Die Leipziger Pittler Werkzeugmaschinenfabrik AG legte im Verlauf ihrer Geschichte immer großen Wert auf den Ruf, ein modernes und innovatives Unternehmen zu sein. Im Jahre 1923 wurde, vermutlich von einem Mitglied des Vorstandes, beschlossen, sich auf eine sehr zeitgemäße Art und Weise an die Kunden des Unternehmens zu wenden: Geplant wurde ein Film über das Wahrener Werk und seine Produkte. Der Film selbst ist nicht erhalten. Erhalten ist jedoch die Vorrede und eine ziemlich exakte Beschreibung der einzelnen Einstellungen zusammen mit den Kommentaren, die während der Vorführung gegeben wurden. Am Anfang dieser Arbeit steht eine Analyse dieses Dokumentes, weil es gut illustriert, worum es in ihrem weiteren Verlauf gehen soll.
Der Film besteht aus insgesamt 33 Einstellungen und zwei Teilen 1. Im ersten Teil werden eine Reihe von Fabrikaten des Unternehmens gezeigt, der zweite Teil lädt das Publikum zu einer filmischen Betriebsbesichtigung ein. Die Inszenierung beginnt mit der Nennung des Namens des Unternehmens, dann folgen Angaben über die bebaute und genutzte Fläche, gefolgt von einem Rundflug über die Fabrik. In den folgenden Einstellungen wird die topografische Ansicht Stück für Stück gefüllt. Zu sehen ist nun das Werk von der repräsentativen Vorderfront, während der Kommentar aufzählt, was sich wo befindet: die Wasch- und Garderobenräume und die Großfräserei im Keller, die Magazinräume für halbfertige und fertige Teile im Erdgeschoss, im ersten Obergeschoss Büros, im zweiten Obergeschoss die Modellboden- und Betriebsabteilung, und unter dem Dach die Lichtpauserei, die Lichtbild- und Retuscheabteilung. Rechts neben dem Hauptgebäude steht die Montagehalle II, die erst während des I. Weltkrieges errichtet wurde. In der nächsten Einstellung dringt die Kamera ins Innere des Areals vor und zeigt Höfe, Lager und verschiedene Produktionshallen von außen. Die Sequenz schließt mit einem Blick auf den Eingang der Verwaltung und zwei Aufnahmen der Direktoren Elimar Müller, Johann Syroth und Emil Berger 2. Leider ist nicht angegeben, wie die drei Männer abgebildet wurden. Aber da sie vermutlich in dem gesamten Film die einzigen identifizierbaren Menschen sind, stehen sie hier als Verantwortliche und wohl auch als Ansprechpartner. [...]
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Forschungsstand
- Bestandsbeschreibung
- Schriftliche Quellen
- Fotobestand
- Fotografie als historische Quelle
- Fotografie und Wirklichkeit
- Inhaltsanalyse von Fotografien
- Fotografieren in den 20er und 30er Jahren
- Inszenierungsmuster
- Produktfotografie
- Bilder vom Werk
- Belegschaftsbilder
- Fotografie als soziales Phänomen
- Die Auftraggeber
- Die Ausführenden
- Anwendungsbereiche
- Fotografien in Expertendiskursen
- Fotografien als pädagogisches Werkzeug
- Fotografien als gemeinschaftsstiftendes Medium
- Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die Fotografien der Pittler-Werke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und untersucht, wie sie die Bildwelt von Unternehmern und die Unternehmensphilosophie widerspiegelten. Sie betrachtet dabei die Fotografien als historische Quelle und analysiert deren Inszenierungsmuster und gesellschaftliche Bedeutung.
- Die Pittler-Werke als modernes und innovatives Unternehmen
- Die Rolle der Fotografie als Medium der Selbstdarstellung und Kommunikation
- Inszenierungsstrategien in der Produkt-, Werk- und Belegschaftsfotografie
- Die Bedeutung der Fotografie als soziales Phänomen im Kontext der Unternehmenskultur
- Die Anwendung von Fotografien in verschiedenen Bereichen, wie Expertendiskursen, Pädagogik und Gemeinschaftsbildung
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1: Einleitung
Die Einleitung präsentiert den Film über die Pittler-Werke aus dem Jahr 1923 als Ausgangspunkt für die Arbeit und beschreibt dessen Aufbau und Inhalt. Der Film dient als Beispiel für die Bedeutung der Fotografie als Kommunikationsmedium und Selbstdarstellungsmittel für das Unternehmen.
Kapitel 2: Fotografie als historische Quelle
Dieses Kapitel beleuchtet die Bedeutung der Fotografie als historische Quelle und analysiert ihre Funktion als Spiegelbild der Wirklichkeit. Die Kapitel beschäftigt sich mit den Besonderheiten der Inhaltsanalyse von Fotografien und dem Kontext des Fotografierens in den 1920er und 1930er Jahren.
Kapitel 3: Inszenierungsmuster
Kapitel 3 konzentriert sich auf die verschiedenen Arten der Inszenierung in den Fotografien der Pittler-Werke. Es werden die Inszenierungsmuster der Produkt-, Werk- und Belegschaftsfotografie analysiert und deren Bedeutung im Kontext der Unternehmenskommunikation erläutert.
Kapitel 4: Fotografie als soziales Phänomen
Dieses Kapitel untersucht die Fotografie als soziales Phänomen und analysiert die Rolle der Auftraggeber und Ausführenden im Kontext der Fotografie. Es werden die unterschiedlichen Anwendungsbereiche der Fotografie, wie Expertendiskurse, Pädagogik und Gemeinschaftsbildung, beleuchtet.
Schlüsselwörter
Pittler-Werke, Fotografie, historische Quelle, Inszenierung, Unternehmenskommunikation, Selbstdarstellung, Produktfotografie, Werkfotografie, Belegschaftsfotografie, soziale Phänomene, Expertendiskurse, Pädagogik, Gemeinschaftsbildung.
Häufig gestellte Fragen
Was waren die Pittlerwerke?
Die Pittler-Werkzeugmaschinenfabrik AG war ein bedeutendes Leipziger Unternehmen, das in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts für seine modernen und innovativen Produkte bekannt war.
Warum sind Fotografien für die Unternehmensgeschichte so wichtig?
Fotografien dienen als historische Quellen, die nicht nur Produkte zeigen, sondern auch die Selbstdarstellung, die Hierarchien und die Unternehmensphilosophie der damaligen Zeit widerspiegeln.
Welche Rolle spielte der Film von 1923 für das Unternehmen?
Obwohl der Film selbst verloren ist, zeigen die erhaltenen Beschreibungen, wie Pittler moderne Medien nutzte, um sich Kunden als transparentes und technisch fortschrittliches Werk zu präsentieren.
Was versteht man unter Inszenierungsmustern in der Industriefotografie?
Es geht darum, wie Produkte (ästhetisch), Gebäude (monumental) oder Belegschaften (geordnet) abgelichtet wurden, um eine bestimmte Botschaft über die Stabilität und Modernität des Unternehmens zu senden.
Wie wurde die Belegschaft in den Pittler-Werken dargestellt?
Belegschaftsbilder dienten oft als gemeinschaftsstiftendes Medium. Sie zeigten die Arbeiter meist in einem geordneten Kontext, der Disziplin und Zusammenhalt innerhalb des Werks signalisierte.
In welchen Bereichen wurden die Fotografien eingesetzt?
Neben der Werbung wurden sie in Expertendiskursen genutzt, dienten als pädagogisches Werkzeug zur Ausbildung und zur Dokumentation technischer Fortschritte.
- Quote paper
- Kristin Klank (Author), 2002, Die Pittlerwerke in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts - Fotografien als Schlüssel zur Bildwelt von Unternehmern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17361