Als Ausgangssituation für die in der Literatur diskutierten Theorien zur Divi-dendenpolitik gilt das von Miller und Modigliani 1961 formulierte Irrelevanz-theorem. Der Abstraktionsgrad von den Annahmen dieses Grundmodells ist bis heute entscheidend für die jeweilige Konzeption einer Dividendentheorie. Die in den letzten Jahrzehnten diskutierten Ansätze versuchen einerseits, die unter-nehmenspolitische Relevanz der Dividendenpolitik zu belegen und darüber hinaus die Faktoren zu ermitteln, von denen die Politik abhängt. Die Frage, ob und wie dieses Instrument durch das Management eingesetzt werden sollte, konnte in all den Jahren dennoch nicht abschließend beantwortet werden. Die in dieser Seminararbeit vorgestellte „Catering Theory of Dividends“ ist ein neuer Versuch, den „Mythos“ um die Dividendenpolitik zu entschleiern. Um diesen neuen Erklärungsansatz zunächst im Gefüge der gängigen Theorien einzuordnen, werden diese im zweiten Abschnitt aufgezeigt und erläutert. Maßgeblich hierfür sind wissenschaftliche Aufsätze der angelsächsischen Lite-ratur, in denen die einzelnen Ansätze entwickelt und diskutiert werden. Im drit-ten Abschnitt wird dann das Modell des Dividendencaterings, sowie die von den Autoren selbst durchgeführte empirische Bestätigung präsentiert und kri-tisch analysiert. Die Arbeit schließt in einem Gesamtfazit mit einem Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorien der Dividendenpolitik
2.1. Klassische Vollinformationsmodelle
2.2. Asymmetrische Informationsmodelle
2.3. Klienteltheorien
3. Die Catering Theory of Dividends
3.1. Das Modell
3.2. Empirische Überprüfung
3.3. Kritische Analyse
3.3.1. Das Modell
3.3.2. Die Empirische Studie
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht die „Catering Theory of Dividends“ als einen neuartigen Erklärungsansatz für die Dividendenpolitik, wobei der Fokus auf dem Zusammenspiel zwischen der schwankenden Investorennachfrage und den Entscheidungen des Managements liegt.
- Einordnung der Catering Theory in bestehende Dividendentheorien
- Analyse des Modells und der zugrunde liegenden Annahmen
- Kritische Evaluation der empirischen Bestätigung durch Baker und Wurgler
- Untersuchung der Rolle von Behavioral Finance Aspekten
Auszug aus dem Buch
3.1. Das Modell
Gemäß der Catering Theory setzten Unternehmen die Dividendenpolitik als ein Instrument ein, um die schwankende Nachfrage der Investoren nach Dividenden zahlenden und nicht zahlenden Aktien zu befriedigen. Die wechselhafte Stimmung des Kapitalmarktes drückt sich in unterschiedlich starken Preisaufschlägen bzw. -abschlägen auf Dividendenaktien mit ansonsten gleichen Merkmalen aus. Das Management interpretiert diese Fehlbewertung (Dividend Premium) als ein Signal, die Anleger mit der gewünschten Ausschüttungspolitik zu „bedienen“. Die Grundlage dieser Theorie bilden drei Annahmen:
1. Irrationale, risikoaverse Kategorieinvestoren haben eine „unwissende“ Nachfrage nach Dividenden und unterscheiden lediglich zwischen dividendenzahlenden Wertpapieren und nicht zahlenden Wachstumsaktien. Die Höhe der Ausschüttung spielt für sie keine Rolle.
2. Die Arbitragemöglichkeiten der rationalen Arbitrageure sind durch ihre Risikoaversion begrenzt, so dass Preisabweichungen vom fundamentalen Wert möglicherweise nicht vollständig eliminiert werden können.
3. Rationale, risikoneutrale Manager wägen zwischen dem kurzfristigen Gewinn ihres Dividendencaterings und den langfristigen Folgekosten ab. Hierbei ist die Weitsichtigkeit des Managers entscheidend.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Dividendenpolitik ein und stellt die Relevanz der „Catering Theory of Dividends“ als innovativen Erklärungsansatz vor.
2. Theorien der Dividendenpolitik: In diesem Kapitel werden die klassischen Vollinformationsmodelle, asymmetrische Informationsmodelle und verschiedene Klienteltheorien als theoretischer Rahmen erläutert.
3. Die Catering Theory of Dividends: Dieser Abschnitt beschreibt das Modell des Dividendencaterings, die empirische Überprüfung mittels US-amerikanischer Datensätze sowie eine kritische Analyse des Modells und der Studie.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung des Caterings als ergänzenden Erklärungsansatz zusammen und ordnet das dynamische Modell in den Kontext zukünftiger Forschung ein.
Schlüsselwörter
Catering Theory, Dividendenpolitik, Dividend Premium, Klienteltheorien, Behavioral Finance, Irrelevanztheorem, Arbitrage, Kapitalkosten, Dividendenzahler, Investorenstimmung, Managemententscheidung, Preisaufschlag, Marktimperfektion, empirische Analyse, Unternehmenswert.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, warum Unternehmen Dividenden zahlen oder einbehalten, und nutzt dafür die „Catering Theory“, die das Management als Reaktion auf die Investorenstimmung betrachtet.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Dividendentheorien, der Modellierung von Cateringanreizen und der kritischen Würdigung empirischer Studien zu diesem Thema.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den neuen Erklärungsansatz des Dividendencaterings darzustellen, die Validität der zugehörigen empirischen Befunde zu prüfen und das Modell in den wissenschaftlichen Kontext einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse angelsächsischer Quellen sowie der kritischen Auseinandersetzung mit ökonometrischen Regressionsanalysen, die in der zugrunde liegenden Fachliteratur verwendet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst bestehende Theorien aufgearbeitet, das mathematische Modell der Catering Theory hergeleitet und die empirische Studie von Baker und Wurgler (2004a) detailliert analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Dividend Premium, Behavioral Finance, Arbitrage und Klienteltheorien geprägt.
Was unterscheidet die „Kategorieinvestoren“ von den „Arbitrageuren“ im Modell?
Kategorieinvestoren agieren irrational und folgen einer „unwissenden“ Nachfrage, während Arbitrageure rationale Akteure sind, deren Einfluss durch Risikoaversion begrenzt bleibt.
Welche Rolle spielt die „Weitsichtigkeit des Managements“ im Modell?
Die Weitsichtigkeit des Managements dient als Gewichtungsfaktor zwischen kurzfristigen Gewinnen durch Catering und langfristigen Kosten, die eine Dividendenpolitik für ein Unternehmen mit sich bringen kann.
Warum kritisieren die Autoren die empirische Studie von Baker und Wurgler teilweise?
Die Kritik entzündet sich an der Vernachlässigung bestimmter Parameter wie der Kostenstruktur (c) und der Weitsichtigkeit (lambda) im validierten Modell sowie an der geringen Korrelation des „Average Announcement Effect“.
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- Christian Alexander Wegener (Author), 2006, Die Catering Theory als Erklärungsansatz in der Dividendenpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165738