Zu den größten Herausforderungen unserer Zeit gehört es, den Wohlstand zu sichern, ohne dabei die natürlichen Lebensgrundlagen zu zerstören. Um dies zu erreichen, setzen Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und auch Unternehmen weltweit auf das Prinzip der Nachhaltigkeit.
Das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung, international unter dem Stichwort sustainable development bekannt, hat sich zu einem zentralen Begriff entwickelt, anhand dessen über die zukünftige Entwicklung der Menschheit diskutiert wird. Es bezeichnet einen Prozess gesellschaftlicher Veränderung, bei dem der Begriff der Nachhaltigkeit, der als sustainability bezeichnet wird, das Ende eines solchen Prozesses, also einen Zustand beschreibt.
Nach der heute überwiegend akzeptierten Definition ist nachhaltige Entwicklung dann realisiert, wenn die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt werden, ohne zu riskieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. Das Konzept ist ein weltweit anerkanntes Leitbild in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Es zielt auf eine Umsteuerung auf globaler, nationaler und lokaler Ebene ab, um die Lebenssituation der heutigen Generation und die kommender Generationen zu verbessern. Gleichzeitig sollen die Lebens- und Entwicklungschancen erhöht werden.
Für Unternehmen bietet diese Entwicklung eine Vielzahl an Chancen und Herausforderungen. Ihr Blick richtet sich nicht mehr allein auf Produktionsprozesse, Produkte und technische Innovationen, sondern in zunehmenden Maße auf die Art und Weise, wie Produkte über ihren gesamten Lebenszyklus genutzt werden und auf die Frage, inwieweit Produkte und Dienstleistungen global und dauerhaft übertragbare Konsum- und Lebensstile unterstützen.
Inhaltsverzeichnis
Teil A: Rückstellungen nach HGB
1. Einleitung
1.1 Einführung und Bedeutsamkeit der Thematik
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Statische und dynamische Bilanzinterpretation
2.1.1 Statische Bilanzinterpretation
2.1.2 Dynamische Bilanzinterpretation
2.1.3 Vergleich beider Bilanzinterpretationen
2.2. Allgemeine Definition einer Rückstellung
2.3 Gründe für die Bildung einer Rückstellung
2.4 Abgrenzung von Rückstellungen zu anderen Passivposten der Bilanz
2.4.1 Abgrenzung von Rückstellungen zu Verbindlichkeiten u. Eventualverbindlichkeiten
2.4.2 Abgrenzung von Rückstellungen zu Rechnungsabgrenzungsposten
2.4.3 Abgrenzung von Rückstellungen zu Rücklagen
2.4.4 Abgrenzung von Rückstellungen zu Wertberichtigungen
3. Ansatz von Rückstellungen nach dem HGB
3.1 Der Rückstellungskatalog des § 249 HGB
3.2 Ansatzkriterien für (Verbindlichkeits-) Rückstellungen nach dem HGB
3.2.1 Verpflichtung gegenüber einem Dritten
3.2.2 Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme
3.2.3 Wirtschaftliche Belastung am Bilanzstichtag
3.2.4 Quantifizierbarkeit der Rückstellungshöhe
3.3 Zeitpunkt der Rückstellungsbildung
4. Rückstellungsarten nach § 249 HGB
4.1 Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften
4.1.1 Schwebende Geschäfte
4.1.2 Relevanz von Drohverlustrückstellungen
4.1.3 Umfang des Saldierungsbereichs u. Reichweite des Einzelbewertungsgrundsatzes
4.2 Rückstellungen für Gewährleistungen, die mit und ohne rechtliche Verpflichtung erbracht werden
4.3 Aufwandsrückstellungen
4.3.1 Rückstellungen für unterlassenen Instandhaltung
4.3.2 Rückstellungen für Abraumbeseitigung
5. Auswirkungen und Beurteilung der novellierten Rechnungslegung
5.1.Kritik an der Passivierung von Aufwandsrückstellungen
5.1.1 Vorwurf der Auflösung von Aufwandsrückstellungen aufgrund von Planänderungen
5.1.2 Aufwandsrückstellungen sind als nicht GoB- konform anzusehen
5.1.3 Nicht hinzureichend nachprüfbare Sachverhalte
5.2 Argumente für die Passivierung von Aufwandsrückstellungen
5.2.1 Komponentenansatz nach IAS 16
5.2.2 Bilanzierung und Aufwandsverrechnung der unterschiedlichen Rechnungslegungssysteme anhand des Beispiels der Generalüberholung
6. Bewertung von Rückstellungen
6.1 Bewertung zum Erfüllungsbetrag unter Einbeziehung zukünftige Preis- und Kostenverhältnisse
6.2 Bewertungsgrundsätze bei Rückstellungen
6.3 Diskontierungsgebot
6.3.1 Durchschnittlicher Marktzins als Diskontierungsfaktor
6.3.2 Ausweis der Auf- und Abzinsung in der GuV
Teil B: International Accounting Standard 37
7. Grundlagen des IAS 37
7.1 Zielsetzung und Anwendungsbereich des IAS 37
7.2 Einschränkungen des Anwendungsbereiches des IAS 37
7.3 Definition des Rückstellungsbegriffs des IAS 37.10
7.4 Abgrenzung von provisions zu other liabilities, accruals, contingent liabilities sowie contingent assets
7.4.1 Abgrenzung von Rückstellungen zu sonstigen Schulden
7.4.2 Abgrenzung von Rückstellungen zu abgegrenzten Schulden
7.4.3 Abgrenzung von Rückstellungen zu Eventualverbindlichkeiten
7.4.4 Abgrenzung von Rückstellungen zu Eventualforderung
8. Ansatz von Rückstellungen nach IAS 37
8.1 Einführung
8.2 Ansatzkriterien für (Verbindlichkeits)- Rückstellungen nach IAS 37
8.2.1 Verursachung einer gegenwärtigen Verpflichtung gegenüber Dritten durch ein Ereignis in der Vergangenheit
8.2.1.1 Gegenwärtige Verpflichtung
8.2.1.2 Außenverpflichtungen
8.2.1.3 Verpflichtung aufgrund eines Ereignisses in der Vergangenheit
8.2.1.4 Ansatzverbot für künftige betriebliche Verluste
8.2.2 Wahrscheinlicher Abfluss von Ressourcen mit wirtschaftlichem Nutzen
8.2.3 Verlässliche Schätzbarkeit bzw. Ermittlung der Rückstellungshöhe
9. Ausgewählte Rückstellungsarten im Überblick
9.1 Restrukturierungsrückstellungen
9.1.1 Verkauf von Geschäftsbereichen
9.1.2 Bewertung von Restrukturierungsrückstellungen
9.2 Entsorgungs- und Rekultivierungsverpflichtungen
9.3 Drohverlustrückstellungen
9.4 Aufwandsrückstellungen
10. Bewertung von Rückstellungen nach IAS 37
10.1 Bestmögliche Schätzung
10.1.1 Die Ermittlung der bestmöglichen Schätzung bei einmaligen Verpflichtungen
10.1.2 Die Ermittlung der bestmöglichen Schätzung bei einer Vielzahl gleichartiger Verpflichtungen mit gleichwahrscheinlichen Werten
10.1.3 Die Ermittlung der bestmöglichen Schätzung bei einer Vielzahl gleichartiger Verpflichtungen mit einer Bandbreite von nicht gleichwahrscheinlichen Werten
10.2 Weitere in die Schätzung einzubeziehende Faktoren
10.2.1 Zu berücksichtigende Risiken und Unsicherheiten bei der Bewertung
10.2.2 Künftige Ereignisse
10.2.3 Veräußerungsgewinne
10.2.4 Rückgriffs- und Erstattungsansprüche
10.3 Barwert
10.3.1 Risikoberücksichtigung
10.3.2 Fortlaufende Anpassung der Rückstellung
11. Geplante Neuregelungen bei der Bilanzierung von Rückstellungen nach IAS 37
11.1 Terminologie
11.2 Ansatzkriterien
11.3 Bewertung
11.4 Fazit
12. Fazit und kurze kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die Neuerungen im deutschen Handelsrecht durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) im Hinblick auf den Ansatz und die Bewertung von Rückstellungen detailliert zu analysieren und einem direkten Vergleich mit dem internationalen Standard IAS 37 zu unterziehen. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, ob der Gesetzgeber durch die Reform erfolgreich das Ziel erreicht hat, die Informationsfunktion des handelsrechtlichen Jahresabschlusses zu stärken und eine Annäherung an internationale Rechnungslegungsstandards zu erzielen.
- Analyse der theoretischen Grundlagen (statische vs. dynamische Bilanzinterpretation)
- Vergleich der Ansatzkriterien und Rückstellungsarten im HGB und nach IFRS
- Untersuchung der Auswirkungen des Passivierungsverbots von Aufwandsrückstellungen
- Bewertungsmethodik: Erfüllungsbetrag, Abzinsung und Barwertermittlung
- Diskussion über potenzielle Konvergenzbestrebungen und zukünftige Neuregelungen
Auszug aus dem Buch
2.1 Statische und dynamische Bilanzinterpretation
Zielsetzung der Rechnungslegung sowie auch die sich daraus ergebende Passivierung von Rückstellungen sind bedingt durch die, der Bilanz zugrundeliegenden Bilanztheorie. Grundsätzlich lassen sich zwei fundamentale Theorien des JA unterscheiden: Die statische und die dynamische Bilanzinterpretation. Kennzeichnend für beide ist, dass sie den Zweck des JA aus rein betriebswirtschaftlichen Überlegungen und nicht aus rechtlichen Regelungen herleiten. Sie behandeln die Aufgaben, den Inhalt und die Ausgestaltung des JA und befassen sich mit der Frage, was in der Bilanz als Vermögen bzw. als Schulden angesetzt werden darf. Somit hängt auch der Umfang, des hier im Vordergrund stehenden Begriffs der Rückstellung in großem Maße von der Zielsetzung, die mit der Bilanz verfolgt wird, ab.
Der Berliner Rechtsanwalt Herman Veit Simon verfasste zum Bilanzrecht des Allgemeinen Deutschen Handelsgesetzbuches von 1861 eine Monographie, die als grundlegendes Dokument der statischen Bilanzlehre anerkannt ist. Das Adjektiv „statisch“ erhielt die Theorie dabei nicht durch Simon selbst, sondern durch Eugen Schmalenbach, dieser damit den Unterschied zu seiner dynamischen Bilanzinterpretation verdeutlichen wollte. Er beabsichtigte darzustellen, dass die Bilanz als ein Zustandsbild des Betriebes gelten kann: „Wenn die Bilanz die Aufgabe hat, einen Zustand des Betriebes zu schildern, sei es einen dauernden oder vorübergehenden Zustand, so nennen wir eine solche Bilanz eine statische Bilanz.“
Aufgabe der statische Bilanztheorie ist es, eine genaue Darstellung des Reinvermögens (Eigenkapital) und somit der Haftungsmasse, die den Geldgebern zur Begleichung ihrer Forderungen als Sicherheiten zur Verfügung steht, abzubilden. Dabei wird der Erfolg durch einen Eigenkapitalvergleich ermittelt. Die Ermittlung des Erfolges mit Hilfe der GuV ist dagegen von nachrangiger Bedeutung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bilanzrechtsmodernisierung (BilMoG) ein und erläutert die Bedeutung der Rückstellungen als signifikante Passivposten in der Bilanz.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel legt die Basis durch die Erörterung statischer und dynamischer Bilanztheorien, definiert Rückstellungen und grenzt sie von anderen Passivposten wie Verbindlichkeiten und Rücklagen ab.
3. Ansatz von Rückstellungen nach dem HGB: Es werden der gesetzliche Rückstellungskatalog sowie die zentralen Ansatzkriterien, wie die Verpflichtung gegenüber Dritten und die Wahrscheinlichkeit der Inanspruchnahme, detailliert beschrieben.
4. Rückstellungsarten nach § 249 HGB: Dieses Kapitel widmet sich spezifischen Arten wie Drohverlustrückstellungen, Gewährleistungsrückstellungen und Aufwandsrückstellungen unter der HGB-Systematik.
5. Auswirkungen und Beurteilung der novellierten Rechnungslegung: Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Wegfall von Aufwandsrückstellungen und der zunehmenden Ausrichtung an internationaler Rechnungslegung.
6. Bewertung von Rückstellungen: Es werden Bewertungsmaßstäbe wie der Erfüllungsbetrag, die Diskontierungspflicht und deren Ausweis in der GuV analysiert.
7. Grundlagen des IAS 37: Dieses Kapitel stellt die internationale Perspektive vor, fokussiert auf die Zielsetzung des Standards sowie die Abgrenzung zu anderen Schuldenkategorien.
8. Ansatz von Rückstellungen nach IAS 37: Erläuterung der strengeren internationalen Ansatzkriterien, einschließlich des Wahrscheinlichkeitsbegriffs für den Abfluss wirtschaftlicher Ressourcen.
9. Ausgewählte Rückstellungsarten im Überblick: Eine Betrachtung spezifischer IFRS-konformer Rückstellungsarten wie Restrukturierungs- und Entsorgungsverpflichtungen.
10. Bewertung von Rückstellungen nach IAS 37: Detaillierte Betrachtung der Bewertungsverfahren unter IFRS, wie die Schätzung von Wahrscheinlichkeiten und die Barwertermittlung.
11. Geplante Neuregelungen bei der Bilanzierung von Rückstellungen nach IAS 37: Ein kurzer Überblick über laufende Standardentwürfe zur Weiterentwicklung der internationalen Rückstellungsbilanzierung.
12. Fazit und kurze kritische Würdigung: Eine abschließende Synthese, die bewertet, inwieweit das BilMoG die Ziele der Informationssteigerung und Vergleichbarkeit im Vergleich zum internationalen Standard erreicht hat.
Schlüsselwörter
Rückstellungen, BilMoG, HGB, IFRS, IAS 37, Bilanzierung, Bewertung, Aufwandsrückstellungen, Drohverlustrückstellungen, Erfüllungsbetrag, Diskontierung, Außenverpflichtung, Innenverpflichtung, Rechnungslegung, Jahresabschluss
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-These grundlegend?
Die Arbeit behandelt den Vergleich der Bilanzierung und Bewertung von Rückstellungen nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) – insbesondere unter Berücksichtigung der durch das BilMoG eingeführten Änderungen – und den internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS/IAS 37).
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretischen Grundlagen, die Ansatzvoraussetzungen, die Bewertungsmethoden sowie die kritische Analyse der Harmonisierung des deutschen Bilanzrechts mit internationalen Standards.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es zu beurteilen, ob der deutsche Gesetzgeber mit der Reform erfolgreich das Informationsniveau des Jahresabschlusses steigern konnte und wie weit eine tatsächliche Angleichung an die internationalen IFRS-Vorgaben gelungen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Literaturanalyse sowie einen rechtsvergleichenden Ansatz, um die Unterschiede zwischen den beiden Rechnungslegungssystemen (HGB vs. IFRS) herauszuarbeiten.
Was sind die Schwerpunkte des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei Abschnitte, die jeweils die Ansatz- und Bewertungskriterien von Rückstellungen nach HGB bzw. IAS 37 untersuchen, ergänzt durch praktische Beispiele zur Bewertung und Auswirkung der Neuregelungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Rückstellungen, BilMoG, Erfüllungsbetrag, Diskontierungsgebot, Aufwandsrückstellungen, drohende Verluste, Verbindlichkeiten und das Realisations- bzw. Imparitätsprinzip.
Welche Rolle spielen "Aufwandsrückstellungen" in dieser Arbeit?
Aufwandsrückstellungen bilden einen zentralen Punkt der Kritik und Analyse, da ihr Wegfall im Zuge des BilMoG als ein wesentlicher Schritt zur Reduzierung bilanzpolitischer Spielräume und zur Angleichung an IFRS-Standards gewertet wird.
Wie unterscheidet sich die Bewertung von Rückstellungen nach HGB und IFRS?
Während das HGB zunehmend auf den Erfüllungsbetrag und die Diskontierung setzt, um eine realitätsnähere Darstellung zu erreichen, verfolgen die IFRS konsequent den "Best Estimate"-Ansatz, oft basierend auf Erwartungswerten, und nutzen den "Component Approach" zur Bewertung von Instandhaltungsaufwendungen.
- Arbeit zitieren
- Alina Schulte im Hoff (Autor:in), 2010, Rückstellungen nach HGB und IFRS im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161693