Konzentration von Versicherungsunternehmen bedeutet die „Zusammenfassung von Verfügungsmacht in einer Entscheidungsinstanz“. In Deutschland bestand schon immer die Tendenz zur Konzentration, zum einen weil Versicherer wegen des Spartentrennungsprinzips als Konzern mit mehreren Rechtseinheiten auftreten, zum anderen weil sich bestimmte technische Grundlagen des Versicherungsgeschäfts, wie z. B. die Erstellung von Statistiken zur Schätzung von Schadenerwartungswerten, überbetrieblich besser bestimmen lassen. Insbesondere seit der Öffnung des Europäischen Binnenmarktes hat ein wirtschaftlicher Globalisierungswettbewerb eingesetzt, der von modernen Kommunikationsmöglichkeiten wie dem Internet unterstützt wird. Die Unternehmen haben dabei erkannt, dass sie eine gewisse Größe haben müssen, um in diesem Wettbewerb Erfolg zu haben.
Aus betriebswirtschaftlicher Sicht dient Konzentration vor allem dazu, Unternehmensziele zu erfüllen.
In dieser Hausarbeit wird nun zuerst in Kapitel 2 ein Überblick über verschiedene Konzentrationsformen gegeben. Anschließend wird in Kapitel 3 intensiv auf die Konzernbildung eingegangen, die den Schwerpunkt dieser Arbeit darstellt. Dabei wird zunächst definiert, was ein Konzern ist, dann wird auf Voraussetzungen eingegangen, die bei der Konzernbildung beachtet werden sollten und daraufhin werden einzelne Ziele näher betrachtet, die mit der Konzernbildung verfolgt werden. Im Anschluss daran werden verschiedene Rechtstypen verbundener Unternehmen vorgestellt und danach wirtschaftliche Erscheinungsformen von Konzernen, wobei besonders der Allfinanzkonzern Beachtung findet. Schließlich wird die Versicherungsaufsicht thematisiert, und zwar wird einmal auf Konflikte eingegangen, die bei der Konzernbildung mit der Versicherungsaufsicht entstehen können und dann, was bei Funktionsausgliederungen oder sonstigen Dienstleistungsbeziehungen im Konzern zu beachten ist. In Kapitel 4 wird nochdie Allianz als Beispiel für einen Versicherungskonzern vorgestellt, wobei auf die Struktur sowie auf einzelne Aspekte, die in dieser Arbeit erläutert werden, eingegangen wird. Danach folgen noch einige Schlussbetrachtungen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Überblick über die Konzentrationsformen
2.1. Fusion
2.2. Versicherungsgruppen
2.3. Kooperation
2.4. Kartelle
2.5. Versichererverbände
2.6. Mitversicherung und Versicherungspool
3. Konzernbildung – Versicherungskonzern
3.1. Definition
3.2. Voraussetzungen
3.3. Ziele
3.3.1. Bedarfsdeckungsziel
3.3.2. Gewinnziel
3.3.3. Umsatzziel
3.3.4. Kostenziel
3.3.5. Wachstumsziel
3.3.6. Erhaltungs- und Sicherheitsziele
3.4. Rechtstypen
3.4.1. Rechtstypen nach §§ 15-19 AktG
3.4.2. Konzerntypen in der Praxis
3.5. Wirtschaftliche Erscheinungsformen von Konzernen
3.5.1. Idealtypische Formen
3.5.2. Realtypische Formen
3.5.3. Allfinanzkonzern
3.6. Versicherungskonzern und Versicherungsaufsicht
3.6.1 Konflikte mit der Versicherungsaufsicht bei der Konzernbildung
3.6.2. ‚Outsourcing’
4. Die Allianz als Beispiel für einen Konzern
5. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die verschiedenen Konzentrationsformen im Versicherungswesen mit einem expliziten Fokus auf die Konzernbildung. Ziel ist es, die ökonomischen Beweggründe, rechtlichen Rahmenbedingungen und aufsichtsrechtlichen Herausforderungen bei der Bildung von Versicherungskonzernen sowie Allfinanzgruppen systematisch darzulegen und am Praxisbeispiel der Allianz zu veranschaulichen.
- Systematik der Konzentrationsformen im Versicherungssektor.
- Betriebswirtschaftliche Ziele der Konzernbildung wie Synergiegewinnung und Wachstumsförderung.
- Rechtliche Grundlagen und Typologie von Versicherungskonzernen.
- Die Rolle der Versicherungsaufsicht und Herausforderungen des Outsourcings.
- Analyse des Allfinanzkonzerns am Beispiel der Allianz-Gruppe.
Auszug aus dem Buch
3.5.3. Allfinanzkonzern
Die Entwicklungen bei der Konzernbildung gehen zurzeit in Richtung Allfinanzkonzern, also ein Konzern, in dem Banken, Kapitalanlagegesellschaften und Versicherungsunternehmen miteinander kooperieren. Ein Beispiel hierfür sind Allianz und Dresdner Bank.
Der Kerngedanke bei einem Allfinanzkonzern ist das „one–stop-shopping“, also ein Finanzdienstleistungsangebot aus einer Hand. Es soll damit dem steigenden Bedarf an umfassender Altersvorsorge und Wohlstandssicherung, sowie den daraus resultierenden guten Wachstumschancen im Lebensversicherungsbereich Rechnung getragen werden. Durch einen Allfinanzkonzern können Vorteile wie Kosteneinsparungen, Cross-Selling, besseres Abschöpfen der Zahlungsbereitschaften der Abnehmer und eine höhere Kundenzufriedenheit erreicht werden. Vor allem durch den gemeinsamen Vertrieb von Versicherungs- und Bankprodukten versucht man dem steigenden Kostendruck entgegen zu wirken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Thema Konzentration im Versicherungssektor, Begründung durch Spartentrennungsprinzip und Globalisierung sowie Struktur der Arbeit.
2. Überblick über die Konzentrationsformen: Darstellung verschiedener Kooperations- und Konzentrationsmöglichkeiten wie Fusionen, Kartelle, Verbände und Versicherungspools.
3. Konzernbildung – Versicherungskonzern: Zentrale theoretische Erörterung von Definition, Zielen, rechtlichen Typen und den ökonomischen Erscheinungsformen bis hin zur Versicherungsaufsicht.
4. Die Allianz als Beispiel für einen Konzern: Fallstudie zur Allianz-Gruppe inklusive ihrer strategischen Ausrichtung, Organisationsstruktur und Integration der Dresdner Bank.
5. Schlussbetrachtungen: Fazit zu den Vor- und Nachteilen der Konzernbildung sowie Ausblick auf künftige Entwicklungen im Versicherungsmarkt.
Schlüsselwörter
Konzentration, Konzernbildung, Versicherungskonzern, Allfinanzkonzern, Spartentrennungsprinzip, Synergien, Versicherungsaufsicht, Outsourcing, Allianz, Fusion, Risikoausgleich, Betriebswirtschaftslehre, Finanzdienstleistungen, Unternehmensstrategie, Marktposition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Möglichkeiten und Formen der unternehmerischen Konzentration im Versicherungswesen, mit einer speziellen Konzentration auf die Konzernbildung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit deckt die betriebswirtschaftlichen Beweggründe (Synergien), die rechtliche Typisierung, die Rolle der Versicherungsaufsicht sowie das spezifische Modell des Allfinanzkonzerns ab.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis für die Struktur von Versicherungskonzernen zu schaffen und zu erläutern, wie Unternehmen durch Konzentration ihre Marktposition und Wirtschaftlichkeit optimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse sowie einer praktischen Fallstudie (Allianz) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Übersicht der Konzentrationsformen und eine tiefgehende Untersuchung der Konzernbildung, einschließlich der Zielsetzungen (z. B. Kosten-, Umsatzziele), Rechtstypen und der aufsichtsrechtlichen Konfliktfelder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Inhalt?
Konzentration, Versicherungskonzern, Allfinanz, Spartentrennung, Synergien und Versicherungsaufsicht.
Warum ist das Spartentrennungsprinzip für Versicherungskonzerne so bedeutend?
Es verpflichtet Versicherer dazu, bestimmte Sparten wie Lebens- und Krankenversicherung in rechtlich selbständigen Einheiten zu betreiben, was die Konzernbildung rechtlich notwendig macht und die aufsichtsrechtliche Überwachung verkompliziert.
Welche Herausforderungen nennt die Arbeit beim Outsourcing im Konzern?
Das Outsourcing von Kernfunktionen erfordert eine strikte aufsichtsrechtliche Genehmigung, um Gewinnverschiebungen durch unangemessene Verrechnungspreise zu verhindern und den Schutz der Versicherten zu gewährleisten.
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- Tatjana Teichmann (Author), 2003, Verschiedene Konzentrationsformen mit Schwerpunkt Konzernbildung: Der Versicherungskonzern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16201