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Die Kriegschuldfrage des zweiten Punischen Krieges

Title: Die Kriegschuldfrage des zweiten Punischen Krieges

Seminar Paper , 2003 , 16 Pages , Grade: 1

Autor:in: Lars Reutter (Author)

World History - Early and Ancient History
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Die Frage der Rechtfertigung eines Krieges hat gerade in diesen Tagen mit dem Krieg im Irak wieder erschreckende Aktualität gewonnen. Diese Frage ist aber keineswegs ein modernes Phänomen, denn schon in der Antike hatte die Frage nach den Anfängen, Ursachen und Verantwortlichkeiten eines Krieges einen sehr hohen Stellenwert. So titulierten die Römer jeden ihrer Kriege als einen gerechten Krieg. So war dies auch beim zweiten Punischen Krieg der Fall. Dieser Krieg wurde von 218 bis 201 vor Christus zwischen Karthagern und Römern ausgefochten und gehört wohl zu den bedeutendsten und bekanntesten Kriegen der Antike. Nach Beendigung dieses Krieges übernahm Rom, bis auf das afrikanische Kernland der Karthager, deren Gebiete oder verteilte es an Verbündete, wie beispielsweise in unmittelbarer Nachbarschaft der Karthager an die Numider. Damit wurde die Großmacht Karthago von Rom zu einem politisch und wirtschaftlich weitgehend irrelevanten von ihnen abhängigen Staat degradiert. Dieser Krieg war somit ein Meilenstein auf dem Wege Roms zu der wohl einflussreichsten Weltmacht der damaligen Zeit. Allerdings will ich mich in meiner Arbeit wie schon oben angedeutet nicht mit dem Kriegsverlauf selbst beschäftigen, sondern vielmehr untersuchen, ob dieser Krieg wirklich von den Römern als gerecht bezeichnet werden darf. Ich werde mich also im Folgenden der Frage widmen, wer die Schuld am Ausbruch des zweiten Punischen Kriegs trägt. Die Beantwortung dieser Frage wird dadurch erschwert, dass kein Quellenmaterial von unmittelbaren Zeitzeugen vorhanden ist, ganz zu Schweigen von originalen Vertragstexten oder karthagischen Quellen. Die Urteilsfindung wird zudem zusätzlich dadurch erschwert, dass spätere antike Autoren wie zum Beispiel Livius Appian, Cato und Polybios mehr oder weniger deutlich für Rom Partei ergriffen, also nicht als objektiv bezeichnet werden können. Angesichts dieser Tatsache will ich mich mit dem meiner Meinung nach noch am ehesten glaubwürdigen antiken Autor Polybios beschäftigen. Daher werde ich zuerst weitgehend unkommentiert die Antwort skizzieren, die Polybios in seinem Hauptwerk ,,Historiai" auf die Kriegschuldfrage gegeben hat. Im Anschluss daran werde ich die aktuelle, sehr mannigfaltige Forschungsmeinung zu diesem Thema darstellen, um dann abschließend am Ende meiner Arbeit eine eigene Bewertung zur Kriegsschuldfrage abzugeben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Kriegschuldfrage bei Polybios

2.1. Die Kriegsursachen nach Polybios

2.1.1. Der Römerhass bei den Barkiden

2.1.2. Die unrechtmäßige Annexion Sardiniens durch die Römer

2.1.3. Die Schaffung einer karthagischen Machtbasis in Iberien

2.2. Die Kriegsanfänge nach Polybios

2.2.1. Der Ebrovertrag

2.2.2. Die Saguntfrage

3. Die aktuelle Forschungsdiskussion

3.1. Die Forschungsdiskussion um den Ebrovertrag

3.2. Die Forschungsdiskussion um die Saguntfrage

4. Eigene Bewertung

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die komplexe Kriegsschuldfrage des Zweiten Punischen Krieges, indem sie die antiken Berichte des Polybios kritisch analysiert und mit dem aktuellen Forschungsstand abgleicht. Ziel ist es, den Wahrheitsgehalt der Schuldzuweisungen zu hinterfragen und zu prüfen, ob die römische Selbstdarstellung des Krieges als "gerechter Krieg" einer historischen Überprüfung standhält.

  • Analyse der Kriegsursachen und Kriegsanfänge nach Polybios
  • Untersuchung der historischen Bedeutung des Ebrovertrags
  • Kritische Beleuchtung der Saguntfrage und der römisch-karthagischen Bündnispolitik
  • Vergleich zwischen der antiken Überlieferung und moderner Forschungsmeinung
  • Eigene Bewertung der beiderseitigen Verantwortlichkeiten für den Kriegsausbruch

Auszug aus dem Buch

2.1.1. Der Römerhass bei den Barkiden

Nach Polybios muss man als erste Kriegsursache den Römerhass des Hamilkar Barkas betrachten. Dieser Hass war durch die Meinung Hamilkars begründet, dass der erste Punische Krieg nur wegen der Niederlagen im Seekampf verloren gegangen wäre, Hamilkar selbst aber im Landkampf auf Sizilien durchaus noch weiter gegen die Römer hätte kämpfen können. Deshalb blieb Hamilkar auch im folgenden zum Kampf gegen die Römer entschlossen und nur innere Unruhen hielten ihn davon ab Krieg zu beginnen. Folgt man der Argumentation des Polybios ist der Hass des Hamilkar also durchaus nachvollziehbar, trotzdem verwundert es zunächst, dass Polybios als ersten Ursache gerade den Hass des Hamilkar Barkas, dem Vater Hannibals, anführt. Denn Hamilkar Barkas lebte beim Losschlagen Hannibals schon längst nicht mehr und konnte daher Hannibal in seiner Kriegsentscheidung nicht mehr beeinflussen. Diese Verwunderung weicht jedoch, wenn man weiter im Text ließt, denn wenig später berichtet Polybios, dass die Beeinflussung des Vaters schon zu Lebzeiten Hamilkars stattfand, indem er seinen Sohn schwören ließ: „Niemals ein Freund der Römer zu werden“. Auf diese Weise übertrug sich der Römerhass vom Vater an den Sohn und im zweiten Punischen Krieg bekam Hannibal nach Polybios die Gelegenheit „den vom Vater ererbten Hass in vollen Maße zu beweisen“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der Kriegsschuldfrage ein und erläutert die methodischen Schwierigkeiten der Quellenlage sowie die Zielsetzung der Untersuchung.

2. Die Kriegschuldfrage bei Polybios: Dieses Kapitel analysiert die Sichtweise des antiken Autors Polybios auf die Ursachen und den Beginn des Zweiten Punischen Krieges, insbesondere den Römerhass und die Rolle von Verträgen.

3. Die aktuelle Forschungsdiskussion: Hier werden moderne wissenschaftliche Debatten hinsichtlich der Authentizität des Ebrovertrags und der rechtlichen Implikationen der Saguntfrage dargelegt.

4. Eigene Bewertung: Der Autor hinterfragt die pro-römische Tendenz bei Polybios und entwickelt eine eigene kritische Einschätzung zur Verantwortung Roms und Karthagos.

5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass beide Mächte eine Mitverantwortung für den Kriegsausbruch tragen und der Begriff des "gerechten Krieges" kritisch zu sehen ist.

6. Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten antiken Primärliteratur sowie der wissenschaftlichen Sekundärliteratur zur Vertiefung der Thematik.

Schlüsselwörter

Kriegsschuldfrage, Zweiter Punischer Krieg, Polybios, Ebrovertrag, Saguntfrage, Römerhass, Hamilkar Barkas, Hannibal, Antike, Bündnispolitik, Historische Analyse, Rom, Karthago, Lutatius-Vertrag, Präventivkrieg.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Untersuchung der Schuldfrage beim Ausbruch des Zweiten Punischen Krieges (218–201 v. Chr.).

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Kriegsursachen nach Polybios, die Kontroverse um den Ebrovertrag sowie die Rolle der Stadt Sagunt als Auslöser des Konflikts.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist die kritische Prüfung, ob die römische Darstellung des Zweiten Punischen Krieges als "gerechter Krieg" historisch fundiert ist oder ob eine beiderseitige Schuld vorliegt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Analyse antiker Quellen (vor allem Polybios) und stellt diese in den Kontext aktueller geschichtswissenschaftlicher Forschungsdiskussionen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die von Polybios genannten Kriegsursachen wie den Hass der Barkiden und die Annexion Sardiniens sowie den aktuellen Forschungsstand zu diplomatischen Verträgen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Kriegsschuld, Römerhass, Ebrovertrag, Saguntfrage und die kritische Bewertung antiker Geschichtsschreibung bestimmt.

Wie bewertet der Autor die Rolle des "Hass-Motivs" bei Hamilkar?

Der Autor erkennt zwar die Existenz des Hasses an, lehnt jedoch Polybios' Behauptung ab, dass dieser Hass allein eine der Hauptursachen für den Krieg gewesen sei, da rationale politische Entscheidungen wichtiger waren.

Welche Schlussfolgerung zieht die Arbeit zum Thema "Gerechter Krieg"?

Die Arbeit kommt zu dem Ergebnis, dass Roms Handeln – etwa durch die Annexion Sardiniens – nicht frei von Schuld war und dass der Kriegsausbruch eher auf einem beiderseitigen Versagen und präventiven Motiven beruhte, statt auf einer einseitigen Aggression.

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Details

Title
Die Kriegschuldfrage des zweiten Punischen Krieges
College
University of Tubingen  (Institut für Alte Geschichte)
Course
Proseminar: Das Zeitalter der Gracchen
Grade
1
Author
Lars Reutter (Author)
Publication Year
2003
Pages
16
Catalog Number
V16894
ISBN (eBook)
9783638216012
ISBN (Book)
9783668104761
Language
German
Tags
Kriegschuldfrage Punischen Krieges Proseminar Zeitalter Gracchen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lars Reutter (Author), 2003, Die Kriegschuldfrage des zweiten Punischen Krieges, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16894
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