„Was ich hier formuliere, ist das Selbstbewusstsein einer erwachsenen Nation, die sich niemandem über-, aber auch niemandem unterlegen muss…“ Dieser Satz des Altbundeskanzlers Gerhard Schröder in seiner Regierungserklärung vom 10. November 1998 erscheint im heutigen Kontext der Zeit möglicherweise in einem ganz anderen Licht als damals.
Deutschland ist Vorreiter im Umweltbewusstsein. Die Klimaschutz-Verpflichtungen gemäß Kyoto wurden jährlich weitestgehend eingehalten. Außerdem ist es das erste Industrieland, welches den kompletten Atomausstieg beschlossen hat. Zudem ist Deutschland ein Staat, welches zu seinen demokratischen und rechtstaatlichen Prinzipien steht und darüber hinaus weltweit für die Menschenrechte einsteht. Hierfür gibt es sogar einen eigenen Ausschuss („Ausschuss für Menschenrechte und humanitäre Hilfe“) im Bundestag.
Trotz dieser scheinbar sozialen und vorbildlichen Eigenschaften wird Deutschlands Rolle in der Welt heute als unberechenbarer denn je angesehen.
Nach der Wiedervereinigung 1990 ist die Bundesrepublik zunehmend in militärischen Auseinandersetzungen involviert oder lehnt diese klar ab. Vielen dürften noch die Kontroversen um den Jugoslawien-Einsatz Ende der 1990er bekannt sein oder jüngstes die klare Ablehnung von Bundeskanzlerin Angela Merkel bezüglich einer deutschen Beteiligung am Militäreinsatz in Libyen. Hinzu kommt, dass die Bundesrepublik Deutschland seit ihrer Gründung 1949 Führungsanspruch in der stetig wachsenden Europäischen Union signalisiert und stets den europäischen Integrationsprozess unterstützt und vorantreibt. Ein weiterer Punkt ist, dass Deutschland vermehrtes Mitspracherecht in internationalen Organisationen hegt und sich ebenfalls dafür einsetzt. Als Beispiel sei hier der Anspruch auf einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen angebracht. Deshalb lautet die Leitfrage meiner Ausarbeitung, ob sich Deutschland von einer Zivilmacht weg hin zu einer Großmacht entwickelt?
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Grundlagen zum Analyserahmen der Außenpolitik Deutschlands
- Definition „Außenpolitik“
- Akteure der Außenpolitik
- Definition der „Zivilmacht“ im Grundgesetz
- Alternativer Anspruch gegenüber Zivilmacht
- Geschichtliche Entwicklung der deutschen Außenpolitik
- Die „Stunde-Null“
- Deutschland im Kalten Krieg
- Wandel deutscher Außenpolitik nach 1990
- Deutschland von einer Zivilmacht zu einer Großmacht?
- Anspruch eines ständigen Sitzes im UN-Sicherheitsrat
- Verstärkte Fortsetzung der europäischen Integration
- Zunehmende Verflechtung der Außenpolitik mit der Sicherheitspolitik
- Die weltweite Wirtschaftsmacht Deutschland
- Weltweite Entwicklungshilfe
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Ausarbeitung befasst sich mit der Frage, ob sich Deutschland von einer Zivilmacht zu einer Großmacht entwickelt. Sie analysiert die geschichtliche Entwicklung der deutschen Außenpolitik und untersucht verschiedene Aspekte, die für diese Entwicklung relevant sind, wie z.B. den Anspruch auf einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat, die verstärkte Fortsetzung der europäischen Integration und die zunehmende Verflechtung der Außenpolitik mit der Sicherheitspolitik.
- Definition und Entwicklung des Begriffs „Zivilmacht“ in der deutschen Außenpolitik
- Die Rolle Deutschlands im internationalen System nach der Wiedervereinigung
- Analyse des Einflusses deutscher Wirtschaftskraft auf die Außenpolitik
- Die Position Deutschlands in der europäischen Integration
- Bewertung der militärischen und sicherheitspolitischen Rolle Deutschlands
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt die Fragestellung ein und skizziert den historischen Kontext der deutschen Außenpolitik. Anschließend werden die Grundlagen des Analyserahmens definiert, wobei wichtige Begriffe wie „Außenpolitik“ und „Zivilmacht“ geklärt werden. Im Hauptteil wird die geschichtliche Entwicklung der deutschen Außenpolitik beleuchtet, beginnend mit der „Stunde Null“ über die Zeit des Kalten Krieges bis hin zur Entwicklung nach 1990. Im weiteren Verlauf analysiert die Ausarbeitung, ob sich Deutschland von einer Zivilmacht zu einer Großmacht entwickelt, indem verschiedene Aspekte wie der Anspruch auf einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat oder die zunehmende Verflechtung der Außenpolitik mit der Sicherheitspolitik untersucht werden.
Schlüsselwörter
Deutsche Außenpolitik, Zivilmacht, Großmacht, Geschichte, Wiedervereinigung, UN-Sicherheitsrat, Europäische Union, Wirtschaftsmacht, Entwicklungshilfe, Sicherheitspolitik, Historische Entwicklung, Anspruch, Militäreinsatz, Integration.
Häufig gestellte Fragen
Entwickelt sich Deutschland von einer Zivilmacht zu einer Großmacht?
Die Arbeit untersucht diese Leitfrage anhand der zunehmenden militärischen Beteiligungen nach 1990 und dem Streben nach mehr Mitsprache in internationalen Organisationen.
Was zeichnet Deutschland als „Zivilmacht“ aus?
Merkmale sind das Eintreten für Menschenrechte, Umweltbewusstsein (Atomausstieg), die Bindung an demokratische Prinzipien und die Bevorzugung diplomatischer Lösungen gegenüber militärischen Mitteln.
Warum strebt Deutschland einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat an?
Dies wird als Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins und des Wunsches nach einem Mitspracherecht gewertet, das der tatsächlichen wirtschaftlichen und politischen Bedeutung Deutschlands entspricht.
Wie hat sich die Außenpolitik seit der Wiedervereinigung 1990 verändert?
Deutschland ist zunehmend in militärische Konflikte (z.B. Jugoslawien) involviert, zeigt aber auch klare Ablehnung in anderen Fällen (z.B. Libyen), was die Rolle unberechenbarer erscheinen lässt.
Welche Rolle spielt die wirtschaftliche Stärke für die Außenpolitik?
Als weltweite Wirtschaftsmacht nutzt Deutschland seinen ökonomischen Einfluss und seine Entwicklungshilfe, um globale Prozesse und die europäische Integration maßgeblich mitzugestalten.
Was bedeutet die Verflechtung von Außen- und Sicherheitspolitik?
Es beschreibt den Trend, dass außenpolitische Ziele immer häufiger mit sicherheitspolitischen Strategien und militärischen Überlegungen verknüpft werden.
- Quote paper
- Adeel Arshad (Author), 2011, Deutschlands Außenpolitik. Der Wandel von einer Zivilmacht zur Großmacht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/180312