Deutsche sind reinlich und zeichnen sich durch einen extremen Sinn für Ordnung aus. Politiker sind korrupt, Dicke sind faul und Amerikaner sind dumm. Polen stehlen. All dies sind zunächst Vorurteile, negative Aussagen über Andere „ohne ausreichende Begründung.“ Sobald als Reaktion auf diese negativen Zuschreibungen jedoch soziale Deklassierung oder Ausgrenzung folgt, was nicht selten der Fall ist, muss von einem Stigma gesprochen werden. Nicht nur heute ist Stigmatisierung ein sehr aktuelles Thema. Zwar haben sich manche der Bereiche innerhalb derer sich Stigmatisierung abspielt mit den sich wandelnden Werten und Idealen der Zeit geändert, doch fand dieselbe auch früher schon statt.
Dessen war sich auch Franz Kafka sehr deutlich bewusst. Im Folgenden werde ich darzulegen versuchen, an wem und auf welche Art und Weise Stigmatisierung in seiner Erzählung In der Strafkolonie vollzogen wird und wie außerdem die Betroffenen damit umgehen. Ich beschränke mich in diesem Versuch auf die Personen des Offiziers, des Forschungsreisenden und des Verurteilten, sowie auf die Gruppe der Damen. Bevor ich jedoch auf die Beschreibung der stigmatisierenden Prozesse und ihrer Folgen eingehe, werde ich zunächst den Begriff Stigma und die Möglichkeiten der Reaktion des Stigmatisierten auf die Zuschreibung näher erläutern, um so eine Basis für das Verständnis des Folgenden zu schaffen und Unklarheiten auszuräumen. Ich orientiere mich bei diesen Erklärungen an den soziologischen Untersuchungen Erving Goffmans und Wolfgang Lipps.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Stigmatisierung in Franz Kafkas Erzählung In der Strafkolonie
- 2.1 Definition des Begriffes Stigma und Möglichkeiten der Reaktion des Stigmatisierten auf Dasselbe nach Erving Goffman und Wolfgang Lipp
- 2.2 Stigmatisierung in Kafkas Erzählung am Beispiel des Offiziers, des Verurteilten, des Forschungsreisenden und der Damen
- 2.2.1 Zur Entstehung und Rezeption der Erzählung
- 2.2.2 Der Offizier
- 2.2.3 Der Verurteilte
- 2.2.4 Die Damen
- 2.2.5 Der Forschungsreisende
- 3. Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Thematik der Stigmatisierung in Franz Kafkas Erzählung „In der Strafkolonie“. Sie untersucht, wie verschiedene Figuren in der Geschichte stigmatisiert werden und wie diese mit ihrer Situation umgehen. Der Fokus liegt dabei auf den soziologischen Ansätzen von Erving Goffman und Wolfgang Lipp, die die Konzepte von Stigmatisierung und Charismatisierung beleuchten.
- Stigmatisierung in Kafkas "In der Strafkolonie"
- Analyse der Stigmatisierung anhand der Figuren des Offiziers, des Verurteilten, des Forschungsreisenden und der Damen
- Anwendung der Theorien von Goffman und Lipp auf die Figuren und ihre Interaktionen
- Diskussion der Reaktionen der Stigmatisierten auf ihre Situation
- Bedeutung der Erzählung für die zeitgenössische Rezeption von Stigma und Macht
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Einleitung: Die Einleitung stellt den Kontext der Stigmatisierung in der heutigen Gesellschaft und in der Geschichte dar und führt in die Thematik der Arbeit ein.
- Kapitel 2: Stigmatisierung in Franz Kafkas Erzählung In der Strafkolonie: Dieses Kapitel erläutert die Definition des Begriffes Stigma nach Goffman und Lipp, wobei die drei Typen von Stigma und die verschiedenen Reaktionsmöglichkeiten des Stigmatisierten auf das Stigma vorgestellt werden.
- Kapitel 2.2: Stigmatisierung in Kafkas Erzählung am Beispiel des Offiziers, des Verurteilten, des Forschungsreisenden und der Damen: Dieser Abschnitt untersucht die Stigmatisierung der Figuren in Kafkas Erzählung. Es werden die Entstehung und die Rezeption der Erzählung beleuchtet, sowie die individuellen Stigmatisierungsmechanismen und Reaktionsformen der Figuren des Offiziers, des Verurteilten, der Damen und des Forschungsreisenden beleuchtet.
Schlüsselwörter
Stigmatisierung, Charismatisierung, Erving Goffman, Wolfgang Lipp, Franz Kafka, "In der Strafkolonie", Macht, Diskriminierung, Soziologie, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter Stigmatisierung in Kafkas Erzählung?
Stigmatisierung bezeichnet die soziale Ausgrenzung oder Deklassierung von Individuen aufgrund negativer Zuschreibungen. In der Erzählung betrifft dies Figuren wie den Verurteilten oder den Offizier.
Welche soziologischen Theorien werden zur Analyse herangezogen?
Die Arbeit orientiert sich an den Untersuchungen von Erving Goffman und Wolfgang Lipp, die Konzepte wie Stigma, Charismatisierung und die Reaktionen Betroffener beschreiben.
Wie wird der Offizier in „In der Strafkolonie“ stigmatisiert?
Der Offizier wird durch den Wandel der Werte in der Kolonie zunehmend isoliert. Sein Festhalten an der grausamen Tradition des alten Kommandanten macht ihn in den Augen der neuen Führung zum Außenseiter.
Welche Rolle spielen „die Damen“ in der Erzählung?
Die Gruppe der Damen repräsentiert den neuen Einfluss in der Strafkolonie, der im starken Kontrast zur militärischen Härte des Offiziers steht und dessen Machtverlust beschleunigt.
Wie reagiert der Verurteilte auf sein Stigma?
Der Verurteilte nimmt seine Rolle fast apathisch an. Er ist das extremste Beispiel für ein Individuum, das durch ein System vollständig entmenschlicht und auf sein Verbrechen reduziert wird.
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- Julia Balogh (Author), 2006, Stigmatisierung in Franz Kafkas "In der Strafkolonie", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178395