Da der mittelalterliche Autor Heinrich von Veldeke für seinen Antikenroman den altfranzösischen anonymen ‚Roman d’Eneas’, welcher wiederum als Quelle das lateinische Werk ‚Aeneis’ von Vergil, als Vorlage nutzte, stellt sich die Frage, wie Heinrich, angesichts seines christlichen Hintergrundes, die polytheistische Weltanschauung der Antike darstellt, ohne dabei seine Glaubwürdigkeit zu verlieren und gleichzeitig dem Roman seinen Sinn nicht zu entrauben. Im Folgenden wird versucht zu erörtern, wie Heinrich die römische Mythologie im christlichen Mittelalter darstellt und ob sich Unterschiede oder Berührungspunkte zu Vergil bei ihm finden. Zunächst wird allgemein auf die antike und die christliche Gottesvorstellung im Mittelalter eingegangen, wobei dies nur ein Aufriss sein kann, weil es sonst den Umfang der Arbeit überschreiten würde. Anschließend wird das Problem, vor dem Heinrich von Veldeke bei seinem Roman steht, genauer erläutert. Es wird auf die gote eingegangen, zusammenhängend mit ihren Befehlen für die Menschen und den Gesprächen untereinander. Zusätzlich wird das Phänomen beleuchtet, dass im ‚Eneasroman’ an manchen Stellen nur ein got angerufen wird. Abschließend wird das zweite Geschlechterregister behandelt, welches sich nicht bei Vergil findet, ausgehend von seiner Funktion im Roman.
Note: 1,0 !
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Göttervorstellungen
- Die antike Göttervorstellung
- Das christliche Gottesverständnis im Mittelalter
- Problematik bei der Übernahme antiker Stoffe vor dem christlichen Hintergrund im Mittelalter
- Gote in Heinrich von Veldekes „Eneasroman“
- Über die erwähnten Götter
- Die Götterbefehle
- Die Göttergespräche
- Got in Heinrich von Veldekes „Eneasroman“
- Das zweite Geschlechterregister
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Darstellung der römischen Mythologie in Heinrich von Veldekes „Eneasroman“ und untersucht, wie der mittelalterliche Autor die polytheistische Weltanschauung der Antike vor dem Hintergrund seines christlichen Glaubens darstellt, ohne seine Glaubwürdigkeit zu verlieren und gleichzeitig dem Roman seinen Sinn zu bewahren.
- Analyse der antiken Göttervorstellung im Vergleich zum christlichen Gottesverständnis im Mittelalter
- Erörterung der Herausforderungen bei der Übernahme antiker Stoffe in einer christlichen Kontext
- Untersuchung der Rolle der Götter (gote) im „Eneasroman“ und deren Darstellung durch Heinrich von Veldeke
- Analyse der Funktion des zweiten Geschlechterregisters im Roman
- Vergleich der Darstellung der Götter bei Heinrich von Veldeke mit der Darstellung bei Vergil
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Darstellung der Götter in Heinrich von Veldekes „Eneasroman“ und skizziert die Problematik der Integration antiker Mythologie in einen christlichen Kontext. Das zweite Kapitel geht auf die antike Göttervorstellung und das christliche Gottesverständnis im Mittelalter ein, wobei die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Weltanschauungen beleuchtet werden. Im dritten Kapitel wird die Problematik der Übernahme antiker Stoffe vor dem christlichen Hintergrund im Mittelalter näher erläutert. Das vierte Kapitel widmet sich der Darstellung der Götter (gote) im „Eneasroman“, wobei die erwähnten Götter, deren Befehle und die Gespräche zwischen ihnen im Fokus stehen. Das fünfte Kapitel untersucht die Darstellung des Gottes (got) im „Eneasroman“. Das sechste Kapitel analysiert das zweite Geschlechterregister, welches nicht bei Vergil zu finden ist und dessen Funktion im Roman beleuchtet wird. Der letzte Abschnitt, das Fazit, wird in dieser Zusammenfassung nicht berücksichtigt.
Schlüsselwörter
Heinrich von Veldeke, „Eneasroman“, antike Göttervorstellung, christliches Gottesverständnis, Polytheismus, Monotheismus, römische Mythologie, mittelalterliche Literatur, Übernahme antiker Stoffe, Götterbefehle, Göttergespräche, zweites Geschlechterregister.
Häufig gestellte Fragen
Welche Vorlage nutzte Heinrich von Veldeke für seinen „Eneasroman“?
Veldeke nutzte den altfranzösischen anonymen „Roman d’Eneas“, der wiederum auf Vergils lateinischem Epos „Aeneis“ basiert.
Wie geht Veldeke mit dem antiken Polytheismus um?
Die Arbeit untersucht, wie Veldeke die heidnische Götterwelt der Antike in ein christlich geprägtes Mittelalter integriert, ohne seinen eigenen Glauben oder die Logik des Stoffes zu verletzen.
Was ist der Unterschied zwischen „gote“ und „got“ im Roman?
„Gote“ bezieht sich auf die antiken Götter im Plural, während an einigen Stellen im Roman ein singulärer „got“ angerufen wird, was auf christliche Einflüsse hindeutet.
Welche Funktion haben die Göttergespräche im Werk?
Die Gespräche und Befehle der Götter steuern die Handlung und reflektieren das Verhältnis zwischen göttlicher Vorhersehung und menschlichem Handeln.
Was versteht man unter dem „zweiten Geschlechterregister“?
Es handelt sich um ein genealogisches Element, das bei Vergil nicht vorkommt und in Veldekes Roman eine spezifische strukturelle Funktion übernimmt.
Gibt es Berührungspunkte zwischen Veldekes und Vergils Götterdarstellung?
Ja, die Arbeit vergleicht beide Autoren und zeigt auf, wo Veldeke der antiken Mythologie treu bleibt und wo er sie für sein mittelalterliches Publikum adaptiert.
- Quote paper
- Elisabeth Esch (Author), 2011, Gote und Got in Heinrich von Veldekes 'Eneasroman', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176759