Das späte 17. und frühe 18. Jahrhundert sahen einen tiefgreifenden Umschwung in nahezu allen Bereichen des Militärs. An die Stelle wuchtiger Trutzburgen traten flache, mit geometrischer Exaktheit geplante, Festungen. Der Söldner musste dem „miles perpetuus“ (Soldat eines stehenden Heeres) weichen. Die Artillerie entwickelte sich von einer Waffe, die hauptsächlich Angst verbreiten sollte, aber wenig Wirkung „im Ziel“ hatte, zu einer schlagkräftigen Waffengattung. Der Aufbau einer „[…] große[n] Anzahl der Befestigungen veränderte ohne Frage das Verhältnis der Belagerungen zu den Schlachten erheblich“. Obwohl einem späteren Zeitalter zuzuordnen sollte in diesem Atemzug Clausewitz zitiert werden: „Eine Festung, die eine wirkliche Belagerung veranlaßt und aushält, drückt natürlich mit einem stärkeren Gewicht auf die Waagschale des Krieges als eine, welche durch ihre Werke bloß den Gedanken einer Wegnahme dieses Punktes entfernt […]“. Damit stieg sowohl der Bedarf an geeigneten Erbauern dieser Festungen als auch an geeigneten Fachkräften und Möglichkeiten zu ihrer Belagerung.
Einzelne Truppengattungen begannen sich im Laufe dieser Entwicklung herauszubilden. So wurden aus Artilleriehandwerkern sehr schnell Pontoniere, Sappeure, Mineure und schließlich Pioniere. Festungsbaumeister, die, zeitweilig angestellt und der Artillerie angegliedert, das militärische und teilweise auch zivile Bauwesen leiteten, wurden schließlich ein separater Teil des Heeres und in dauerhaften Diensten gehalten.
Doch lief die Entwicklung in diesem Bereich wirklich so geradlinig ab? Was veranlasste das militärisch rückständige Sachsen dazu, ein Ingenieurkorps aus der Taufe zu heben – noch weit vor der Führungsmacht dieser Zeit, Frankreich, und vor dem militärisch dominanten Brandenburg-Preußen?
Inhaltsverzeichnis (Table of Contents)
- 1. Einleitung
- a. Herleitung des Themas
- b. Forschungs-/Literaturbericht
- c. Definitionen
- 2. Ingenieure vor dem Nordischen Krieg
- a. Numerische Entwicklung
- b. Ausbildung und Festungsbau
- c. Organisation
- d. Einsatz
- 3. Ingenieureinsatz im Nordischen Krieg
- a. Riga 1700
- b. Thorn 1703
- c. Stralsund 1715
- 4. Aufstellung eines Korps und Heeresreform 1730-33
- a. Numerische Entwicklung
- b. Ausbildung und Festungsbau
- c. Organisation
- d. Einsatz
- 5. Vergleich mit anderen Staaten
- a. Frankreich
- i. Entwicklung
- ii. Ausbildung/Professionalisierung
- iii. Organisation
- b. Brandenburg-Preußen
- i. Entwicklung
- ii. Ausbildung/Professionalisierung
- iii. Organisation
- 6. Zusammenführung der Ergebnisse/Fazit
- 7. Literatur/Quellen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte (Objectives and Key Themes)
Die Studienarbeit befasst sich mit der Institutionalisierung des kursächsischen Ingenieurkorps im Kontext des Großen Nordischen Krieges. Ziel ist es, die Entstehung und Entwicklung des Korps im Spannungsfeld zwischen militärischen Anforderungen und politischen Rahmenbedingungen zu untersuchen.
- Die Bedeutung des Großen Nordischen Krieges für die Herausbildung eines Ingenieurkorps
- Der Vergleich der sächsischen Ingenieurkräfte mit denen Frankreichs und Brandenburg-Preußens
- Die Rolle von Festungsbau und Artillerie in der Militärgeschichte des 17. und 18. Jahrhunderts
- Die Veränderungen in der Organisation und Ausbildung von Ingenieuren im Kontext der Heeresreform
- Die Rolle von Personen und Institutionen bei der Entwicklung des kursächsischen Ingenieurkorps
Zusammenfassung der Kapitel (Chapter Summaries)
- Kapitel 1: Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Herleitung des Themas vor, beleuchtet den Forschungsstand und definiert zentrale Begriffe wie "Ingenieurkorps" und "Institutionalisierung".
- Kapitel 2: Ingenieure vor dem Nordischen Krieg: Dieses Kapitel beleuchtet die Situation der Ingenieure in Sachsen vor Beginn des Großen Nordischen Krieges, einschließlich ihrer numerischen Entwicklung, Ausbildung, Organisation und Einsatzmöglichkeiten.
- Kapitel 3: Ingenieureinsatz im Nordischen Krieg: Dieses Kapitel schildert den Einsatz von Ingenieuren während des Großen Nordischen Krieges, insbesondere in den Belagerungen von Riga (1700), Thorn (1703) und Stralsund (1715).
- Kapitel 4: Aufstellung eines Korps und Heeresreform 1730-33: Dieses Kapitel untersucht die Aufstellung des kursächsischen Ingenieurkorps im Rahmen der Heeresreform in den Jahren 1730-1733, einschließlich der numerischen Entwicklung, Ausbildung, Organisation und des Einsatzes des Korps.
- Kapitel 5: Vergleich mit anderen Staaten: Dieses Kapitel vergleicht die Entwicklung des kursächsischen Ingenieurkorps mit der Entwicklung in Frankreich und Brandenburg-Preußen, wobei insbesondere die Ausbildung, Organisation und Professionalisierung der Ingenieure im Mittelpunkt steht.
Schlüsselwörter (Keywords)
Die zentralen Schlüsselwörter dieser Arbeit sind: Ingenieurkorps, Institutionalisierung, Großer Nordischer Krieg, Festungsbau, Artillerie, Heeresreform, Sachsen, Frankreich, Brandenburg-Preußen, Ausbildung, Organisation, Professionalisierung, Militärgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Wann wurde das kursächsische Ingenieurkorps institutionalisiert?
Die entscheidende Entwicklung und Heeresreform fand zwischen 1730 und 1733 statt, wobei die Wurzeln im Großen Nordischen Krieg liegen.
Welche Rolle spielten Belagerungen im Nordischen Krieg?
Belagerungen wie die von Riga (1700) oder Stralsund (1715) verdeutlichten den dringenden Bedarf an fachlich qualifizierten Ingenieuren für den Festungskrieg.
War Sachsen in der Ingenieurausbildung fortschrittlich?
Ja, Sachsen etablierte ein Ingenieurkorps teilweise noch vor militärischen Großmächten wie Brandenburg-Preußen oder Frankreich.
Wie unterschieden sich Ingenieure von Artilleristen?
Ingenieure entwickelten sich von Handwerkern zu einer separaten Waffengattung, die auf Festungsbau, Geometrie und Belagerungstechnik spezialisiert war.
Was bedeutet "miles perpetuus"?
Es bezeichnet den Soldaten eines stehenden Heeres, der die Söldnerheere ablöste und eine dauerhafte militärische Organisation erforderte.
- Citation du texte
- Bachelor of Arts Paul Schrön (Auteur), 2010, Die Institutionalisierung des Kursächsischen Ingenieurkorps u.b.B. der Auswirkungen des Großen Nordischen Krieges, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/174056