Die Komplexität des letzten Müller-Stücks ‚Germania 3 Gespenster am Toten Mann‘ (im Folgenden ‚Germania 3‘) stellt für eine Hausarbeit eine große Herausforderung dar. Die Darstellung eines großen Teils der Deutschen Geschichte gleich Müller in ‚Germania 3‘ kann nicht an dieser Stelle geschehen. Genauso-wenig kann eine Analyse aller intertextuellen Elemente erfolgen. Doch was hier geschehen soll, ist eine Auseinandersetzung mit der Frage, wie Geschichte in ‚Germania 3‘ dargestellt ist und wie Müller Geschichte am Ende seines Lebens verstand. Das geschieht unter der Überschrift: „Es ist ein Irrtum das die Toten tot sind“, ‚Germania 3‘ als die Suche nach einem Sozialismus mit menschlichem Antlitz?
Endgültig kann diese Frage sicher nur in der Zusammenfassung beantwortet werden, doch die einzelnen Kapitel bereiten den Weg und begründen das, was am Ende auf wenigen Seiten komprimiert dargestellt ist. Und dieser Weg, da er ein so schwieriger und so geladen von Inhalt ist, soll schlicht beginnen, mit dem Kapitel ‚Vorab‘, in dem Hintergründe und Entstehung von ‚Germania 3‘ dargestellt werden genauso wie die Rezeption des Stücks. Die ‚Strukturelle Analyse‘, Kapitel 3, wird ‚Germania 3‘ als ein ausgeklügeltes Netz von Szenen zeigen und befaßt sich, weitgehend ohne Sekundärliteratur, mit der detaillierten Beschreibung des Dramas. Die Struktur des Stücks, so wie sie im dritten Kapitel dieser Arbeit dargestellt wird, ist auch in Schemen faßbar. Diese sind als Anhang im Kapitel 7 untergebracht und erleichtern hoffentlich das Verständnis.
Die ‚Strukturelle Analyse‘ bildet die Grundlage für die weiteren geschichtsphilosophischen Betrachtungen. Da mir Walter Benjamin, als Oberthema des Semi-nars, eher bekannt war, als Stücke von Heiner Müller, erfolgte meine Betrachtung immer aus dieser Ausgangsposition. Deshalb wird Kapitel 4.1 einen Überblick über das Verständnis von Geschichte bei Benjamin liefern, der dieses in das Bild vom Engel der Geschichte packte. Gleichzeitig beeinflußten die geschichtsphilosophischen Betrachtungen Benjamins Müller, wie man später erkennen wird. Da für das weitere Verständnis eine Darstellung des Geschichtsbegriffs bei Müller nicht fehlen darf, folgt darauf auch die Frage nach dem, was nach dem Sozialismus bleibt, denn beides ist bei Müller eng verknüpft.
Inhaltsverzeichnis
- EINLEITUNG
- VORAB
- HINTERGRUND UND ENTSTEHUNG VON, GERMANIA 3'
- ,,MÜLLERHALDE“ UND „SCHALES, HILFLOSEs Ende“ – DIE REZEPTION
- STRUKTURELLE ANALYSE
- ANALYSE UNTER GESCHICHTSPHILOSOPHISCHEN GESICHTSPUNKTEN
- WALTER BENJAMIN: DER ENGEL DER GESCHICHTE
- ZUM GESCHICHTSBEGRIFF BEI HEINER MÜLLER
- WAS BLEIBT NACH DEM ENDE DES SOZIALISMUS?
- DER BLICK AUF DIE VERGANGENHEIT MIT, GERMANIA 3‘
- DER ERSTE ÄUẞERE RAhmen: Titel uND, VAMPIR'
- DER ZWEITE ÄUBERE RAHMEN: DIE ERSTE UND DIE NEUNTE SZENE
- STALIN UND STALINISMUS
- HITLER UND SEIN DEUTSCHLAND
- DIE DDR ALS FEHLGESCHLAGENE HOFFNUNG
- DAS, NEUE DEUTSCHLAND' ALS NEUE HOFFNUNG?
- ZUSAMMENFASSUNG: „ES IST EIN IRRTUM, DAẞ DIE TOTEN TOT SIND“
- LITERATUR UND MATERIALIEN
- PRIMÄRLITERATUR
- INTERVIEWS
- SEKUNDÄRLITERATUR
- SAMMELBÄNDE
- PRESSE (ZEITUNGEN)
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht Heiner Müllers letztes Stück, "Germania 3 Gespenster am Toten Mann", im Kontext der deutschen Geschichte und Müllers Auseinandersetzung mit dem Sozialismus.
- Die Darstellung der deutschen Geschichte in "Germania 3"
- Müllers Verständnis von Geschichte am Ende seines Lebens
- Die Suche nach einem Sozialismus mit "menschlichem Antlitz"
- Der Einfluss von Walter Benjamin auf Müllers Geschichtsphilosophie
- Die Bedeutung der "Wende" und des Falls der Mauer für Müllers Werk
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Die Einleitung stellt die Komplexität von "Germania 3" heraus und skizziert die Fragestellung der Arbeit, welche die Darstellung von Geschichte im Stück und Müllers Geschichtsverständnis am Ende seines Lebens beleuchtet.
- Vorab: Dieses Kapitel behandelt den Hintergrund und die Entstehung von "Germania 3", sowie die Rezeption des Stücks.
- Strukturelle Analyse: Dieses Kapitel analysiert "Germania 3" als ein ausgeklügeltes Netzwerk von Szenen und beschreibt die Struktur des Stücks.
- Analyse unter geschichtsphilosophischen Gesichtspunkten: Dieser Abschnitt untersucht Müllers Geschichtsverständnis im Kontext von Walter Benjamins "Engel der Geschichte". Es werden Fragen zum Geschichtsbegriff bei Müller, insbesondere im Hinblick auf die Frage nach dem Verbleib des Sozialismus nach dessen Ende, behandelt. Der Blick auf die Vergangenheit in "Germania 3" wird anhand der ersten und neunten Szene, sowie der Figuren Stalin und Hitler, untersucht.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Themenbereiche deutsche Geschichte, Sozialismus, Geschichtsphilosophie, Walter Benjamin, Heiner Müller, "Germania 3", "Wende", DDR und "neues Deutschland".
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Heiner Müllers Werk „Germania 3“?
Das Stück „Germania 3 Gespenster am Toten Mann“ ist Müllers letztes Werk. Es setzt sich komplex mit der deutschen Geschichte, dem Stalinismus und dem Ende des Sozialismus auseinander.
Welchen Einfluss hatte Walter Benjamin auf Heiner Müller?
Müllers Geschichtsverständnis wurde stark von Benjamins Konzept des „Engels der Geschichte“ beeinflusst, was sich in der Darstellung der Vergangenheit als Trümmerhaufen und der Suche nach neuen Perspektiven widerspiegelt.
Was bedeutet das Zitat „Es ist ein Irrtum, dass die Toten tot sind“?
Es verdeutlicht Müllers Ansicht, dass die Geschichte und die Geister der Vergangenheit (wie Hitler oder Stalin) in der Gegenwart weiterwirken und nicht einfach abgeschlossen sind.
Wie wird das Ende der DDR in „Germania 3“ thematisiert?
Müller blickt kritisch auf die DDR als eine „fehlgeschlagene Hoffnung“ und untersucht, was nach dem Zusammenbruch des real existierenden Sozialismus von den ursprünglichen Idealen übrig bleibt.
Was ist die „Müllerhalde“?
Der Begriff bezieht sich auf die Rezeption von Müllers Werk, das oft als eine Anhäufung (Halde) von Zitaten, historischen Fragmenten und intertextuellen Verweisen wahrgenommen wird.
- Quote paper
- Anja Meisner (Author), 2001, "Heiner Müller: Germania 3" - Geschichtsphilosophische Betrachtungen: "Es ist ein Irrtum, dass die Toten tot sind", Suche nach einem Sozialismus mit "menschlichem Antlitz"?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173890