Im Kampf um das Kapital gelten heute Gewerkschaften sowie Arbeitgeberverbände als Sinnbilder der Interessenvertretung. Nach deutschem Recht sind sogar nur diese berechtigt, über Tarifverhandlungen und Arbeitskampf den Lohn der Arbeitnehmer auszuhandeln. Millionen von Erwerbstätigen profitieren also über eine Mitgliedschaft direkt und als Nicht-Mitglieder indirekt von deren Tätigkeit als Tarifvertragsparteien. So ist es auch nicht verwunderlich, dass diese Akteure im Bereich der industriellen Beziehungen auf ein großes Forschungsinteresse stoßen. Auffällig ist jedoch die große Aufmerksamkeit für die Gewerkschaften. Dutzende wissenschaftliche Arbeiten und statistische Analysen haben den Aufbau, Mitgliederstrukturen, Funktionsweisen etc. bis ins kleinste Detail zerlegt. Dass dies bei den Arbeitgeberverbänden nicht in einem solchen Umfang geschehen ist, dürfte jedoch weniger an dem mangelnden Interesse der Wissenschaft liegen, als an der Verschwiegenheit der Arbeitgeberseite. Daten über Mitgliederzahlen werden schlicht zu diskret behandelt und auch ansonsten geben sich Arbeitgeber weitaus weniger offen als Gewerkschaften. Dennoch hat die Forschung auch im Bereich der unternehmerischen Interessenorganisation Fortschritte gemacht.
Ziel dieser Arbeit soll es sein, aktuelle Erkenntnisse auf diesem Gebiet zusammenfassend darzustellen und anschließend kritisch zu bewerten. Dabei sollen die Ausführungen über die Geschichte der Verbandsbildung sowie die Säulen der Interessenvertretung in Deutschland einen allgemeinen Überblick zum Thema gewähren. Schwerpunkt dieser Arbeit bilden jedoch die Arbeitgeberverbände als klassische unternehmerische Interessenvertretung. Hier sollen nicht nur der Aufbau und die Aufgaben eingehend erläutert, sondern auch auf die einzelnen Verbandsorgane sowie die daraus resultierende Politikformulierung eingegangen werden. Des Weiteren von Interesse ist das tatsächliche Machtpotential der Arbeitgeberverbände. Empirische Daten sollen hierbei helfen, ein realistisches Bild vom tatsächlichen Einfluss auf die Höhe der Löhne zu zeichnen. Den Abschluss der Arbeit bildet ein Fazit, welches die gewonnenen Erkenntnisse zusammenfasst, bewertet und Schlussfolgerungen daraus zieht.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Unternehmerische Interessenorganisation
- 2.1 Geschichte und Gründe der Verbandsbildung
- 2.2 Drei Säulen unternehmerischer Interessenorganisation
- 3 Arbeitgeberverbände: Aufbau und Aufgaben
- 3.1 Organisationsstruktur
- 3.2 Organisationsgrad und Verbandsflucht
- 4 Politikformulierung und Organe
- 5 Machtpotential der Arbeitgeberverbände
- 6 Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Thematik der unternehmerischen Interessenorganisation, insbesondere der Arbeitgeberverbände, im Kontext des deutschen Arbeitsmarktes. Sie untersucht die historischen Hintergründe der Verbandsbildung, ihre Organisation und Aufgaben sowie das Machtpotential der Arbeitgeberverbände.
- Entwicklung und Geschichte der unternehmerischen Interessenorganisation in Deutschland
- Struktur und Aufgaben der Arbeitgeberverbände
- Organe der Arbeitgeberverbände und deren Rolle in der Politikformulierung
- Einfluss der Arbeitgeberverbände auf die Lohnentwicklung
- Bedeutung und Rolle der Arbeitgeberverbände in der deutschen Wirtschaft
Zusammenfassung der Kapitel
- Kapitel 1: Einleitung
Das Kapitel führt in die Thematik der unternehmerischen Interessenorganisation ein und beschreibt die Relevanz des Themas. Es betont die Bedeutung von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden als Akteure in der deutschen Arbeitswelt und den wissenschaftlichen Fokus auf Gewerkschaften im Vergleich zu Arbeitgeberverbänden. - Kapitel 2: Unternehmerische Interessenorganisation
Das Kapitel beleuchtet die Geschichte der Verbandsbildung und die Gründe für ihre Entstehung. Es stellt die unterschiedlichen Arten der unternehmerischen Interessenorganisation in Deutschland dar, mit besonderer Berücksichtigung des Einflusses der Industrialisierung. - Kapitel 3: Arbeitgeberverbände: Aufbau und Aufgaben
Dieses Kapitel widmet sich der Organisationsstruktur und den Aufgaben der Arbeitgeberverbände. Es beleuchtet den Organisationsgrad und das Phänomen der "Verbandsflucht" und stellt die Herausforderungen für die Arbeitgeberverbände im heutigen Wirtschaftskontext dar.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Themenbereiche der unternehmerischen Interessenorganisation, insbesondere die Arbeitgeberverbände in Deutschland. Wichtige Schlüsselbegriffe sind: Geschichte der Verbandsbildung, Industrielle Beziehungen, Organisationsstruktur, Politikformulierung, Machtpotential, Tarifverhandlungen, Organisationsgrad, Verbandsflucht.
Häufig gestellte Fragen
Welche Rolle spielen Arbeitgeberverbände in Deutschland?
Sie fungieren als Tarifvertragsparteien und handeln gemeinsam mit Gewerkschaften die Löhne und Arbeitsbedingungen für Millionen Erwerbstätige aus.
Was sind die „drei Säulen“ der unternehmerischen Interessenorganisation?
Die Arbeit gibt einen Überblick über die verschiedenen Säulen der Interessenvertretung der Wirtschaft in Deutschland.
Was versteht man unter „Verbandsflucht“?
Unter Verbandsflucht versteht man den Austritt von Unternehmen aus Arbeitgeberverbänden, um die Bindung an Flächentarifverträge zu umgehen.
Wie ist das Machtpotential der Arbeitgeberverbände einzuschätzen?
Die Arbeit nutzt empirische Daten, um den tatsächlichen Einfluss der Verbände auf die Lohnentwicklung und die Wirtschaftspolitik zu bewerten.
Warum gibt es weniger Forschung zu Arbeitgeberverbänden als zu Gewerkschaften?
Dies liegt laut der Arbeit vor allem an der Verschwiegenheit der Arbeitgeberseite bezüglich Mitgliederzahlen und interner Daten.
Wie verlief die Geschichte der Verbandsbildung?
Das Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung der Verbände, insbesondere im Kontext der Industrialisierung und der industriellen Beziehungen.
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- Nikolai Schön (Author), 2008, Unternehmerische Interessenorganisation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/164266