Das deutsche Fernsehen hat in intellektuellen Kreisen einen eher niedrigen Stellenwert. Wenn das Thema überhaupt noch aufkommt, es scheint häufig schon alles gesagt zu sein, werden die immer gleichen Wutreden gehalten: Das Vor- und Nachmittagsprogramm der privaten Sender werde nur noch mit sinnfreien Dokusoaps gefüllt, die öffentlichen rechtlichen Sender gäben „unser“ Geld nur für Telenovelas aus und die guten Sachen kämen doch immer nur auf „Arte“ oder mitten in der Nacht. Aussagen, die vielleicht nicht wortwörtlich belegbar sind, die aber fast jeder aus eigener Erfahrung kennen dürfte. Diese Diskussion ist natürlich nicht neu, ihr bekanntestes Beispiel ist wahrscheinlich Adornos „Prolog zum Fernsehen“ (1977: 74-75). Nur im Kino oder in der Literatur, so scheint es, sei anspruchsvolle Unterhaltung zu erwarten; nur Filme und Bücher seien nicht nur Vergnügen, sondern auch Kunst, so die kulturpessimistische Betrachtungsweise.
Durch das Internet hat sich jedoch die Stellung des Konsumenten von bewegten Bildern zunehmend verändert, denn der Zuschauer hat die Möglichkeit, mündiger zu handeln als je zuvor. Ihm steht eine unzählbare Menge von Inhalten offen, die er jederzeit abrufen kann, um das Programm nach seinen eigenen Wünschen zusammenstellen, und das, ohne sich an Vorgaben von Fernsehsendern halten zu müssen. Diese scheinen die Entwicklung sogar selbst zu bemerken und bieten den Zuschauern durch Angebote wie Video-on-Demand und Online-Mediatheken ihre Inhalte ebenfalls zeitunabhängig an (vgl. Ji 2008: 7).
All dies spricht eigentlich für einen baldigen Untergang des klassischen Fernsehens. Das Programm ist schlecht und das Format viel zu unflexibel für eine Generation, die es gewohnt ist, alle Inhalte, sei es Nachrichten, Unterhaltungsangebote oder sogar Werbung, individuell angepasst zu bekommen.
Blättert man heute jedoch durch deutschsprachige Tageszeitungen findet man im Feuilleton nicht nur Filmkritiken und Buchrezensionen. Seit einigen Jahren häufen sich neben den klassischen Themen überschwängliche Lobeshymnen auf fiktive Inhalte, die ihren Ursprung im Fernsehen haben: amerikanische Serien.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Begriffe
3. Epos und Romanhaftigkei
3.1. Darstellung von Realismus
3.2. Figurenanzah
3.3. Erzähltemp
3.4. Atmosphäre
3.5. Gesellschaftlicher Konte
4. Vergleich mit einer Diskussion im Literaturbetrie
5. Rezeptionswei
6. Die Rolle des Autors
7. Qualitätshierarchie
8. Fazit und Ausblick
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter dem Konzept der "Amerikanischen Qualitätsserie"?
Es beschreibt fiktive Fernsehinhalte aus den USA, die aufgrund ihrer narrativen Komplexität, Realismus und Atmosphäre im Feuilleton ähnlich hoch geschätzt werden wie Literatur oder Kino.
Wie hat das Internet die Stellung des Fernsehzuschauers verändert?
Durch Video-on-Demand und Online-Mediatheken kann der Zuschauer sein Programm individuell und zeitunabhängig zusammenstellen, was ihn mündiger gegenüber klassischen Fernsehsendern macht.
Welche Merkmale zeichnen Qualitätsserien aus?
Typische Merkmale sind eine hohe Figurenanzahl, ein episches Erzähltempo, eine dichte Atmosphäre sowie die Darstellung komplexer gesellschaftlicher Kontexte.
Welche Rolle spielt der Autor bei modernen US-Serien?
Der Autor (oft als Showrunner) gewinnt an Bedeutung und wird zunehmend als Schöpfer wahrgenommen, vergleichbar mit einem Romanautor oder Filmregisseur.
Warum wird klassisches Fernsehen oft kulturpessimistisch betrachtet?
Kritiker wie Adorno sahen im Fernsehen oft nur seichte Unterhaltung. Diese Sichtweise wandelt sich jedoch durch den Aufstieg anspruchsvoller Serienformate.
- Quote paper
- Alexander Lindh (Author), 2011, Das Konzept "Amerikanische Qualitätsserie", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179388