„Simulation für bare Münze zu nehmen bedeutet, dass wir Programme als soziale Akteure behandeln, mit denen wir „ins Geschäft“ kommen können, sofern sie funktionieren. So gesehen verdient die Frage, ob Menschen oder Maschinen die besseren Psychotherapeuten sind, eher empirische Untersuchungen als philosophische Spekulationen.“ (Simulation als bare Münze, S. 164)
Sherry Turkle beschreibt in diesem Kapitel die Entwicklung des Bezugs zwischen Mensch und Computer anhand von Psychotherapeutenprogramme. Generell sieht sie den Menschen als soziales Wesen, das mit anderen kommunizieren will. Aus Kommentaren von Leuten, die DEPRESSION 2.0 benutzt haben (Es handelt sich hierbei um ein Computerprogramm, das auf die Behandlung von Depression spezialisiert ist und sich selbst als Psychotherapeut vorstellt), geht hervor, dass sie es zwar „plump“ finden, aber seine Hilfe größtenteils gern in Anspruch nehmen, ohne sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Personen können diesem Programm alles Mögliche anvertrauen und diese Erfahrung dann mit der Bemerkung abtuen: „Es ist ja nur ein Programm.“ Ende der siebziger Jahre hörte man oft die Bemerkung: „Es behagt mir nicht, mich mit einer Maschine zu unterhalten, als wäre sie eine Person.“ Heute dagegen sagen viele Leute eher so etwas wie: „Psychotherapie ist das, was der Psychotherapeut tut.“ Oder: „Ich bezweifle, dass die heutigen Maschinen den Anforderungen gewachsen sind, aber höchstwahrscheinlich sind bessere in der Entwicklung. Zeigen Sie mir das Programm, das sie haben. Vielleicht wird es mich überzeugen.“
Inhaltsverzeichnis
- Simulation als bare Münze
- DEPRESSION 2.0
- ELIZA
- SHRINK
- Computer und Psychotherapie
- Neue Formen der Computerpsychotherapie
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Dieses Kapitel analysiert die Entwicklung der Beziehung zwischen Mensch und Computer im Kontext der Psychotherapie. Es untersucht, wie die Vorstellung vom Computer als Therapiepartner im Laufe der Zeit gewandelt hat und welche Erwartungen und Befürchtungen damit verbunden sind.
- Die Entwicklung der Computerpsychotherapie
- Die Rolle von Simulation und Virtualität in der Interaktion mit Computern
- Die Frage nach der emotionalen Authentizität in der Mensch-Computer-Beziehung
- Die Veränderung der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Computern
- Die ethischen und philosophischen Herausforderungen der Computerpsychotherapie
Zusammenfassung der Kapitel
- Simulation als bare Münze: Die Entwicklung von Psychotherapieprogrammen wie ELIZA und SHRINK wird beleuchtet. Der Text schildert, wie die Interaktion mit diesen Programmen die Vorstellung vom Computer als sozialem Akteur prägt und wie sich die Einstellung zu Computerpsychotherapie im Laufe der Zeit verändert.
Schlüsselwörter
Computerpsychotherapie, Simulation, Virtualität, emotionale Authentizität, ELIZA, SHRINK, DEPRESSION 2.0, Mensch-Computer-Beziehung, gesellschaftliche Wahrnehmung, ethische Herausforderungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Sherry Turkles Buch "Leben im Netz"?
Das Buch untersucht die Identitätsbildung und die sozialen Beziehungen von Menschen im Zeitalter des Internets und der Computer-Simulation.
Was sind ELIZA und SHRINK?
Es handelt sich um frühe Computerprogramme, die Psychotherapeuten simulierten. ELIZA war eines der ersten Programme, das zeigte, wie bereitwillig Menschen Maschinen menschliche Eigenschaften zuschreiben.
Wie hat sich die Einstellung zu Computerpsychotherapie gewandelt?
Früher herrschte Unbehagen gegenüber Maschinen als Gesprächspartner. Heute wird Computertherapie (wie DEPRESSION 2.0) oft pragmatisch genutzt, solange das Programm "funktioniert".
Was bedeutet "Simulation für bare Münze nehmen"?
Es beschreibt den Trend, dass wir Computerprogramme als soziale Akteure behandeln und ihre Hilfe annehmen, ohne die philosophische Frage nach ihrer Echtheit zu stellen.
Ist emotionale Authentizität in der Mensch-Maschine-Beziehung möglich?
Turkle diskutiert, ob die Erfahrung des Nutzers wichtiger ist als die tatsächliche Fähigkeit der Maschine, Gefühle zu empfinden, was ethische Fragen aufwirft.
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- Mag. Marc Hollenstein (Author), 2002, Zu: Sherry Turkle - Leben im Netz (Identität in Zeiten des Internet), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17399