Die Region Oberschlesien scheint aus der Industrialisierungsgeschichte Mitteleuropas kaum wegzudenken. Sie wird genannt als ein wichtiger Konkurrent des expandierenden Ruhrgebiets, als unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor des preußischen Reiches. Zahlreiche Untersuchungen sind im Laufe der Jahrzehnte, auch nach der Annexion Schlesiens an Polen infolge des II. Weltkrieges, zu diesem Thema, der Industrialisierung Oberschlesiens, angestellt worden , oftmals mit einer Schwerpunktsetzung auf das 18. bzw. 19. Jahrhundert.
Wie konnte es einer Region am äußersten Rand des preußischen Reiches, deren Bevölkerung nach feudalen Strukturen und auf landwirtschaftlich – gewerblicher Basis lebte, gelingen, eine derart wichtige Position in der Wirtschaft des Reiches zu erlangen?
Der Antwort auf diese Frage werden diese Untersuchungen näher zu kommen versuchen.
Das Hauptaugenmerk wird hierbei zunächst auf den vorhandenen Gegebenheiten im 18. bzw. 19 Jahrhundert liegen, sowohl in naturräumlicher als auch in politischer Hinsicht. Besonders im Falle Schlesiens ist es wenig sinnvoll bis unmöglich, politische von wirtschaftlichen Entwicklungen zu trennen. Eine ebenso bedeutende Rolle spielt die vorherrschende Gesellschaftsstruktur, in die die Menschen zum Zeitpunkt der Industrialisierung noch fest eingefügt waren – die Entwicklung des feudalen Gutswesens hin zur Lohnarbeit in den entstehenden Fabriken wird hierbei besonders berücksichtigt werden.
Die Entwicklung einer Wirtschaft ohne die entsprechende Infrastruktur ist kaum denkbar: daher ist auch diesem Thema ein zusammenfassendes Kapitel gewidmet, das erahnen lässt, welche Rolle die Verkehrsbedingungen für die Wirtschaft Oberschlesiens spielten.
Nach diesen allgemeineren, jedoch unerlässlichen, Aspekten, stehen Montanindustrie – insbesondere der Steinkohlebergbau – und das Eisenhüttenwesen Schlesiens im Mittelpunkt der Untersuchungen.
Eine Zusammenfassung der erzielten Ergebnisse schließt diese Arbeit ab.
Inhaltsverzeichnis
- I. Zur Orientierung
- II. Hauptteil
- 1. Naturräumliche Gegebenheiten und Ressourcen
- 2. Zusammenfassung der politischen Entwicklungen des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts und ihrer Auswirkungen auf die oberschlesische Wirtschaft
- 3. Feudale Gesellschaft und Landflucht
- 3.1 Fabrikarbeit als „Robotdienst“
- 4. Infrastruktur in Oberschlesien
- 5. Die oberschlesischen Hauptindustriezweige
- 5.1 Bergbau
- 5.2 Hüttenwesen
- III. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Seminararbeit befasst sich mit der Industrialisierung Oberschlesiens im 18. und 19. Jahrhundert. Ziel ist es, die Entwicklung dieser Region vom ländlichen und feudalen Umfeld hin zu einem wichtigen Industriezentrum im preußischen Reich zu untersuchen. Dabei werden die wichtigsten Faktoren für diesen Wandel analysiert, darunter die natürlichen Ressourcen, die politische Entwicklung, die soziale Struktur und die Infrastruktur.
- Naturräumliche Gegebenheiten und Ressourcen Oberschlesiens
- Politische Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft
- Soziale Strukturen und die Entwicklung der Arbeitswelt
- Infrastruktur und ihre Bedeutung für die Industrialisierung
- Die Rolle der Montanindustrie, insbesondere des Steinkohlebergbaus und des Eisenhüttenwesens
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel befasst sich mit den naturräumlichen Gegebenheiten und Ressourcen Oberschlesiens. Es werden die wichtigsten Rohstoffe wie Kohle, Blei und Brauneisenerz beschrieben, sowie die landwirtschaftlichen Möglichkeiten des Odertieflands und der Bergregionen. Das zweite Kapitel behandelt die politischen Entwicklungen des 18. und 19. Jahrhunderts, insbesondere die Angliederung Schlesiens an Preußen und die Auswirkungen der preußischen Reformen auf die oberschlesische Wirtschaft. Das dritte Kapitel analysiert die feudale Gesellschaft und die Landflucht in Oberschlesien im Kontext der Industrialisierung. Das vierte Kapitel befasst sich mit der Entwicklung der Infrastruktur, insbesondere der Verkehrsbedingungen, die für die Industrialisierung von großer Bedeutung waren. Das fünfte Kapitel widmet sich den beiden wichtigsten Industriezweigen in Oberschlesien: dem Bergbau und dem Hüttenwesen.
Schlüsselwörter
Industrialisierung, Oberschlesien, Montanindustrie, Steinkohlebergbau, Eisenhüttenwesen, Feudalismus, Landflucht, Infrastruktur, Preußen, politische Entwicklung, soziale Strukturen, Ressourcen.
- Quote paper
- Anna - Friederike Klink (Author), 2009, Montangewerbe und Eisenhüttenwesen in der Industrialisierung Oberschlesiens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169588