Don Juan ist Frauenheld, Draufgänger und Gesetzesbrecher, wobei er zwischen irdischen und himmlischen Gesetzen keinen Unterschied macht. Er ist Gotteslästerer, Mörder, aber auch ein Charmeur, der verführt, belügt und betrügt.
In einem Zeitraum von vier Jahrhunderten wandelt er sich von einem weitgehend unreflektierten, spontan Handelnden zu einem idealischen Romantiker, und wird später psychologisch seziert und parodiert. Die Folie der Don-Juan-Figur wurde in der jeweiligen Epoche oder Zeitströmung entsprechend eingesetzt und bearbeitet. De Molina benutzte sie für sein theologisches Lehrstück, Molière für seine Klerus-Kritik, Hoffmann für seinen Idealsucher, Byron zur Selbstdarstellung, Lehnau für sein Weltschmerz-Empfinden und in Frischs Komödie wird der juansche „Mythos entlarvt ... [und dadurch] ... bewahrt“ .
Auf der Grundlage von de Molinas Drama soll untersucht werden, ob mit der Figur des Don Juan ein psychopathischer Charakter dargestellt wird und welche Auswirkung diese Analyse auf die Bedeutung des Stückes hat.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Historie und Begriff des Psychopathen
- Frauen
- Freunde und Verwandte
- Schuld
- Furchtlosigkeit
- Verantwortung
- Impulsivität
- Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die Figur des Don Juan im Drama "Der steinerne Gast" von Tirso de Molina, um zu untersuchen, ob er als psychopathischer Charakter dargestellt wird. Dabei wird der historische Kontext und der Begriff der Psychopathie betrachtet, und Don Juans Beziehungen zu seinen Mitmenschen anhand von Textbeispielen analysiert. Die Arbeit untersucht die Auswirkungen dieser Analyse auf die Bedeutung des Stückes und beleuchtet verschiedene psychopathische Merkmale im Kontext von Don Juans Verhalten.
- Historische Entwicklung des Begriffs "Psychopathie"
- Don Juans Beziehungen zu Frauen, Freunden und Verwandten
- Psychopathische Merkmale wie Schuldgefühle, Furchtlosigkeit und Impulsivität
- Die Auswirkungen der Analyse auf die Bedeutung des Dramas
- Weitere Untersuchungen zum Thema Psychopathie in der Literatur
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Diese Einleitung stellt Don Juan als eine vielschichtige Figur vor, die in der Literatur über vier Jahrhunderte hinweg verschiedene Interpretationen erfahren hat. Sie skizziert Don Juans Charakterzüge, seine Position am Rande der Gesellschaft und seine Bedeutung als literarische Figur.
- Historie und Begriff des Psychopathen: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Kontext des Begriffs "Psychopathie" und die Entwicklung des Verständnisses von psychopathischem Verhalten im 19. Jahrhundert. Es beschreibt die charakteristischen Merkmale von Psychopathen und stellt die Herausforderungen der Forschung auf diesem Gebiet dar.
- Frauen: Dieser Abschnitt fokussiert auf Don Juans Beziehungen zu Frauen und analysiert sein Verhalten anhand von Textbeispielen. Die Analyse beleuchtet die Merkmale von Don Juans Interaktion mit Frauen im Hinblick auf psychopathische Verhaltensmuster.
- Freunde und Verwandte: Dieses Kapitel analysiert Don Juans Beziehungen zu seinen Freunden und Verwandten. Es betrachtet seine Interaktion mit diesen Personen im Hinblick auf typische psychopathische Verhaltensmerkmale wie fehlende Empathie und Manipulation.
- Schuld: Der Fokus dieses Kapitels liegt auf Don Juans Umgang mit Schuldgefühlen. Es werden Textbeispiele analysiert, um seine Reaktion auf moralische Verfehlungen und sein Verständnis von Schuld im Kontext von psychopathischen Eigenschaften zu beleuchten.
- Furchtlosigkeit: Dieser Abschnitt analysiert Don Juans charakteristische Furchtlosigkeit. Es werden Textbeispiele untersucht, um seine Reaktion auf Gefahr und sein Verhalten in Situationen, die Angst und Furcht hervorrufen, im Kontext von psychopathischen Merkmalen zu betrachten.
- Verantwortung: Dieses Kapitel widmet sich dem Thema Verantwortung in Don Juans Handeln. Es werden Textbeispiele beleuchtet, um seine Fähigkeit oder Unfähigkeit zur Übernahme von Verantwortung für seine Taten im Lichte von psychopathischen Eigenschaften zu analysieren.
- Impulsivität: Dieser Abschnitt untersucht Don Juans Impulsivität und seine Neigung zu spontanem Handeln. Die Analyse betrachtet Textbeispiele, um sein Verhalten in Situationen, die impulsive Reaktionen erfordern, im Kontext von psychopathischen Verhaltensmustern zu beleuchten.
Schlüsselwörter
Diese Arbeit befasst sich mit den Themen Psychopathie, Don Juan, "Der steinerne Gast" von Tirso de Molina, Charakteranalyse, Literaturanalyse, moralische Verfehlung, Schuld, Furchtlosigkeit, Verantwortung und Impulsivität.
Häufig gestellte Fragen
Wird Don Juan in Tirso de Molinas Drama als Psychopath dargestellt?
Die Arbeit untersucht genau diese These anhand von Merkmalen wie Furchtlosigkeit, Impulsivität und mangelndem Schuldbewusstsein in de Molinas Stück „Der steinerne Gast“.
Was sind typische psychopathische Merkmale bei Don Juan?
Dazu gehören sein manipulativer Umgang mit Frauen, die Missachtung von Gesetzen, seine Verantwortungslosigkeit und das Fehlen von Empathie gegenüber Freunden und Verwandten.
Wie hat sich die Don-Juan-Figur über die Jahrhunderte gewandelt?
Vom spontanen Verführer bei de Molina entwickelte er sich zum kleruskritischen Charakter bei Molière, zum romantischen Idealisten bei Hoffmann und zur parodierten Figur bei Max Frisch.
Welche Rolle spielt die Furchtlosigkeit in der Analyse?
Don Juans extreme Furchtlosigkeit, selbst gegenüber dem Tod und göttlicher Strafe, wird als ein Kernsymptom psychopathischen Verhaltens gedeutet.
Wie geht Don Juan mit Schuld um?
Er zeigt keine Reue für seine Taten (Mord, Betrug) und schiebt die moralische Verantwortung weit von sich, was ein weiteres Indiz für eine psychopathische Persönlichkeitsstruktur sein kann.
Was bedeutet der Untertitel „ein Versuch“?
Er deutet darauf hin, dass es sich um eine psychologische Interpretation einer literarischen Figur handelt, die den historischen Kontext des 17. Jahrhunderts mit modernen Begriffen verbindet.
- Citar trabajo
- Thomas Wörther (Autor), 2003, Don Juan als Psychopath – ein Versuch, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/166267