Nahezu täglich werden historische Dokumentationen über die verschiedensten öffentlich- rechtlichen sowie privaten Fernsehanstalten ausgestrahlt. Zu diesen Fernsehsendungen zählen häufig auch Dokumentationen über das Mittelalter, welche jedoch regelmäßig ein äußerst finsteres und gar rechtloses Bild dieser Zeit konstruieren und vermitteln. In diesem rechtlosen Raum, so eine Vielzahl der Dokumentationen, waren die Bauern die Schwachen, welche in absoluter Abhängigkeit zu ihrem Lehnsherren standen und keinerlei Rechtsmöglichkeiten hatten. In der Regel wird dieses Bild vom Zuschauer unkritisch übernommen und eventuell sogar weitergegeben. Doch ist diese Reflexion des Mittelalters tatsächlich korrekt? Befanden sich die Menschen zur damaligen Zeit wirklich in einem rechtlosen System, das nur den Herrschenden diente und untere beziehungsweise niedere Gruppen systematisch unterdrückte? Diese Fragen sollen im Verlauf dieser Arbeit anhand des Weimarer Stadtbuches von 1380 beantwortet werden.
Grundsätzlich zählen Stadtbücher „zu den besonders aussagekräftigen Quellen der mittelalterlichen […] Städtegeschichte.“ Stadtbücher gehören zur Quellengattung der Geschäfts- und Amtsbücher, welche häufig in den städtischen Kanzleien geführt wurden und somit als wichtiges Hilfsmittel der ortsansässigen Verwaltung galten. Darüber hinaus wurden „rechtserhebliche Akte der städtischen Verwaltungsorgane, vor allem des Rates“ , festgehalten. Aus diesem Grund wird in diesem Zusammenhang oft der Begriff der Ratsbücher verwendet. Allgemein gilt, dass Stadtbücher in den nördlichen Reichsteilen als Beweismittel bevorzugt wurden, wohingegen „im Süden Notariatsinstrumenten und Siegelurkunden der Vorrang eingeräumt wurde.“ Inhaltlich lässt sich ferner festhalten, dass neben Rechtsbüchern auch so genannte Mischbücher existieren, welche „Einträge der unterschiedlichsten sachlichen Betreffe vereinen.“
Bei dem nun näher zu untersuchenden Weimarer Stadtbuch von 1380 handelt es sich ebenfalls um ein Mischbuch.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Weimar im Spätmittelalter
- Die Überlieferungs- und Editionsgeschichte des Weimarer Stadtbuches von 1380
- Die Handschrift, der Inhalt und die Schreiber des Weimarer Stadtbuches
- Ausgewählte Beschlüsse und Bestrafungen bezüglich des unerlaubten Wein- und Bierverkaufs
- Zusammenfassung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit analysiert das Weimarer Stadtbuch von 1380, um einen Einblick in die Rechtspraxis und die Verwaltung einer spätmittelalterlichen Stadt zu gewinnen. Ziel ist es, die Aussagekraft des Stadtbuches als Quelle der mittelalterlichen Stadtgeschichte aufzuzeigen und die Frage zu beleuchten, ob es im Mittelalter ein rechtloses System gab.
- Die Entwicklung Weimars im Spätmittelalter
- Die Überlieferungssituation und Edition des Weimarer Stadtbuches von 1380
- Der Inhalt und die Schreiber des Weimarer Stadtbuches
- Die Rechtspraxis in Weimar anhand von Bestrafungen wegen unerlaubten Wein- und Bierverkaufs
- Die Rolle des Rats und die Entwicklung von Selbstverwaltung in Weimar
Zusammenfassung der Kapitel
- Die Einleitung führt in das Thema ein und stellt die Forschungsfrage nach der Existenz eines rechtlosen Systems im Mittelalter.
- Das zweite Kapitel beschreibt die Entwicklung Weimars im Spätmittelalter und beleuchtet die Rolle der Grafen von Weimar-Orlamünde und die Herausbildung einer Ratsverfassung.
- Das dritte Kapitel behandelt die Überlieferungsgeschichte des Weimarer Stadtbuches von 1380, einschließlich der ersten Editionen und der Entdeckung des Buches im 20. Jahrhundert.
- Das vierte Kapitel geht auf die Handschrift, den Inhalt und die Schreiber des Weimarer Stadtbuches ein, einschließlich der Sprache, der Art der Eintragungen und der vermuteten Schreiber.
- Das fünfte Kapitel analysiert ausgewählte Beispiele aus dem Weimarer Stadtbuch von 1380, die sich mit Bestrafungen wegen des unerlaubten Wein- und Bierverkaufs befassen. Dabei werden die verschiedenen Formen der Bestrafung und die rechtlichen Grundlagen der Verurteilungen untersucht.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter der Arbeit sind: Weimar, Stadtbuch, Spätmittelalter, Rechtsgeschichte, Stadtverwaltung, Rechtspraxis, Bürgergemeinde, Selbstverwaltung, Weinverkauf, Bestrafung, Torhaft, Rechtssicherheit, Rechtsgleichheit.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Weimarer Stadtbuch von 1380?
Es handelt sich um ein sogenanntes "Mischbuch" aus der städtischen Kanzlei, in dem rechtserhebliche Akte, Beschlüsse des Rates und Verwaltungsangelegenheiten der Stadt Weimar festgehalten wurden.
Widerlegt das Stadtbuch das Bild des "rechtlosen Mittelalters"?
Ja, die Dokumente zeigen, dass es klare Rechtsvorschriften, Verfahren und Bestrafungen gab, die für eine gewisse Rechtssicherheit und Ordnung innerhalb der Bürgergemeinde sorgten.
Welche Strafen gab es für unerlaubten Wein- und Bierverkauf?
Das Stadtbuch dokumentiert spezifische Bußgelder und Strafen wie die "Torhaft", die verhängt wurden, um das städtische Monopol und die Qualität des Ausschanks zu schützen.
Wer waren die Schreiber des Stadtbuches?
Die Einträge stammen meist von Stadtschreibern oder Klerikern, die im Auftrag des Rates handelten und die Entwicklung der städtischen Selbstverwaltung dokumentierten.
Warum sind Stadtbücher so wichtige historische Quellen?
Sie bieten authentische Einblicke in das Alltagsleben, die Wirtschaftsordnung und die juristische Praxis einer mittelalterlichen Stadt, weit über die offizielle Geschichtsschreibung hinaus.
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- Mathias Kunz (Author), 2010, Das Weimarer Stadtbuch von 1380, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169567