In dieser Arbeit versuche ich zu erklären, welchen Zusammenhang Michel Foucault zwischen Liberalismus und Biomacht herstellt und mit welchen Argumenten er seine Sichtweise begründet.
Das erste Kapitel wird sich mit dem Begriff der politischen Ökonomie und der Notwendigkeit einer Regierungskunst als Bedingung der freien Marktwirtschaft beschäftigen. Ich erkläre darin, dass die zwingende Konsequenz des Liberalismus nicht im Laisser-faire besteht, sondern im Gegenteil eine äußerst aktive Politik erfordert, da der Wettbewerb kein natürliches Phänomen ist und nur durch die Einhaltung seiner Regeln gewährleistet werden kann. Die Voraussetzungen der Marktwirtschaft müssen also durch die Gouvernementalität hergestellt werden.
Im zweiten Kapitel erläutere ich Foucaults Verständnis der Gouvernementalität und analysiere die Wandlung, die diese durch das Aufkommen des Liberalismus durchlaufen hat. Nämlich von der privilegierten Stellung eines selbstverständlichen Staates, zu der prinzipiellen Infragestellung des Regierens überhaupt. Die Staatsräson der Vergangenheit wurde aufgegeben und stattdessen wurden Strategien entwickelt, die Menschen auf rationale Weise zu steuern. Dadurch entstand eine Macht, die sich nicht mehr um ihrer selbst Willen erhält, sondern die nun versucht die Bevölkerung zu regulieren. Ihr Zweck ist es das Glück der Menschen zu sichern und die sozialen Beziehungen zu ordnen. Also die Steigerung und Stärkung des Lebendigen.
Über die Betrachtung dieser Neuorientierung komme ich im dritten Kapitel dann zur Biomacht. Dort beschreibe ich ihre Mechanismen und Anwendungen, also die so genannten Sicherheitsdispositive. Ich stelle somit die Maßnahmen dar, die schließlich dazu führen sollen, dass das Verhalten der Menschen sich im Rahmen eines Mittelwerts bewegt, der sozial und ökonomisch akzeptabel ist.
In der Folge dieser Überlegungen beschäftigt sich das vierte Kapitel mit der „Normalisierungsgesellschaft“ und erläutert was Foucault damit genau meint und aus welchem Grund dies der Kernbegriff der Biomacht ist.
Zuletzt ziehe ich ein Fazit und fasse in einer eigenen Interpretation zusammen, wie sich Liberalismus und Biomacht gegenseitig bedingen.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die politische Ökonomie
- Die Gouvernementalität
- Die Biomacht
- Die Normalisierungsgesellschaft
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Dieser Text analysiert Michel Foucaults These vom Zusammenhang zwischen Liberalismus und Biomacht. Er untersucht, wie Foucault diesen Zusammenhang beschreibt und welche Argumente er verwendet.
- Die politische Ökonomie und ihre Beziehung zur Staatsräson im Kontext des Liberalismus
- Foucaults Konzept der Gouvernementalität und ihre Wandlung durch den Liberalismus
- Die Biomacht und ihre Mechanismen sowie deren Anwendung im Kontext der Sicherheitsdispositive
- Die „Normalisierungsgesellschaft“ als Kernbegriff der Biomacht nach Foucault
- Die gegenseitige Bedingung von Liberalismus und Biomacht
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung stellt das Thema des Textes vor und gibt einen Überblick über die folgenden Kapitel. Sie beschreibt Foucaults Argumentation zum Zusammenhang zwischen Liberalismus und Biomacht.
Die politische Ökonomie
Dieses Kapitel erklärt Foucaults Verständnis der politischen Ökonomie und deren Verhältnis zur Staatsräson. Es analysiert, wie der Liberalismus im Kontext der politischen Ökonomie zur Notwendigkeit einer aktiven Regierungspolitik führt.
Die Gouvernementalität
Das Kapitel erläutert Foucaults Konzept der Gouvernementalität und untersucht, wie diese durch den Liberalismus eine Wandlung durchläuft. Es beleuchtet die Verschiebung von der Staatsräson hin zu rationalen Strategien der Bevölkerungssteuerung.
Die Biomacht
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den Mechanismen und Anwendungen der Biomacht, insbesondere den Sicherheitsdispositiven. Es beschreibt, wie diese Maßnahmen dazu beitragen sollen, das menschliche Verhalten innerhalb eines sozial und ökonomisch akzeptablen Mittelwerts zu halten.
Die Normalisierungsgesellschaft
Das Kapitel erläutert Foucaults Konzept der „Normalisierungsgesellschaft“ und zeigt, warum es als Kernbegriff der Biomacht angesehen werden kann.
Schlüsselwörter
Dieser Text befasst sich mit den zentralen Begriffen der politischen Ökonomie, der Gouvernementalität, der Biomacht, der Normalisierungsgesellschaft und dem Liberalismus. Er analysiert Foucaults Argumentation zum Zusammenhang zwischen diesen Begriffen und untersucht die Auswirkungen der Biomacht auf die Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Welchen Zusammenhang stellt Michel Foucault zwischen Liberalismus und Biomacht her?
Foucault argumentiert, dass Liberalismus und Biomacht sich gegenseitig bedingen. Der Liberalismus erfordert eine aktive Regierungskunst (Gouvernementalität), um den Wettbewerb zu sichern, während die Biomacht die Bevölkerung reguliert und das Leben optimiert.
Warum bedeutet Liberalismus laut Foucault nicht einfach „Laisser-faire“?
Da Wettbewerb kein natürliches Phänomen ist, muss er durch Regeln und eine aktive Politik erst ermöglicht werden. Die Voraussetzungen für eine freie Marktwirtschaft müssen also durch staatliche Gouvernementalität künstlich hergestellt werden.
Was versteht Foucault unter „Gouvernementalität“?
Gouvernementalität beschreibt die Wandlung von der bloßen Staatsräson hin zu rationalen Strategien, Menschen zu steuern. Es geht nicht mehr um den Erhalt des Staates um seiner selbst willen, sondern um die Regulierung der Bevölkerung.
Was sind Sicherheitsdispositive im Kontext der Biomacht?
Sicherheitsdispositive sind Mechanismen der Biomacht, die darauf abzielen, das Verhalten der Menschen innerhalb eines ökonomisch und sozial akzeptablen Mittelwerts (Normalität) zu halten.
Was kennzeichnet eine „Normalisierungsgesellschaft“?
Die Normalisierungsgesellschaft ist der Kernbegriff der Biomacht. In ihr wird Macht dadurch ausgeübt, dass das Lebendige gesteigert und soziale Beziehungen so geordnet werden, dass sie einer berechenbaren Norm entsprechen.
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- Patrick Zimmerschied (Author), 2010, Liberalismus und Biomacht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161722