„Die Kunst ist die höchste Form von Hoffnung.“(Richter)
In der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre zeichnete sich Düsseldorf durch eine große Liberalität gegenüber Neuem und Unbekanntem aus und galt als ein bedeutsames, künstlerisches Zentrum Deutschlands.
Die harmonische Koexistenz verschiedenster Kunstrichtungen, die ihre Ziele und Ideen verwirklichten, beeindruckte und inspirierte auch den Maler Gerhard Richter, der 1961 aus der DDR in den Westen zog, sein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie begann und sich bis heute zu einem der bedeutendsten Künstler unserer Zeit entwickelte.
Als „Chamäleon der bildenden Kunst“ bezeichnet, löste Richter mit seinen Werken bei dem Betrachter immer wieder Irritation aus, da er keiner bestimmten Kunstrichtung oder Technik treu blieb. Durch stetige Veränderung seiner malerischen Techniken, Themen und Motive, vermied er stets eine Einordnung seiner Person und Malerei in eine bestimmte Sparte. Fotorealistische Bilder sind in seiner Werkübersicht ebenso enthalten wie abstrakte Werke, monochrom oder polychrom will er sich weder auf eine gegenständliche noch auf eine ungegenständliche Malerei festlegen. Von vielen Kritikern mit dem Begriff der „Stilheterogenität“ tituliert, lässt sich sein vielfältiges Werk daher nur schwer einordnen. Dennoch erweckt er bis heute mit seiner Kunst - nach einigen Anlaufschwierigkeiten - großes Interesse beim Publikum.
Neben jährlichen Ausstellungen in den siebziger Jahren, fanden ab Mitte der Achtziger immer wieder Retrospektiven zu Ehren des Künstlers statt. Einige der größten dabei 1993 in Paris, Bonn, Stockholm und Madrid sowie 2002/03 in New York, Chicago, San Francisco und Washington.
Neben vielen abstrakten Werken, beschäftigt sich Richter vor allem auch mit dem Zusammenwirken von Malerei und Fotografie. Mit seinen Fotobildern, welche ich in meiner folgenden Hausarbeit behandeln möchte, gelang es ihm beide Komponenten harmonisch zu vereinen.
Im Jahre 1962 erscheinen erstmals fotorealistische Bilder in seiner Werkliste. Interessanterweise wandte er sich diesen Werken gerade in einer Zeit zu, in der die Malerei durch die Erfindung der Fotografie immer mehr in den Hintergrund zu versinken drohte. Gerhard Richter wehrte sich gegen einen „Ausstieg aus dem Bild“ , wie es häufig formuliert wurde, indem er bewusst fotografische Vorlagen in Malerei umsetzte.
Inhaltsverzeichnis
- Vorwort
- Der „Ausstieg aus dem Bild”
- Motivwahl eine Annäherung an das absolute Bild...
- Verwischung als autonome Bildkomponente........
- ,,Aktive\" Bildbetrachtung.
- Wirklichkeit und Reproduktion........
- Gerhard Richter - ein Fotorealist?
- Schlusswort
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit befasst sich mit den frühen Fotobildern Gerhard Richters und untersucht, wie er mit seinen Werken die Komponenten von Malerei und Fotografie harmonisch vereint. Ziel ist es, den „Ausstieg aus dem Bild“ im Kontext der Kunstgeschichte der 1960er Jahre zu beleuchten und zu erforschen, inwieweit Richters Werk tatsächlich dem Fotorealismus zuzuordnen ist.
- Die Bedeutung der Fotografie als künstlerisches Medium im Kontext des „Ausstiegs aus dem Bild“
- Richters Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Malerei und Fotografie
- Die Rolle der Motivwahl und Verwischung in Richters frühen Fotobildern
- Der Einfluss der Fotografie auf die „aktive“ Bildbetrachtung
- Die Frage, inwieweit Richters Werk dem Fotorealismus im engeren Sinne zuzuordnen ist
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort
Die Einleitung stellt Gerhard Richter als einen bedeutenden zeitgenössischen Künstler vor, der durch seinen Wechsel von der DDR in den Westen und seine Vielseitigkeit in der bildenden Kunst beeindruckt. Besondere Aufmerksamkeit wird den Fotobildern Richters gewidmet, die in der Hausarbeit im Zentrum der Analyse stehen.
Der „Ausstieg aus dem Bild”
Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Kontext des „Ausstiegs aus dem Bild“ und analysiert den Einfluss der Fotografie auf die Malerei im 19. und 20. Jahrhundert. Besonderes Augenmerk liegt auf der Frage, wie die Fotografie zur künstlerischen Anerkennung kam und welche Auswirkungen sie auf die Rolle der Malerei hatte.
Häufig gestellte Fragen
Was sind Gerhard Richters „Fotobilder“?
Es sind Gemälde, die auf fotografischen Vorlagen basieren. Richter überträgt Fotos akribisch auf Leinwand und nutzt oft eine typische Verwischungstechnik.
Warum nutzte Richter die Verwischung in seinen Werken?
Die Verwischung macht das Bild autonomer. Sie distanziert das Gemälde von der scharfen Realität des Fotos und erzeugt eine eigene malerische Wirklichkeit.
Gilt Gerhard Richter als Fotorealist?
Die Arbeit diskutiert dies kritisch. Obwohl er Fotos als Vorlage nutzt, unterscheidet er sich durch seine Technik und Stilheterogenität vom klassischen amerikanischen Fotorealismus.
Was bedeutet der Begriff „Ausstieg aus dem Bild“?
In den 1960ern hielten viele die Malerei für tot. Richter widersetzte sich diesem Trend, indem er die Fotografie nicht als Ersatz, sondern als neues Werkzeug für die Malerei nutzte.
Wie beeinflusst die Fotografie die Bildbetrachtung bei Richter?
Sie fordert eine „aktive“ Betrachtung heraus, da der Zuschauer zwischen der vermeintlichen Objektivität des Fotos und der subjektiven Unschärfe der Malerei hin- und hergerissen ist.
- Quote paper
- Corinna Groß (Author), 2008, Zwischen Abbild und Wirklichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161984