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Analyse des Tons in den Video-Installationen "Vorstadthirn" und "Extremitäten (weich, weich)" von Pipilotti Rist

Title: Analyse des Tons in den Video-Installationen "Vorstadthirn" und "Extremitäten (weich, weich)" von Pipilotti Rist

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 29 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Nicole Mühlhausen (Author)

Film Science
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Dem französischen Filmwissenschaftler Michael Chion, insbesondere seinem einflussreichen Werk „L´Audio-vision“, ist es zu verdanken, dass in den Medienwissenschaften eine extensive und differenzierte Beschäftigung mit der zuvor stark vernachlässigten und unterbewerteten Tonspur eingeleitet wurde. Dass die Tonspur in den Medienwissenschaften über Jahrzehnte nicht bzw. nur vereinzelt zum Untersuchungsgegenstand erhoben wurde, erklärt sich anfänglich durch die historische Entwicklung des Films . Zum einen versuchte sich die neue Kunstgattung zunächst von den anderen Künsten primär als eine Kunst der bewegten Bilder abzugrenzen. Zum anderen hatte der Film bis zum Ende der 1920er Jahre de facto noch keine Tonspur. Mit der Einführung des Tonfilms wurde dem Ton zunächst zwar eine größere Beachtung und Bedeutung zugemessen, jedoch bestand im öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurs über weitere fünf Jahrzehnte Konsens darüber, dem Bild das Primat des Filmischen zuzusprechen.
Erst mit der Ende der 1970er Jahre vollzogenen Einführung des Dolby-Stereo-Tonsystems, das zum Synonym für ein spektakuläres Kinoerlebnis avancierte, wurde die Vormachtsstellung des Bildes wieder in Frage gestellt und eine neue öffentliche Debatte darüber entfacht, was für den Film bedeutsamer sei: das Bild oder der Ton? Durch Chions Werk „L´Audio-vision“ wurde diese einseitige Diskussion durchbrochen und der Forschungsschwerpunkt vielmehr auf die wechselseitigen Einflüsse von Bild und Ton auf die filmische Bedeutungskonstitution ausgerichtet.
Thema meiner Arbeit soll es sein, die Funktion und Bedeutung des Tons sowie das Verhältnis von Ton und Bild und deren gegenseitige wechselseitige Einflüsse in der verhältnismäßig noch wenig erforschten Gattung der Videokunst zu untersuchen. Im Vorfeld möchte ich zunächst die charakteristischen Merkmale der Kunstgattungen Video und Videoinstallation in Abgrenzung zum Film herausarbeiten, um daraus bereits mögliche Differenzen in Bezug auf die Tonspur im Video ableiten zu können. Analysegegenstand meiner Arbeit ist die Tonspur in den beiden Videoinstallationen „Vorstadthirn“ und „Extremitäten (weich, weich)“ der Schweizer Videokünstlerin Pipilotti Rist. Beide Installationen stammen aus dem Jahr 1999, wobei ich mich in meiner Analyse konkret auf die Konzeption beziehe, die im Jahr 2005 im Berliner Museum „Hamburger Bahnhof“ gezeigt wurde.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vergleich der Kunstgattungen Film und Video/Videoinstallation

3. Analyse der Tonspur in der Videoinstallation „Vorstadthirn“

4. Analyse der Tonspur in der Videoinstallation „Extremitäten (weich, weich)“

5. Schlussbetrachtung

6. Anhang

6.1 Text der Videoinstallation „Vorstadthirn“

6.2 Textauszug der Videoinstallation „Extremitäten (weich, weich)“

7. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Funktion und Bedeutung des Tons sowie das Verhältnis von Bild und Ton in der zeitgenössischen Videokunst, wobei sie sich auf die Videoinstallationen „Vorstadthirn“ und „Extremitäten (weich, weich)“ von Pipilotti Rist konzentriert.

  • Phänomenologische und semantische Analyse von Tonspuren
  • Abgrenzung der Medien Film und Video/Videoinstallation
  • Untersuchung der Rolle der Stimme als dominantes Klangobjekt
  • Analyse der Interaktion zwischen Rezipient und Installation
  • Diskussion über die Autonomie von Tonspuren in der Kunst

Auszug aus dem Buch

3. Analyse der Tonspur in der Videoinstallation „Vorstadthirn“

Im Zentrum der Installation befindet sich ein halbrundes Miniaturmodell eines Vorstadthauses mit Garten und Nebengebäuden, das der urbanen Zivilisation entrückt zwar idyllisch nahe am Waldrand liegt, aber gleichzeitig auch symptomatisch am Ende einer Sackgasse. Dieses Modell ist detailliert ausgearbeitet und weist die für ein Einfamilienhaus typische Gestaltung aus: Garage, Terrasse, separater Grillplatz, Geräteschuppen, Plastikschwimmbecken, Wäschespinne, Spielgeräte, gepflegter Rasen mit vereinzelten Blumenkübeln. Die Installation umfasst drei Videoprojektionen. Die größte von ihnen projiziert ihre Bilder auf die an das Miniaturmodell angrenzende Museumswand, die zusätzlich mit rotem, gelbem und grünem Licht angestrahlt wird und den Raum dadurch halb erhellt. Diese Projektion zeigt im abgehackten, verlangsamten Rhythmus Bilder einer Vorstadtlandschaft mit Wiesen, Bäumen, Strommasten, Laternen, Straßen und vereinzelten Häusern und bildet den diffusen Rahmen für die klar abgegrenzte, kleinere Videoprojektion, die rechts unten an der selben Museumswand zu sehen ist.

Diese kleinere Videoprojektion ist die einzige, die mit einer Tonspur unterlegt ist, und zeigt eine junge Frau (verkörpert von Pipilotti Rist) in einem Auto, die während der Fahrt einen Monolog über ihre Kindheit, Eltern, Beziehungen zwischen Mann und Frau sowie über das Menschsein im Allgemeinen hält. Dieses Video ist mit einer unbewegten Kamera vom Beifahrersitz des Autos aufgenommen worden und zeigt in unveränderter Einstellungsgröße die Nahaufnahme der unteren Gesichtshälfte, hauptsächlich des Mundes, von Pipilotti Rist, die sich auf dem Fahrersitz befindet. Dieses starre Bild steht im Kontrast zur bewegten Landschaft, die durch das Autofenster mal mehr mal weniger zu sehen ist, je nachdem, ob Rist durch ein Zurücklehnen ihres Körpers den Blick darauf freigibt. Das dritte Video wird auf ein aus dem Modellhaus hervortretenden Fenster projiziert und zeigt in starken und überbelichteten Farben Szenen von verschiedenen Familien beim Essen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die medienwissenschaftliche Bedeutung der Tonspur ein und erörtert die filmtheoretische Vernachlässigung des Tons zugunsten des visuellen Primats.

2. Vergleich der Kunstgattungen Film und Video/Videoinstallation: Dieses Kapitel arbeitet die formalen Unterschiede zwischen dem klassischen Kino und der Videoinstallation heraus, insbesondere hinsichtlich der Raumkonzeption und der Zuschauerrolle.

3. Analyse der Tonspur in der Videoinstallation „Vorstadthirn“: Die Analyse zeigt, dass der Ton hier eine autonome Bedeutungsebene einnimmt, die den handlungsarmen, statischen Bildern erst Struktur verleiht.

4. Analyse der Tonspur in der Videoinstallation „Extremitäten (weich, weich)“: In diesem Kapitel wird dargelegt, dass der Ton in „Extremitäten“ primär ästhetische Funktionen erfüllt und dem Bild untergeordnet bleibt, wobei die Stimme als akusmatisches Element fungiert.

5. Schlussbetrachtung: Das Fazit stellt fest, dass es in der Videokunst keine generelle Dominanz eines Elements gibt und die Freiheit des Künstlers gegenüber den Restriktionen des Kinofilms im Vordergrund steht.

6. Anhang: Der Anhang dokumentiert die Transkripte der untersuchten Videoinstallationen als Grundlage für die Analyse.

7. Literaturverzeichnis: Hier sind die verwendeten Quellen und theoretischen Grundlagen zur Analyse der Ton- und Videoinstallationen aufgelistet.

Schlüsselwörter

Pipilotti Rist, Videoinstallation, Tonspur, Audio-Vision, Sound Design, Vorstadthirn, Extremitäten, Filmtheorie, Michael Chion, Vocozentrismus, Akusmatik, Medienwissenschaft, Bild-Ton-Verhältnis, Zeitgenössische Kunst, Interaktivität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse und Bedeutung von Tonspuren in den Videoinstallationen der Künstlerin Pipilotti Rist.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentral sind die Wechselwirkungen zwischen Bild, Ton und Raum sowie die Frage nach der Autonomie der Tonspur im Vergleich zum klassischen Kinofilm.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die Funktionen des Tons in der Videokunst zu untersuchen und zu zeigen, dass sich diese grundlegend von der filmischen Narration unterscheiden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf medienwissenschaftliche Theorien, insbesondere von Michael Chion, und nutzt die „masking method“, um die Bedeutungsebene von Bild und Ton isoliert zu untersuchen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Abgrenzung zwischen Film und Video sowie in detaillierte Analysen der Tonspuren in den Werken „Vorstadthirn“ und „Extremitäten“.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Videoinstallation, Audio-Vision, Autonomie der Tonspur, vocozentrische Struktur und das Verhältnis zwischen Rezipient und Kunstwerk.

Inwiefern unterscheidet sich die Tonspur in „Vorstadthirn“ von der in „Extremitäten“?

In „Vorstadthirn“ ist der Ton autonom und konstituiert die Bedeutung der Installation, während er in „Extremitäten“ eine eher atmosphärische, untergeordnete Rolle spielt.

Welche Rolle spielt die Stimme in den untersuchten Installationen?

Die Stimme von Pipilotti Rist dient in beiden Fällen als zentrales Element, tritt jedoch in „Vorstadthirn“ als erzählerischer Monolog und in „Extremitäten“ eher als akusmatisches, ästhetisches Klangereignis auf.

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Details

Title
Analyse des Tons in den Video-Installationen "Vorstadthirn" und "Extremitäten (weich, weich)" von Pipilotti Rist
College
Free University of Berlin  (Theaterwissenschaft)
Course
Sound Design
Grade
1,3
Author
Nicole Mühlhausen (Author)
Publication Year
2005
Pages
29
Catalog Number
V171984
ISBN (eBook)
9783640915842
ISBN (Book)
9783640916245
Language
German
Tags
Videoinstallationen Ton Sounddesign
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nicole Mühlhausen (Author), 2005, Analyse des Tons in den Video-Installationen "Vorstadthirn" und "Extremitäten (weich, weich)" von Pipilotti Rist, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/171984
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