"Adelsforschung hat Konjunktur" schrieb der Historiker Walter Demel in "Perspektiven der Adelsforschung" 2009. Begründen kann man diese Aussage mit dem Anschein, dass der Adel in der deutschsprachigen Geschichtsforschung ein Thema ist, das zum Teil und besonders im Bezug auf das "lange 19. Jahrhundert" immer noch unergründet wirkt.
Jedoch haben wir es hier mit einem sehr weiten Forschungsfeld
und auch mit einem Definitionsproblem des Adels an sich zu tun, so dass
sich als Erstes die Frage stellt, welche Rolle die adelige Gesellschaft in der Neuesten Geschichte gespielt hat: Denn ab der französischen Revolution kann man auch im deutschsprachigen Raum Europas von einer Krise sprechen, die starke Auswirkungen auf die adelige Lebenswelt hatte. Die wichtige wirtschaftliche und soziale Stellung, die adelige Familien zuvor inne gehabt hatten, kam nun ins Wanken. Heinz Reif spricht hierbei von einem Wandel adeliger Familienstrukturen beim Übergang in die Moderne3. Als sehr detailreiches und erforschtes Fallbeispiel kann das Haus Thurn und Taxis genannt werden. Dieser Adelskomplex wurde sowohl aus wirtschaftlicher und rechtlicher, als auch aus gesellschaftlicher Perspektive erforscht. Ein wichtiges Werk ist in diesem Zusammenhang die Dissertation "Habsburgs Diener in Post und Politik. Das "Haus" Thurn und Taxis zwischen 1745 und 1867" von Siegfried Grillmeyer, welches in vorliegender Arbeit unter Einbeziehung weiterer Studien über das erwähnte Adelsgeschlecht rezensiert
werden soll. In Bezug auf Grillmeyers Vorgehen in genannter Dissertation ist zunächst zu fragen, welche soziale, ökonomische und juristische Rolle das Thurn und Taxissche Adelsgeschlecht im "langen 19. Jahrhundert" spielte. Weiter soll herausgearbeitet werden, ob das Haus Thurn und Taxis bezüglich adeliger Familienverbände eine gesonderte oder eine repräsentative Stellung einnimmt.
Ziel bzw. Anliegen der Arbeit ist es, die spannende Problematik der Bewahrung der eigenen Position des Hauses Thurn und Taxis in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft im Zuge der Adelskrise und somit Übergang zur Moderne darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
- Ausgangspunkt: Erforschung des Adels des 18. und 19. Jahrhunderts
- Das Adelsgeschlecht Thurn und Taxis
- Ein geschichtlicher Überblick
- Entwicklungslinien zwischen 1748 und 1789
- Entwicklungslinien um 1800
- Entwicklungslinien im 19. Jahrhundert
- Die Bedeutung des Hauses Thurn und Taxis
- Das Postregal - Voraussetzung für eine gesellschaftliche Sonderstellung
- Die Symbiose von symbolischem und realem Kapital
- Das Haus Thurn und Taxis: Repräsentativ verallgemeinernd oder Spezialfall eines Familienunternehmens?
- Ein geschichtlicher Überblick
- Resümee
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert die historische und wirtschaftliche Relevanz des Adelsgeschlechts Thurn und Taxis im Kontext des späten 18. und 19. Jahrhunderts. Sie nimmt dabei die Dissertation von Siegfried Grillmeyer "Habsburgs Diener in Post und Politik. Das "Haus" Thurn und Taxis zwischen 1745 und 1867" als Ausgangspunkt und untersucht, inwiefern dieses Adelsgeschlecht als Repräsentant oder Sonderfall innerhalb des europäischen Adels zu betrachten ist.
- Die Entwicklung des Adelsgeschlechts Thurn und Taxis im 18. und 19. Jahrhundert
- Die Rolle des Postregals für die gesellschaftliche Sonderstellung des Hauses Thurn und Taxis
- Die Verbindung von symbolischem und realem Kapital in der Geschichte des Hauses Thurn und Taxis
- Die Relevanz des Hauses Thurn und Taxis für die allgemeine Geschichte des Adels im Wandel zur Moderne
- Die Frage nach der Repräsentativität des Hauses Thurn und Taxis als Beispiel für ein adliges Familienunternehmen
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Ausgangspunkt: Erforschung des Adels des 18. und 19. Jahrhunderts: Das Kapitel beleuchtet den aktuellen Forschungsstand zur Geschichte des Adels im 18. und 19. Jahrhundert und stellt die spezifische Bedeutung des "langen 19. Jahrhunderts" für die Adelsforschung heraus. Es wird die Frage nach der sozialen, ökonomischen und juristischen Rolle des Adels im Zuge der Französischen Revolution und des Übergangs zur Moderne gestellt.
- Kapitel 2: Das Adelsgeschlecht Thurn und Taxis: In diesem Kapitel wird ein historischer Überblick über die Entwicklung des Adelsgeschlechts Thurn und Taxis gegeben, aufgeteilt in die Phasen zwischen 1748 und 1789, um 1800 und das 19. Jahrhundert. Die Bedeutung des Postregals für die gesellschaftliche Sonderstellung des Hauses wird untersucht.
Schlüsselwörter
Adelsforschung, Adelskrise, Haus Thurn und Taxis, Postregal, Familienunternehmen, Symbolisches Kapital, Reales Kapital, Moderne, "langes 19. Jahrhundert", Gesellschaft, Politik, Wirtschaft
Häufig gestellte Fragen
Welche Rolle spielte das Postregal für das Haus Thurn und Taxis?
Das Postregal war die entscheidende ökonomische und rechtliche Grundlage für die gesellschaftliche Sonderstellung des Hauses Thurn und Taxis. Es ermöglichte der Familie eine einzigartige Symbiose aus symbolischem und realem Kapital.
Was wird unter der "Adelskrise" im 19. Jahrhundert verstanden?
Die Adelskrise beschreibt den Wandel adeliger Lebenswelten und den Verlust der wirtschaftlichen sowie sozialen Vormachtstellung im Zuge der Französischen Revolution und des Übergangs zur Moderne.
Ist das Haus Thurn und Taxis ein repräsentatives Beispiel für den Adel?
Die Forschung diskutiert, ob das Haus Thurn und Taxis ein Spezialfall eines Familienunternehmens ist oder als repräsentativ für adelige Familienverbände im "langen 19. Jahrhundert" gelten kann.
Welche wissenschaftliche Arbeit dient als Hauptquelle für diese Analyse?
Die Untersuchung stützt sich maßgeblich auf die Dissertation von Siegfried Grillmeyer mit dem Titel "Habsburgs Diener in Post und Politik. Das Haus Thurn und Taxis zwischen 1745 und 1867".
Welche Zeitspanne umfasst die historische Untersuchung?
Die Arbeit konzentriert sich auf die Entwicklungslinien zwischen 1745 und 1867, mit besonderem Fokus auf die Phasen um 1800 und das 19. Jahrhundert.
- Quote paper
- Ida Blick (Author), 2010, Das Adelsgeschlecht Thurn und Taxis: Seine historische und wirtschaftliche Relevanz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/168435