Ein wichtiger Zug des zeitgenössischen Theaters ist die Fokussierung auf die performative Ebene der Aufführung: Das heißt, dass das Schauspiel nicht mehr als Werk angesehen wird, sondern als Ereignis oder als Prozess. Deshalb ist der Begriff „Performativität“ bei der Betrachtung des postdramatischen Theaters besonders wichtig. Im Folgenden möchte ich zunächst klären, was das „Performative“ ist und danach zeigen inwiefern dieses Konzept für die Interpretation von Peter Handkes Kaspar nützlich sein kann.
Inhaltsverzeichnis
- Performativität am Beispiel von Peter Handkes „Kaspar“
- Performativität im zeitgenössischen Theater
- Die performative Sprache
- Performativität im Stück „Kaspar“
- Das performative Element im Stück „Kaspar“
- Performativität und Textverständnis
- Schlussfolgerung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der vorliegende Essay befasst sich mit dem Konzept der Performativität im Kontext des zeitgenössischen Theaters, speziell am Beispiel von Peter Handkes „Kaspar“. Er untersucht, wie Performativität im Werk Handkes zum Tragen kommt und wie sie die Interpretation des Stücks beeinflusst.
- Die Rolle der Performativität im postdramatischen Theater
- Die performative Natur der Sprache in Handkes „Kaspar“
- Die Interaktion zwischen Kaspar und den Einsagern als performative Handlung
- Der Einfluss der Performativität auf die Identität des Protagonisten
- Die Verbindung zwischen Sprache, Handlung und Erfahrung im Stück
Zusammenfassung der Kapitel
Der Essay beginnt mit einer Einführung in das Konzept der Performativität im zeitgenössischen Theater, wobei er auf die Definitionen von John L. Austin und Judith Butler Bezug nimmt. Anschließend werden die performativen Züge der Sprache in Peter Handkes „Kaspar“ untersucht. Hierbei wird insbesondere die Interaktion zwischen Kaspar und den Einsagern beleuchtet, die als performative Handlung verstanden werden kann.
Der Essay beleuchtet auch die Frage, wie die Performativität im Stück die Identität von Kaspar prägt und wie sie die Verbindung zwischen Sprache, Handlung und Erfahrung im Stück herstellt. Abschließend wird der Einfluss der Performativität auf das Textverständnis diskutiert und es wird argumentiert, dass der Text in erster Linie aus der Sicht seiner Handlung und dessen, was er zeigt, erfasst werden sollte.
Schlüsselwörter
Postdramatisches Theater, Performativität, Peter Handke, Kaspar, Sprache, Handlung, Identität, Interaktion, Einsager, Textverständnis.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter Performativität im Theater?
Performativität bedeutet, dass eine Aufführung nicht mehr als abgeschlossenes Werk, sondern als unmittelbares Ereignis oder Prozess zwischen Schauspielern und Publikum betrachtet wird.
Wie wird Sprache in Peter Handkes "Kaspar" performativ eingesetzt?
In "Kaspar" ist Sprache nicht nur Information, sondern eine Handlung. Die "Einsager" nutzen Sprache, um Kaspars Identität zu formen, ihn zu disziplinieren und seine Wahrnehmung zu verändern.
Welche Rolle spielen John L. Austin und Judith Butler für dieses Konzept?
Austin prägte den Begriff der Sprechakte (Sprache als Handeln), während Butler die Performativität zur Konstruktion von Identität und Geschlecht weiterentwickelte – beides zentrale Aspekte in Handkes Stück.
Wie beeinflussen die "Einsager" die Identität des Protagonisten Kaspar?
Durch ständiges Vorsprechen von Sätzen wird Kaspar eine fremde Ordnung aufgezwungen, wodurch seine ursprüngliche, sprachlose Identität zerstört und durch eine gesellschaftlich konforme ersetzt wird.
Warum ist "Kaspar" ein Beispiel für postdramatisches Theater?
Weil das Stück auf eine klassische Handlung verzichtet und stattdessen die Mechanismen von Sprache, Macht und die performative Erzeugung von Wirklichkeit auf der Bühne thematisiert.
- Quote paper
- Ievgeniia Bogomolova (Karashchuk) (Author), 2010, Performativität am Beispiel von Peter Handkes "Kaspar", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/173437