In Managermagazinen stehen in jüngster Zeit immer häufiger Beiträge im Mittelpunkt, die sich mit dem Thema Entscheiden und Entscheidungsforschung auseinandersetzen. Hier sind Überschriften zu lesen wie: 'Die Komplexitätsfalle: Warum Denkfehler in Krisensituationen zunehmen', 'Entscheidungsleitfäden und Selbstreflexion' oder 'Denkfehler im Job vermeiden: Klüger entscheiden'. Denkt man an die vielen Entscheidungen, die man selbst jeden Tag trifft oder zu treffen hat, wird einem schnell klar: Entscheidungen bestimmen unser alltägliches Leben in zunehmenden Maße. Sie sind nicht mehr wegzudenken. In allen Berufsgruppen wird von den Akteuren verstärkt entscheidungsförmiges statt routineförmiges Handeln verlangt. Ein Arzt überlegt, ob er den mit Unterleibschmerzen eingelieferten Patienten sofort operieren oder erst noch weitere Untersuchungen durchführen soll. Er diskutiert mit seinem Kollegen darüber. Ein Unternehmen prüft und entscheidet, welches Produkt aus der eigenen Fertigung im nächsten Jahr in den Handel kommen soll. Die Marketingabteilung soll sich zusammen mit der Entwicklungsabteilung ein Konzept überlegen. Ein Abiturient geht zur Studienberatung, weil er sich noch nicht sicher ist, was er studieren möchte. Ein Börsenmakler ist sich unsicher, ob er das ihm übertragene Kapital lieber in Aktien oder in Wertpapieren anlegen soll. Er berät sich mit seinem Vorgesetzten. Dies sind ganz unterschiedliche Beispiele für Entscheidungsprobleme, die vielleicht ganz unterschiedliche Anforderungen stellen. Letztlich geht es aber immer darum, eine Wahl zu treffen.
Im Zentrum dieser Arbeit stehen zwei Kernpunkte. Entscheiden als soziales Phänomen soll zum einen auf einer sozialtheoretischen Ebene und zum anderen auf gesellschaftlicher Ebene näher untersucht werden. Es soll gezeigt werden, auf welcher Grundlage die Moderne als Entscheidungsgesellschaft bezeichnet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Entscheiden und Rationalität bei Max Weber
- Auf der Suche nach Entscheidungshandeln in den „Grundbegriffen“
- Die kapitalistische Gesellschaft als Entscheidungsgesellschaft?
- System-Entscheidungen: Die systemtheoretische Perspektive Niklas Luhmanns
- Erwartungen als Strukturen psychischer und sozialer Systeme
- Entscheiden als kommunikatives Ereignis
- Organisation und Entscheidung
- Modernität und Rationalität der Gegenwartsgesellschaft
- Die Moderne als Entscheidungsgesellschaft bei Uwe Schimank
- Entscheidung als Handlungsform
- Entscheidungskomplexität und begrenzte Rationalität
- Die funktional differenzierte Gesellschaft als Entscheidungsgesellschaft
- Gesellschaftliche Strukturdynamik und Entscheiden: Doping im Hochleistungssport
- Zusammenfassung und Schlussbemerkungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit analysiert das Phänomen des Entscheidens in der modernen Gesellschaft und untersucht, wie es in verschiedenen soziologischen Theorien behandelt wird. Ziel ist es, die Bedeutung von Entscheidungen für das gesellschaftliche Leben zu beleuchten und die Frage zu untersuchen, ob die Moderne als Entscheidungsgesellschaft bezeichnet werden kann.
- Entscheidungen als Schlüsselphänomen der modernen Gesellschaft
- Soziologische und sozialtheoretische Perspektiven auf Entscheidungen
- Die Rolle von Rationalität in Entscheidungsprozessen
- Die Bedeutung von Entscheidungen für gesellschaftliche Strukturdynamik
- Die Frage, ob die Moderne als Entscheidungsgesellschaft betrachtet werden kann
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 2 befasst sich mit Max Webers Handlungstheorie und untersucht, ob sich in seiner Analyse der kapitalistischen Gesellschaft bereits Elemente einer sich entwickelnden Entscheidungsgesellschaft erkennen lassen. Kapitel 3 beleuchtet das Thema Entscheidungen aus der systemtheoretischen Perspektive Niklas Luhmanns und untersucht, wie Entscheidungen innerhalb sozialer Systeme funktionieren und welche Rolle sie im Kontext der modernen Gesellschaft spielen.
Kapitel 4 widmet sich der These Uwe Schimanks, der die Moderne als Entscheidungsgesellschaft bezeichnet. Es werden die gesellschaftlichen Dynamiken analysiert, die diese Entwicklung hervorgerufen haben, und die Strategien erläutert, die Akteure zur Bewältigung von Entscheidungssituationen einsetzen. Das Beispiel von Doping im Hochleistungssport illustriert das Verhältnis zwischen Strukturdynamik und Entscheidungen.
Schlüsselwörter
Entscheidung, Rationalität, Entscheidungsgesellschaft, Soziologie, Systemtheorie, Handlungstheorie, Moderne, Gesellschaftliche Strukturdynamik, Doping, Hochleistungssport
Häufig gestellte Fragen zur Moderne als Entscheidungsgesellschaft
Warum wird die Moderne als "Entscheidungsgesellschaft" bezeichnet?
Weil in der modernen Gesellschaft routineförmiges Handeln zunehmend durch entscheidungsförmiges Handeln ersetzt wird und Akteure ständig zwischen Alternativen wählen müssen.
Wie definierte Max Weber Rationalität im Kontext von Entscheidungen?
Weber untersuchte zweckrationales Handeln und wie die Bürokratisierung und der Kapitalismus Entscheidungsprozesse in der Gesellschaft prägen.
Was ist die systemtheoretische Perspektive auf Entscheidungen?
Nach Niklas Luhmann sind Entscheidungen kommunikative Ereignisse, die soziale Systeme (besonders Organisationen) strukturieren und deren Fortbestand sichern.
Was versteht Uwe Schimank unter "Entscheidungskomplexität"?
Die Schwierigkeit, in einer funktional differenzierten Gesellschaft unter Bedingungen begrenzter Rationalität und unvorhersehbarer Folgen die "richtige" Wahl zu treffen.
Welches Beispiel illustriert die Strukturdynamik von Entscheidungen?
Die Arbeit nutzt das Beispiel Doping im Hochleistungssport, um zu zeigen, wie gesellschaftliche Strukturen individuelles Entscheidungsverhalten erzwingen können.
Ist Entscheiden heute ein soziales Phänomen?
Ja, die Arbeit argumentiert, dass Entscheiden nicht nur ein individueller psychischer Akt ist, sondern tief in gesellschaftlichen Institutionen und Erwartungen verwurzelt ist.
- Arbeit zitieren
- Jochen Hiller (Autor:in), 2008, Entscheidungen als Bestimmungsmomente sozialen Handelns, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/163666