeit in unser Leben einbeziehen
3. Achtsamkeitsbasierte Ansätze zur Bewältigung von Depressionen
3.1 Ziele der Kultivierung von Achtsamkeit und die Bedeutung für das Wohlbefinden
3.2 Die Anwendung dieser Erkenntnisse bei Menschen mit Depressionen
3.2.1 Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion
3.2.2 Achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie
3.2.3 Studienergebnisse zu MBSR und MBCT
3.2.3.1 Wirksamkeit der MBSR
3.2.3.2 Wirksamkeit der MBCT
3.3 Bedeutung für die Soziale Arbeit
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Publikation
Diese Arbeit untersucht das Potenzial achtsamkeitsbasierter Ansätze als ergänzende Behandlungsform bei depressiven Störungen. Dabei wird analysiert, wie diese aus der buddhistischen Tradition stammenden Methoden das psychische Wohlbefinden beeinflussen können und inwiefern sie in der Sozialen Arbeit praktisch anwendbar sind.
- Grundlagen des Krankheitsbildes Depression (Symptomatik und Epidemiologie)
- Konzeptualisierung von Achtsamkeit und deren Integration in den Alltag
- Wissenschaftliche Analyse der Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR)
- Methodische Grundlagen der Mindfulness-Based Cognitive Therapy (MBCT)
- Praktische Implementierungsmöglichkeiten in der Sozialen Arbeit
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion – Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) nach Kabat-Zinn (1990)
Nach Kabat-Zinn zählt die Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) heute zu den wichtigsten Therapieprogrammen, die auf Achtsamkeit basieren und wird bei Menschen mit unterschiedlichen seelischen und körperlichen Erkrankungen angewendet. (Vgl. Hacker 2006, S.36)
MBSR ist ein achtwöchiges achtsamkeitsbasiertes Stressreduktionsprogramm, das von Kabat-Zinn und seinen Mitarbeitern entwickelt wurde und seit Ende der 70er Jahre in der von ihm gegründeten Stress-Reduction-Clinic in Massachusetts erfolgreich angewendet wird. (Vgl. Tiefenthaler-Gilmer 2002 in Meibert et al. 2006, S.141)
Mit acht wöchentlichen Sitzungen von ca. zwei Stunden Dauer sowie einem „Tag der Achtsamkeit“ ist MBSR eine Kurzzeitintervention, die in Struktur und Inhalt zum Ziel hat, die Selbstregulationsfähigkeit der Teilnehmer und das Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeitserleben zu stärken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Stellt das Krankheitsbild Depression vor und erläutert die Forschungsfrage hinsichtlich der Wirksamkeit von Achtsamkeit als ergänzende Therapieform.
2. Einführung in die Begrifflichkeiten: Vermittelt medizinisches Basiswissen zu Depressionen und definiert den psychologischen Begriff der Achtsamkeit sowie dessen Kultivierung im Alltag.
3. Achtsamkeitsbasierte Ansätze zur Bewältigung von Depressionen: Analysiert wissenschaftliche Modelle und belegt durch Studienergebnisse die Wirksamkeit von MBSR und MBCT, ergänzt durch Anwendungsperspektiven für die Soziale Arbeit.
4. Fazit: Führt die zentralen Erkenntnisse zusammen und betont die Eignung der Programme als sinnvolle Ergänzung zu medizinischen Behandlungen bei gleichzeitigem Hinweis auf die individuelle Anwendbarkeit.
Schlüsselwörter
Achtsamkeit, Depression, MBSR, MBCT, psychisches Wohlbefinden, Soziale Arbeit, Stressreduktion, Rückfallprophylaxe, Stressbewältigung, Gesundheit, Psychotherapie, Salutogenese.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einsatz von Achtsamkeitsübungen und speziellen Programmen zur Unterstützung von Menschen mit depressiven Störungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Verständnis von Depressionen, die Theorie und Praxis der Achtsamkeit sowie deren wissenschaftlich belegte Anwendung in MBSR- und MBCT-Programmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist zu klären, ob Achtsamkeit als ergänzende Behandlungsform bei Depressionen dienen kann und welche Rolle die Soziale Arbeit dabei einnimmt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die verschiedene theoretische Modelle und empirische Studienergebnisse kritisch gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Achtsamkeit, die detaillierte Beschreibung der Programme MBSR und MBCT sowie deren Wirksamkeit bei der Bewältigung von Krisen und Rückfällen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Achtsamkeit, Depression, MBSR, MBCT, Rückfallprophylaxe und Soziale Arbeit.
Worin liegt der Unterschied zwischen MBSR und MBCT?
Während MBSR primär zur allgemeinen Stressreduktion konzipiert ist, wurde MBCT gezielt für die Rückfallprophylaxe bei Menschen mit rezidivierenden depressiven Episoden entwickelt.
Kann Achtsamkeit eine ärztliche Behandlung ersetzen?
Nein, die Autorin betont explizit, dass diese Programme als sinnvolle Ergänzung zur medizinischen oder psychotherapeutischen Behandlung zu verstehen sind, nicht als Ersatz.
Warum ist die Soziale Arbeit für dieses Thema relevant?
Die Soziale Arbeit begegnet Betroffenen häufig in deren Alltagsumfeld und kann daher eine Schlüsselrolle bei der Information und Unterstützung bei der Teilnahme an Achtsamkeitsprogrammen spielen.
- Quote paper
- Nicola König (Author), 2011, Durch Achtsamkeit aus der Depression - Achtsamkeitsbasierte Ansätze zur Behandlung von Depressionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180373