In der vorliegenden Arbeit soll das Scheitern der Bremer Räterepublik 1919 analysiert werden. Die Räterepubliken waren ein Aufbegehren der Arbeiterschaft gegen die Ancien Regime in den Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs. In Deutschland bildeten sich die Räterepubliken als Konkurrenzen zur parlamentarischen Demokratie, die im Gründungs- prozess der Weimarer Republik ihren Abschluss fand. Inspiriert von der Revolution in Russland bildeten sich Varianten der direkten Demokratie, die eine Sozialisierung der Wirtschaft und Industrie vorsah. In Deutschland traf dabei dieser Gedanke bei der Reichsregierung unter Friedrich Ebert nicht auf Gegenliebe. Eine zentrale Figur bei der Niederschlagung der Räterepubliken spielte dabei der Reichswehrminister Gustav Noske. Sein Handeln und seine Selbstbezeichnung als „Bluthund“ liegen dabei konträr zum heutigen Verständnis der SPD.
Die Räterepublik Bremen galt, nach dem Spartakusaufstand in Berlin, schon fast als „Bastion des Kommunismus“ im Deutschen Reich. Es soll nun näher analysiert werden, wie das Scheitern dieser Räterepublik zustande kam und mit welchen inneren Problemen die Räteregierung zu kämpfen hatte. Weiterhin soll die Rolle Gustav Noskes beleuchtet werden, indem die Frage beantwortet werden soll, welche Intentionen Noske hatte, eine militärische Intervention durchführen zu lassen. Diente dies dazu, Ruhe und Ordnung zu schaffen, wie er selbst betonte, oder diente diese Intervention vielmehr dazu, ein Exempel zu statuieren, um andere Räterepubliken zum Aufgeben zu zwingen? Um diese Fragen zu be- antworten, wird der innere Verfallsprozess der Bremer Räteregierung sowie die Finanzkrise und die damit einhergehende Regierungskrise beschrieben, die vom Verfasser als die „Drei Momente des Scheiterns“ betitelt werden. Danach soll die militärische Intervention durch Oberst Wilhelm Gerstenberg und dem Freikorps Caspari beschrieben werden, die im Namen der Reichsregierung in Bremen einmarschierten. Im Fazit werden die Ereignisse zusammengefasst und ein Resümee gezogen, wobei hierbei ein kurzer Vergleich zu der Intervention Gustav Noskes in München gezogen werden soll.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Das Rätesystem
- Die drei Momente des Scheiterns der Bremer Räterepublik
- Der innere Verfallsprozess
- Die ,,Finanzkrise\" in Bremen
- Von der ,,Finanzkrise“ zur Regierungskrise
- Die Niederschlagung der Bremer Räterepublik
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit dem Scheitern der Bremer Räterepublik 1919 und analysiert die Ursachen und die Rolle von Gustav Noske bei ihrer Niederschlagung. Die Arbeit untersucht die Räterepubliken als Aufbegehren der Arbeiterschaft gegen die bestehende Ordnung nach dem Ersten Weltkrieg und analysiert, wie sie sich als Konkurrenten zur parlamentarischen Demokratie etablierten.
- Die Besonderheiten und die Funktionsweise des Rätesystems
- Der innere Verfallsprozess der Bremer Räteregierung
- Die Auswirkungen der Finanzkrise in Bremen auf die Regierung
- Die Rolle Gustav Noskes bei der Niederschlagung der Räterepublik
- Die militärische Intervention durch Oberst Wilhelm Gerstenberg und das Freikorps Caspari
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einleitung, die das Thema und die Relevanz des Scheiterns der Bremer Räterepublik beleuchtet. Anschließend wird das Rätesystem als politisches System vorgestellt, das von Sozialisten und Anarchisten als Variante der direkten Demokratie konzipiert wurde. Das Kapitel zeigt die Entstehung des Rätesystems während der russischen Revolution 1905 und die Verbreitung des Konzepts nach dem Ersten Weltkrieg in verschiedenen Ländern, darunter Deutschland.
Das dritte Kapitel befasst sich mit den „Drei Momenten des Scheiterns“ der Bremer Räterepublik. Hier werden der innere Verfallsprozess der Regierung, die Finanzkrise und die daraus resultierende Regierungskrise analysiert, die maßgeblich zum Scheitern der Räterepublik beigetragen haben.
Schlüsselwörter
Räterepublik, Bremen, Gustav Noske, Scheitern, Finanzkrise, Regierungskrise, Revolution 1918/19, Arbeiter- und Soldatenräte, Sozialisierung, Direkte Demokratie, Reichsregierung, Freikorps, Militärintervention.
Häufig gestellte Fragen
Was war die Bremer Räterepublik 1919?
Sie war ein Versuch der Arbeiterschaft, nach dem Ersten Weltkrieg eine direkte Demokratie nach russischem Vorbild zu etablieren, die im Gegensatz zur parlamentarischen Weimarer Republik stand.
Welche Rolle spielte Gustav Noske bei der Niederschlagung?
Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) befahl die militärische Intervention. Er sah sich als „Bluthund“, der Ruhe und Ordnung mit Gewalt wiederherstellen musste.
Was waren die „Drei Momente des Scheiterns“?
Die Arbeit identifiziert den inneren Verfallsprozess der Räteregierung, die massive Finanzkrise in Bremen und die daraus resultierende Regierungskrise als Hauptgründe für das Scheitern.
Wer führte die militärische Intervention in Bremen durch?
Der Einmarsch erfolgte durch Oberst Wilhelm Gerstenberg und das Freikorps Caspari im Auftrag der Reichsregierung unter Friedrich Ebert.
Diente die Intervention nur der Ordnung oder war sie ein Exempel?
Die Arbeit diskutiert, ob Noske durch das harte Vorgehen in Bremen bewusst ein Exempel statuieren wollte, um andere Räterepubliken im Deutschen Reich zur Aufgabe zu zwingen.
- Quote paper
- Bachelor of Arts Mehran Zolfagharieh (Author), 2011, Das Scheitern der Bremer Räterepublik und die Rolle Gustav Noskes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174577