Die folgende Untersuchung der „Vanitas“ und des „Memento mori“ in der Lyrik des Barockzeitalters soll Aufschluss geben, welche bedeutende Rolle beide Begriffe in der Epoche von 1600 bis 1720 gespielt haben.
Meine Analyse soll die Zerrissenheit der Menschen und deren pessimistische Grundeinstellung aufzeigen.
Anhand der ausgewählten Gedichte möchte ich die Lebensauffassung berühmter Lyriker des Barock verdeutlichen und darstellen, welche Gedanken das Leben von Andreas Gryphius oder Martin Opitz beeinflusst und geprägt haben. Die Lyrik des Barock ist von großer Tiefe und sprachlicher Schönheit, was im Laufe dieser Hausarbeit anhand von Beispielen aufgezeigt werden soll. Dichter dieser Epoche stammten hauptsächlich aus gelehrten, bürgerlichen Kreisen und sprachen Leser desselben Niveaus an. Lyrikervereinigungen, wie die Fruchtbringende Gesellschaft widmeten sich der „Pflege der dt. Sprache“ , darunter auch die Gesellschaft, der Gryphius später angehören sollte.
In Deutschland hatten sich die Gegensätze seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 verschärft. Die katholische Kirche hatte für den alten Glauben große Gebiete zurückgewonnen, neben den Lutheranern gab es auch reformierte Gemeinden. Es herrschte enorme Spannung zwischen den einzelnen Religionsparteien und der eigentlich unbedeutende Zwischenfall des „Prager Fenstersturz“ löste den Dreißigjährigen Krieg auf deutschem Boden aus. Zunächst ein Religionskrieg, wurde er allmählich zu einem Machtkampf zwischen Kaiser und Fürsten. Da Lyriker wie Opitz und Gryphius in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges aufgewachsen waren, war ihnen strenge Ordnung ihrer Werke oberstes Gebot. Dies spiegelt sich vor allem in ihren Gedichten wieder. Die drei von mir ausgewählten Gedichte „Es ist alles eitel“ und „Thränen des Vaterlandes. Anno 1636.“ von Andreas Gryphius, sowie das Gedicht „Ach „Liebste / las vns eilen“ von Martin Opitz lassen sich auf Grund ihrer für den Barock typischen Merkmale als eindeutig dieser Zeit angehörig identifizieren. Werkinterpretation und Literaturgeschichte bedingen und ergänzen sich dabei gegenseitig. Immens wichtig ist aber auch die Betrachtung der historischen Zusammenhänge in denen Werk und Autor stehen.
Inhaltsverzeichnis
I. Gliederung
II. Einleitung
III. Theoretisches
1. Der Begriff „Barock“
2. „Vanitas“
a. Ursprung und Entwicklung
IV. Interpretationen an ausgewählten Beispielen
1. „Es ist alles eitel“ (Andreas Gryphius)
a. Formales
b. Analyse
2. „Ach Liebste, laß uns eilen“ (Martin Opitz)
a. Formales
b. Analyse
3. „Tränen des Vaterlandes, Anno 1636“ ( Andreas Gryphius)
a. Formales
b. Analyse
V. Bilanz
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung der Motive „Vanitas“ und „Memento mori“ in der Lyrik des Barockzeitalters (1600–1720) und analysiert, wie diese Begriffe das Lebensgefühl der Epoche prägen. Anhand ausgewählter Gedichte von Andreas Gryphius und Martin Opitz wird aufgezeigt, wie die Zerrissenheit zwischen Weltlust und Todesangst in der Literatur verarbeitet wurde.
- Historischer Kontext und Lebensauffassung im Barock
- Analyse des „Vanitas“-Gedankens in Literatur und Philosophie
- Interpretation barocker Sonette hinsichtlich formaler und inhaltlicher Merkmale
- Die Darstellung von Vergänglichkeitssymbolen in der Lyrik
- Verarbeitung der Wirren des Dreißigjährigen Krieges in der Dichtung
Auszug aus dem Buch
1.„Es ist alles eitel“ (Andreas Gryphius)
Ich stelle dieses Sonett an den Anfang der Gedichtinterpretationen barocker Gedichte, weil es das Thema beinhaltet, welches kennzeichnend für Gryphius` Werke ist, das zentrale Thema des Barockzeitalters, die Eitelkeit.
Andreas Gryphius` Sonett „Es ist alles eitel“, eines der bekanntesten Gedichte der Barockzeit, ist im Jahre 1663 bekannt geworden.
Es ist alles eitel
Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein;
Wo itz und Städte stehn, wird eine Wiese sein,
Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.
Was itz und prächtig blüht, soll bald zertreten werden;
Was itzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein;
Nichts ist, das ewig sei, kein Erz, kein Marmorstein.
Jetzt lacht das Glück uns an, bald donnern die Beschwerden.
Der hohen Taten Ruhm muß wie ein Traum vergehn.
Soll denn das Spiel der Zeit, der leichte Mensch, bestehn?
Ach, was ist alles dies, was wir für köstlich achten.
Als schlechte Nichtigkeit, als Schatten, Staub und Wind,
Als eine Wiesenblum, die man nicht wieder findt!
Noch will, was ewig ist, kein einig Mensch betrachten.
Zusammenfassung der Kapitel
Gliederung: Übersichtsseite über den strukturellen Aufbau der Seminararbeit.
Einleitung: Einführung in die Thematik der Vergänglichkeit im Barock sowie die Zielsetzung der Untersuchung.
Theoretisches: Erläuterung des Barockbegriffs und detaillierte Herleitung der philosophischen und religiösen Wurzeln des „Vanitas“-Gedankens.
Interpretationen an ausgewählten Beispielen: Analyse dreier zentraler Gedichte unter Berücksichtigung formaler Aspekte und inhaltlicher Interpretation der Vergänglichkeitssymbolik.
Bilanz: Reflektion über die Übertragbarkeit des barocken Lebensgefühls auf die heutige Zeit und Synthese der Leitmotive.
Schlüsselwörter
Barock, Lyrik, Vanitas, Memento mori, Carpe diem, Vergänglichkeit, Andreas Gryphius, Martin Opitz, Sonett, Dreißigjähriger Krieg, Literaturinterpretation, Todesangst, Lebenslust, Epoche, Literaturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die zentrale Rolle der Begriffe „Vanitas“ und „Memento mori“ in der Lyrik des 17. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Vergänglichkeit alles Irdischen, das Spannungsfeld zwischen Lebensgier und Todesangst sowie die Reflexion kriegerischer Zerstörung in der Literatur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Interpretation ausgewählter Werke darzustellen, wie die barocken Dichter ihre pessimistische Weltsicht und ihr Streben nach Ordnung in ihren Texten artikulierten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der literarischen Werkinterpretation unter Einbeziehung historischer Kontexte und literaturwissenschaftlicher Sekundärquellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgen detaillierte Analysen der Gedichte „Es ist alles eitel“ und „Tränen des Vaterlandes“ von Andreas Gryphius sowie „Ach Liebste, laß uns eilen“ von Martin Opitz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Barock, Vanitas, Vergänglichkeit, Memento mori und Literaturinterpretation definieren.
Warum spielt der Dreißigjährige Krieg eine so wichtige Rolle für die Autoren?
Der Krieg prägte die Kindheit und Jugend der Dichter und fungierte als Katalysator für die in der Lyrik thematisierte Angst und den Wunsch nach strenger ordnender Form im Werk.
Was unterscheidet Gryphius' „Tränen des Vaterlandes“ von seinem Sonett „Es ist alles eitel“?
Während „Es ist alles eitel“ allgemein die Nichtigkeit der Welt thematisiert, fokussiert sich „Tränen des Vaterlandes“ konkret auf das durch Krieg zerstörte Vaterland und den Verlust religiöser Hoffnung.
Wie lässt sich das „Carpe Diem“-Motiv bei Martin Opitz deuten?
Bei Opitz ist das „Nutze den Tag“ eine Aufforderung, die Liebe trotz der Vergänglichkeit und des näher rückenden Alters im Hier und Jetzt zu genießen.
- Arbeit zitieren
- Lisa Schüssler (Autor:in), 2009, Der „Vanitas“-Gedanke und die Lyrik des Barock, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/169566