„Mittwoch, 11 Uhr 20. Die Schüler eines Tübinger Gymnasiums haben Sportunterricht. Ein ganz normaler Vormittag an der Schule.
Die Unterstufenklasse spielt ihr beliebtes Spiel: Völkerball. Die Schüler werfen sich gegenseitig geschickt die Bälle zu, treffen ihre Gegenspieler, versuchen den gegnerischen Angriffen mal mehr, mal weniger erfolgreich auszuweichen, mit dem Ziel, ihrem Team zum Sieg zu verhelfen.
Doch da gibt es in der Klasse auch noch Markus, Peter und Maria. Sie spielen auch mit, irgendwie. Sie würden auch gerne ihre Gegner abwerfen, dafür müssten sie aber erst einmal den Ball zugespielt bekommen und das kommt, wenn überhaupt, sehr selten vor. Peter und Maria werden von ihren Mitschülern einfach nicht beachtet, oder schlichtweg übersehen. Markus will von sich aus nicht mitmachen. Das macht die drei zu Außenseitern. Sie sind nicht in die Klasse integriert, auch außerhalb des Sportunterrichts.
Ein ganz normaler Vormittag an der Schule.“
Mit der vorliegenden Arbeit wird der exemplarische Versuch unternommen, inwieweit sich gefestigte Strukturen einer Schulklasse (z.B. „Grüppchenbildungen“) lockern lassen, um weniger integrierten Schülern den Anschluss an den Klassenverband zu erleichtern. Dabei soll die Trendsportart Le Parkour die sozial-integrative Triebfeder bilden.
Der Aufbau der Arbeit sieht dabei folgendermaßen aus: Der erste Teil der Arbeit beschäftigt sich mit der Theorie der Außenseiter, die im Hinblick auf die soziometrische Untersuchung näher betrachtet wird. Nach Überlegungen über Trendsportarten im Schulsport, wird in die Trendsportart Le Parkour eingeführt und ihre Entstehung, „Philosophie“ und Aktualität dargelegt. In einem nächsten Schritt werden mögliche Außenseiter oder Außenstehende einer Schulklasse einer Tübinger Gymnasialunterstufe mithilfe einer soziometrischen Befragung in Form eines Fragebogens erfasst. Gleichzeitig soll anhand der Ergebnisse dieser Befragung die Beziehungsstruktur der Klasse sichtbar gemacht werden. In einem zweiten Schritt werden auf Grundlage der gewonnenen Daten und der vorangestellten didaktisch-methodische Ausführungen Überlegungen für eine Unterrichtseinheit mit dem Inhalt „Le Parkour“ angestellt und über vier Doppelstunden mit der Klasse durchgeführt. Mit diesem Schritt wird dem Sport, insbesondere der Trendsportart Le Parkour, eine sozial-integrative Funktion zugeschrieben, welche es im nächsten Schritt empirisch zu beweisen gilt (...)
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Zur Integration von Außenseitern
- 2.1 Definition und Typologie von Außenseitern
- 2.2 Soziometrie: Identifikation und Analyse von Außenseitern
- 2.3 Möglichkeiten der Integration von Außenseitern
- 3. Trendsportarten im Schulsport
- 3.1 Merkmale von Trendsportarten
- 3.2 Sozial-integrative Funktionen von Trendsportarten
- 3.3 Legitimation von Trendsportarten im Schulsport
- 4. Le Parkour
- 4.1 Warum diese Trendsportart?
- 4.2 Sinn und Ziele von Le Parkour: Die „,Philosophie“.
- 4.3 Entstehung von Le Parkour und seine Aktualität
- 4.4 Bewegungselemente und ihre Funktion
- 5. Sportdidaktische Überlegungen: Modell nach Kurz
- 5.1 Bedeutung des mehrperspektivischen Sportunterrichts
- 5.2 Sinndimensionen
- 5.3 Sportdidaktische Anforderungen an den Schulsport im Bildungsplan Baden-Württemberg
- 5.4 Zur Methodik des Probierens und Imitierens
- 6. Soziometrische Untersuchung: Methoden
- 6.1 Zur Datenerhebung
- 6.2 Zur Datenauswertung
- 6.2.1 Soziomatrix
- 6.2.2 Soziogramm
- 6.2.3 Kohäsionsindex
- 7. Ergebnisse der ersten soziometrischen Untersuchung
- 7.1 Folgerung für die Unterrichtsreihe
- 8. Unterrichtsentwürfe und Durchführung: Le Parkour-Einheit
- 8.1 Vorüberlegungen zum Unterricht
- 8.2 Unterrichtsentwürfe
- 9. Ergebnisse der zweiten soziometrischen Untersuchung
- 10. Diskussion: Auswertung und Vergleich der beiden Untersuchungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die sozial-integrative Wirkung der Trendsportart Le Parkour im Sportunterricht. Sie zielt darauf ab, die Wirksamkeit dieser Sportart bei der Reduzierung von "Außenseiter"-Positionen und der Förderung der Integration in einer Schulklasse zu evaluieren.
- Definition und Typologie von Außenseitern
- Soziometrische Methoden zur Identifizierung von Außenseitern
- Sozial-integrative Funktionen von Trendsportarten
- Das Konzept und die Praxis von Le Parkour
- Sportdidaktische Überlegungen zur Integration von Le Parkour im Sportunterricht
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einführung in das Thema der Integration von Außenseitern im Schulsport, insbesondere im Kontext des Sportunterrichts. Kapitel 2 beleuchtet verschiedene Aspekte der Außenseiter-Theorie, einschließlich Definitionen, Typologien und soziometrischen Methoden zur Identifizierung und Analyse von Außenseitern.
Kapitel 3 widmet sich der Bedeutung von Trendsportarten im Schulsport, analysiert ihre Merkmale und diskutiert ihre potenziellen sozial-integrativen Funktionen. Es wird die Eignung von Trendsportarten für den Schulsport und die Legitimation ihrer Integration in den schulischen Kontext beleuchtet.
Kapitel 4 stellt Le Parkour als Trendsportart vor, analysiert seine Geschichte, „Philosophie“ und Aktualität. Die Bewegungselemente von Le Parkour und ihre Funktionen werden erläutert.
Kapitel 5 diskutiert sportdidaktische Überlegungen im Kontext von Le Parkour, insbesondere die Bedeutung des mehrperspektivischen Sportunterrichts. Das Kapitel beleuchtet Sinndimensionen, sportdidaktische Anforderungen und die Methodik des Probierens und Imitierens im Sportunterricht.
Kapitel 6 beschreibt die Methoden der soziometrischen Untersuchung, einschließlich Datenerhebung und Datenauswertung.
Kapitel 7 präsentiert die Ergebnisse der ersten soziometrischen Untersuchung und zieht daraus Folgerungen für die anschließende Unterrichtsreihe.
Kapitel 8 präsentiert Unterrichtsentwürfe für eine Le Parkour-Einheit, beleuchtet Vorüberlegungen und detaillierte Unterrichtsentwürfe.
Kapitel 9 präsentiert die Ergebnisse der zweiten soziometrischen Untersuchung, die nach der Le Parkour-Einheit durchgeführt wurde.
Schlüsselwörter
Die Arbeit fokussiert auf folgende Themen und Konzepte: Außenseiter, Soziometrie, Trendsportarten, Le Parkour, Integration, Schulsport, Sportdidaktik, Unterrichtsgestaltung, empirische Untersuchung.
Häufig gestellte Fragen
Wie kann Le Parkour zur Integration im Sportunterricht beitragen?
Le Parkour fördert individuelle Erfolgserlebnisse und Kooperation statt direktem Wettbewerb, was besonders Außenseitern hilft, Hemmungen abzubauen und Teil der Gruppe zu werden.
Was ist die Philosophie hinter Le Parkour?
Die Philosophie basiert darauf, Hindernisse im Weg möglichst effizient und flüssig zu überwinden, was auch symbolisch auf das Meistern von Lebenshürden übertragen werden kann.
Was ist eine soziometrische Untersuchung in der Schule?
Es ist eine Methode (z. B. per Fragebogen), um die Beziehungsstrukturen innerhalb einer Klasse sichtbar zu machen und Außenseiter oder informelle Gruppenführer zu identifizieren.
Ist Le Parkour im Schulsport gefährlich?
Bei didaktisch-methodisch richtigem Aufbau (z. B. durch die Methodik des Probierens und Absicherns in der Turnhalle) ist das Risiko kontrollierbar und fördert zudem die Selbsteinschätzung der Schüler.
Warum eignen sich Trendsportarten besonders gut für den Sportunterricht?
Trendsportarten haben oft einen hohen Aufforderungscharakter und sind noch nicht so stark durch Leistungserwartungen vorbelastet wie klassische Sportarten (z. B. Fußball oder Leichtathletik).
- Arbeit zitieren
- Stud. phil. Jan Schultheiß (Autor:in), 2010, Le Parkour im Sportunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/162199