Der Begriff „verista“ ist bezüglich Bandellos sehr fraglich, dennoch ist durchaus der Hang, „Realität“ darzustellen, in den Novelle vorhanden. Die Forschung jüngeren Datums beschäftigt sich aufgrund dessen verstärkt mit diesem „Realismus“ Bandellos. Dies geschieht nicht mehr vorrangig im Kontext der alten Kontroverse – Plagiat oder historische Fakten-, sondern verstärkt im Sinne einer stärker die Eigenständigkeit des Werkes betonenden Analyse des Textes. Ulrich SCHULZ-BUSCHHAUS formuliert in einem Artikel diese neue Vorgehensweise wie folgt: Wir fragen nicht nach dem Grad von Historizität, durch den sich die Novellen jeweils auszeichnen, sondern nach den narrativen Mitteln, die Bandello bewußt und oft wohl auch unbewußt einsetzt, um den Eindruck solcher Historizität zu erzeugen.
Auf diesem Ansatz basiert demnach auch die vorliegende Arbeit. Es soll einerseits gezeigt werden, was die Besonderheit der Novelle besonders auch vor dem Hintergrund der Dichtungstheorie des Cinquecento ausmacht, inwiefern sie sich von dem großen Vorbild des Decameron abhebt, was das eigentlich Neue der Novelle ist. Dabei sollen zunächst sowohl die Struktur des Werkes, als auch die von Bandello verwendete Sprache und sein Stil, sowie die Themen der Novellen beschrieben werden. Zunächst soll jedoch die Welt des Cinquecento, so wie sie sich Matteo Bandello offenbart, mit ihren großen politischen und religiösen Ereignissen, dargestellt werden. Es soll deutlich werden, dass Bandello und damit auch sein Werk in Zusammenhang mit den Umwälzungen des Jahrhunderts stehen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Matteo Bandello im Italien des frühen Cinquecento
- 2.1. Machtkämpfe und religiöse Verunsicherung – das frühe Cinquecento
- 2.2. Höfling und Dominikaner - Der Werdegang von Matteo Bandello
- 3. Die „Novelle“ als Spiegelbild einer Zeit im Umbruch
- 3.1. Der Widmungsbrief als Rahmen - Die Struktur der Novelle
- 3.2. Der Stil „,,keinen Stil zu haben““ – Die Stilvielfalt der Novelle
- 3.3. Die Unberechenbarkeit Fortunast - Die Rolle des Schicksals in den Novellen
- 4. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Novellensammlung von Matteo Bandello und analysiert sie im Kontext des frühen 16. Jahrhunderts. Sie beleuchtet die Besonderheiten von Bandellos Werk, wie die Struktur, den Stil und die Themen, in Bezug auf das große Vorbild des Decameron von Boccaccio. Zudem wird die Bedeutung von Bandellos Werk für die Entwicklung der italienischen Novellistik und seine Bedeutung als Quelle für die Geschichte des Cinquecento beleuchtet.
- Die Besonderheit der Novelle Bandellos im Vergleich zum Decameron
- Die Struktur und der Stil von Bandellos Novellen
- Die Themen der Novellen im Kontext der politischen und religiösen Umwälzungen des frühen 16. Jahrhunderts
- Die Rolle des Schicksals und die Bedeutung der Authentizität in den Novellen
- Die Frage nach dem „Realismus“ in Bandellos Novellen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt Matteo Bandello als bedeutenden Novellendichter des Cinquecento vor und beleuchtet seine Rezeption in der Forschung. Sie führt die Besonderheiten von Bandellos Novellensammlung, insbesondere seine Abgrenzung vom Vorbild Boccaccios, ein.
Das Kapitel 2 widmet sich der historischen und politischen Situation des frühen 16. Jahrhunderts, in der Bandello lebte und arbeitete. Es beschreibt die Machtkämpfe zwischen den italienischen Staaten und die Auswirkungen der Reformation auf die religiöse und politische Landschaft Italiens.
Kapitel 3 beleuchtet die Struktur, den Stil und die Themen der Novellen Bandellos. Es befasst sich mit dem Widmungsbrief als Rahmen der Sammlung, der Stilvielfalt der Novellen und der Rolle des Schicksals in den Erzählungen. Besonderes Augenmerk wird auf Bandellos Anspruch auf Authentizität und die Frage nach dem „Realismus“ in seinen Novellen gelegt.
Schlüsselwörter
Die Arbeit beschäftigt sich mit den zentralen Aspekten der Novellistik Matteo Bandellos, darunter die Bedeutung von Struktur, Stil und thematischen Inhalten im Kontext des frühen 16. Jahrhunderts. Wichtige Schlagworte sind: Novellensammlung, Decameron, Boccaccio, Cinquecento, Widmungsbrief, Authentizität, „Realismus“, Machtkämpfe, Reformation, Italien.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Matteo Bandello?
Matteo Bandello war ein bedeutender italienischer Novellendichter des frühen 16. Jahrhunderts (Cinquecento), der auch als Dominikaner und Höfling tätig war.
Wie unterscheiden sich Bandellos Novellen vom „Decameron“?
Während Boccaccios Decameron als großes Vorbild galt, zeichnen sich Bandellos Novellen durch eine neue Struktur, eine größere Stilvielfalt und einen stärkeren Fokus auf zeitgenössische Realität aus.
Was ist das Besondere am Stil von Bandello?
Bandello verfolgte oft den Ansatz, „keinen Stil zu haben“, was eine bewusste Abkehr von starren literarischen Normen bedeutete, um einen Eindruck von Authentizität und Historizität zu erzeugen.
Welche Rolle spielt das Schicksal in seinen Erzählungen?
Ein zentrales Thema ist die Unberechenbarkeit der „Fortuna“ (des Schicksals), die das Leben der Menschen im turbulenten Italien des Cinquecento bestimmt.
Warum wird Bandello oft mit dem Begriff „Realismus“ verknüpft?
Die Forschung untersucht Bandellos Hang zur Darstellung der Realität, wobei er narrative Mittel einsetzt, um seine Geschichten als wahre historische Begebenheiten erscheinen zu lassen.
Welchen historischen Hintergrund haben die Novellen?
Die Novellen spiegeln eine Zeit im Umbruch wider, geprägt von politischen Machtkämpfen in Italien und der religiösen Verunsicherung durch die Reformation.
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- MA Melanie Berg (Author), 2001, Matteo Bandellos Novellensammlung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/172594