Der „Washington Konsensus“ prägte mit seinen Standardrezepten eine entwicklungspolitische Ära. Die Ursache seines Scheiterns wird in der Anwendung von „First Best Thinking“-Methoden gesehen, während die Anwendung von „Second Best Thinking“-Methoden adäquat gewesen wäre.
Diese Arbeit untersucht Mikrokredite als ein Instrument, welches sich von den standar-disierten Handlungsmustern unterscheidet und als eine kontextspezifische Lösung im Kampf gegen Armut zu betrachten ist. Instrumente zur Überwindung von Agency-Problemen traditioneller Banken funktionieren für Arme in Entwicklungsländern kaum. Die Erkenntnis der Mikrofinanz ist, dass Arme bankfähig sind, wenn die richtige Kreditvergabetechnologie verwendet wird. Die vorliegende Arbeit prüft die innovativen Konzepte zur Minimierung der Agency-Probleme. Außerdem erforscht sie den Zielkonflikt, der entsteht, wenn auf der einen Seite die Ärmsten erreicht werden, auf der anderen Seite die Mikrofinanzinstitutionen subventionsunabhängig wirtschaften sollen. Anhand der politischen Lage Boliviens sowie den nationalen Mikrofinanzinstituten
BancoSol und Los Andes wird ein Bezug zur Praxis hergestellt.
Inhaltsverzeichnis
- ZUSAMMENFASSUNG
- ABBILDUNGSVERZEICHNIS
- TABELLENVERZEICHNIS
- ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS
- 1. EINLEITUNG
- 2. THEORETISCHER TEIL
- 2.1 ENTWICKLUNGSÖKONOMISCHES UMDENKEN
- 2.1.1 ENTWICKLUNGSPOLITIK
- 2.1.2 WASHINGTON KONSENSUS
- 2.1.3 PARADIGMENWECHSEL – POST WASHINGTON KONSENSUS
- 2.1.3.1 Learning from Reform der Weltbank
- 2.1.3.2 Augmented Washington Konsensus des Internationalen Währungsfonds
- 2.1.3.3 „Millenium Project\" der Vereinten Nationen
- 2.1.3.4 „Growth Diagnostic Framework“ nach Hausmann-Rodrik-Velasco
- 2.2 MARKTVERSAGEN AUF IMPERFEKTEN KREDITMÄRKTEN
- 2.2.1 FINANZINTERMEDIATION
- 2.2.2 MARKTVERSAGEN
- 2.2.2.1 Agency-Theorie
- 2.2.2.2 Agency-Probleme auf Kreditmärkten
- 2.2.3 KREDITRISIKOMANAGEMENT - STANDARDLÖSUNGEN
- 2.2.3.1 Kreditwürdigkeitsprüfung (Credit Rating)
- 2.2.3.2 Kreditsicherung
- 3. MIKROKREDITE
- 3.1 MIKROFINANZ IN ENTWICKLUNGSLÄNDERN
- 3.1.1 ERLÄUTERUNG
- 3.1.2 GESCHICHTE
- 3.1.2.1 Mikrokredite erster Generation
- 3.1.2.2 Mikrokredite zweiter Generation
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Diplomarbeit analysiert die Rolle von Mikrokrediten im Kontext der Entwicklungspolitik, insbesondere in Bezug auf die Überwindung von Armut. Die Arbeit fokussiert auf die Kritik am „Washington Konsensus“ und die Entwicklung neuerer Ansätze in der Entwicklungspolitik. Im Zentrum steht die Untersuchung von Mikrokrediten als Instrument zur Bewältigung von Marktversagen und Agency-Problemen auf Kreditmärkten, insbesondere in Entwicklungsländern.
- Entwicklungspolitik und der „Washington Konsensus“
- Marktversagen und Agency-Probleme auf Kreditmärkten
- Mikrokredite als Instrument der Entwicklungspolitik
- Konzepte zur Minimierung von Agency-Problemen bei der Mikrokreditvergabe
- Der Zielkonflikt zwischen Armutsbekämpfung und der wirtschaftlichen Unabhängigkeit von Mikrofinanzinstitutionen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einführung in die Thematik und der Definition der Forschungsfrage. Der theoretische Teil befasst sich mit der Kritik am „Washington Konsensus“ und den Herausforderungen der Entwicklung von alternativen Entwicklungspolitiken. Es werden die Konzepte der „Second Best Thinking“ und die Bedeutung von kontextspezifischen Lösungen in Entwicklungsländern erläutert. Das zweite Kapitel beleuchtet das Problem von Marktversagen auf imperfekten Kreditmärkten und die Rolle von Agency-Problemen. Es werden verschiedene Methoden zur Bewältigung dieser Probleme, insbesondere in Bezug auf die Kreditwürdigkeitsprüfung und Kreditsicherung, vorgestellt.
Das dritte Kapitel konzentriert sich auf Mikrokredite als Instrument der Entwicklungshilfe. Die Entstehung und Entwicklung des Mikrokreditwesens wird skizziert, wobei die Unterscheidung zwischen Mikrokrediten erster und zweiter Generation hervorgehoben wird. Es werden die Chancen und Herausforderungen von Mikrokrediten im Kontext der Entwicklungszusammenarbeit diskutiert.
Schlüsselwörter
Mikrokredite, Entwicklungspolitik, „Washington Konsensus“, Agency-Probleme, Marktversagen, Finanzintermediation, Kreditwürdigkeitsprüfung, Kreditsicherung, Armutsbekämpfung, Bolivien, BancoSol, Los Andes.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Washington Konsensus in der Entwicklungspolitik?
Der Washington Konsensus beschreibt standardisierte wirtschaftspolitische Reformpakete für Entwicklungsländer, die oft auf Privatisierung und Liberalisierung setzten, jedoch häufig an lokalen Gegebenheiten scheiterten.
Wie funktioniert Mikrofinanz als Instrument gegen Armut?
Mikrofinanz ermöglicht armen Menschen, die keinen Zugang zu traditionellen Banken haben, Kleinkredite aufzunehmen. Die Arbeit zeigt, dass Arme "bankfähig" sind, wenn spezielle Kreditvergabetechnologien genutzt werden.
Was sind Agency-Probleme auf Kreditmärkten?
Agency-Probleme entstehen durch Informationsasymmetrien zwischen Kreditgeber und Kreditnehmer, was zu Risiken wie Moral Hazard führt. Mikrofinanz nutzt innovative Konzepte, um diese Probleme zu minimieren.
Welche Beispiele für Mikrofinanz gibt es in Bolivien?
In der Arbeit werden die Institutionen BancoSol und Los Andes als Praxisbeispiele für die Umsetzung von Mikrofinanzkonzepten in Bolivien analysiert.
Gibt es einen Zielkonflikt bei Mikrofinanzinstitutionen?
Ja, es besteht oft ein Konflikt zwischen dem sozialen Ziel, die Ärmsten zu erreichen, und dem wirtschaftlichen Ziel, subventionsunabhängig und rentabel zu wirtschaften.
- Quote paper
- Maxim Rabkin (Author), 2010, Mikrofinanz als Instrument der Entwicklungspolitik am Beispiel Boliviens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/165234