Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Gründen der Staatsverschuldung in der Bundesrepublik Deutschland. Nach einem kurzen Überblick über die Entwicklung der Staatsschulden wird zunächst die Verschuldungssystematik auf ihre Rationalität hin untersucht. Dazu erfolgt zunächst eine Plausibilitätskontrolle der ökonomischen und sozialen Argumentation pro Staatsverschuldung unter Zuhilfenahme empirischer Daten und theoretischer Argumentation. Hier wird insbesondere die „Grand Theory“ von John Maynard Keynes im Fokus stehen.
Darauf wird die Frage behandelt, warum die Gesellschaft der Bundesrepublik seit Jahrzehnten einen Anstieg der Staatsschulden akzeptiert. Dies erfolgt anhand einer Verifizierung bzw. Falsifizierung der These, dass sich ein verantwortungsbewusster Politiker wie ein erfolgreicher Unternehmer zu verhalten habe.
Ziel ist also, den Grund zu finden, warum Verschuldung stattfindet, wenn sie doch scheinbar unsinnig und ungewollt scheint.
Inhaltsverzeichnis
1. VORWORT
2. WAS IST STAATSVERSCHULDUNG EIGENTLICH?
3. RELATIVE VERSCHULDUNG DER BRD
4. WARUM STEIGEN DIE SCHULDEN, TROTZ STEIGENDER EINNAHMEN DES STAATES?
4.1. WAS SIND ARGUMENTE FÜR EINE STAATLICHE VERSCHULDUNG?
4.2. ZWISCHENERGEBNIS
5. VERSCHULDUNG DER BRD
5.1. ENTWICKLUNG DER SCHULDEN IN DER BRD
5.1.1. EIN NEUES STAATSVERSTÄNDNIS
5.1.2. KEYNESIANISMUS
5.1.3. THEORIE UND WIRKLICHKEIT
5.1.4. ZWISCHENERGEBNIS
6. WARUM HANDELT DER STAAT ANDERS ALS EIN UNTERNEHMER?
6.1. WORIN LIEGT DER SYSTEMISCHE UNTERSCHIED ZWISCHEN POLITIK UND WIRTSCHAFT?
6.2. EINFLUSS VON PARTEIEN UND WAHLEN AUF DIE VERSCHULDUNG
6.3. ZWISCHENERGEBNIS
7. SCHLUSSTEIL
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen der Staatsverschuldung in der Bundesrepublik Deutschland. Dabei wird hinterfragt, warum der Staat trotz steigender Einnahmen kontinuierlich Schulden anhäuft und ob hierbei eine ökonomische Rationalität erkennbar ist. Im Kern steht die Forschungsfrage, warum die politische Elite keine Kehrtwende vollzieht und welche systemtheoretischen Hintergründe sowie parteipolitischen Interessen diese Entwicklung beeinflussen.
- Analyse der Verschuldungssystematik in der Bundesrepublik Deutschland
- Untersuchung ökonomischer Argumente für staatliche Verschuldung, insbesondere unter Berücksichtigung keynesianischer Ansätze
- Systemtheoretische Betrachtung nach Talcott Parsons zur Unterscheidung von politischem und wirtschaftlichem Handeln
- Evaluation des Einflusses von Wahlsystemen und Parteien auf die Ausgabenpolitik
- Diskussion über Reformmöglichkeiten wie die Schuldenbremse
Auszug aus dem Buch
5.1.2. Keynesianismus
Zu den verstärkten Ausgaben für den Bereich „Soziales“ kam ein Optimismus betreffend der Steuerung der Wirtschaft durch den Staat. Die Theorie, die diesem zugrunde lag, war die zuvor schon angesprochene „General Theory of Employment, Interest and Money“ von John Maynard Keynes. Heute lässt sich dieser Weg als einseitig in immer höhere Staatsausgaben deuten. Um ihn zu verstehen, sollen an dieser Stelle die Kerngedanken des „Keynesianismus“ und seine praktische Umsetzung mit ihren Folgen für Staat und Gesellschaft erläutert werden. Für die Frage nach der Sinnhaftigkeit von kreditfinanzierten Konjunkturpaketen ist das Verstehen von Keynes Werk nämlich unerlässlich.
John R. Hicks verpackte das abstrakte Modell Keynes anschaulich in ein Modell, das unter dem Titel IS-LM-Modell Ruhm erlangte. Es eignet sich vor allem deshalb zur Erläuterung von Keynes, da es sich graphisch darstellen lässt und somit wesentlich greifbarer wird.
Die zugrunde liegende Idee des Diagramms ist, dass eine Wirtschaft durch verschiedene Märkte determiniert ist, die alle dazu tendieren ein Gleichgewicht aus Angebot und Nachfrage zu erzeugen. Jeder der Kurven im IS-LM-Diagramm repräsentiert einen Markt: die IS-Kurve steht für den Gütermarkt, die LM-Kurve für den Geldmarkt. Im Schnittpunkt der beiden liegen das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht und die schon erwähnte Tendenz beider.
Zusammenfassung der Kapitel
1. VORWORT: Einleitung in die Thematik der Staatsverschuldung, Darstellung der Problemlage und Formulierung der zentralen Forschungsfrage.
2. WAS IST STAATSVERSCHULDUNG EIGENTLICH?: Definition der grundlegenden Begriffe wie Staatsverschuldung, Schuldenstand und Neuverschuldung.
3. RELATIVE VERSCHULDUNG DER BRD: Einordnung der deutschen Staatsverschuldung im internationalen Vergleich und Diskussion der Korrelation zwischen Verschuldung und Wirtschaftsleistung.
4. WARUM STEIGEN DIE SCHULDEN, TROTZ STEIGENDER EINNAHMEN DES STAATES?: Analyse der Hintergründe für Haushaltsdefizite trotz steigender Steuereinnahmen und Vorstellung von fünf Hauptargumenten für staatliche Verschuldung.
5. VERSCHULDUNG DER BRD: Detaillierte Untersuchung der historischen Schuldenentwicklung, geprägt durch das neue Staatsverständnis und den keynesianischen Ansatz, sowie Gegenüberstellung von Theorie und Realität.
6. WARUM HANDELT DER STAAT ANDERS ALS EIN UNTERNEHMER?: Untersuchung der unterschiedlichen Anreizstrukturen für Politiker und Unternehmer sowie des Einflusses von Parteien und Wahlsystemen auf die Verschuldung.
7. SCHLUSSTEIL: Zusammenfassung der Erkenntnisse, Bewertung der aktuellen Situation und Diskussion von Lösungsansätzen zur Eindämmung der Staatsverschuldung.
Schlüsselwörter
Staatsverschuldung, Bundesrepublik Deutschland, Keynesianismus, Staatsausgaben, Haushaltsdefizit, Wirtschaftswachstum, Politische Ökonomie, Systemtheorie, Talcott Parsons, Parteienwettbewerb, Wahlverhalten, Machterhalt, Schuldenbremse, Neuverschuldung, Fiskalpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Gründe für die stetig steigende Staatsverschuldung in der Bundesrepublik Deutschland und untersucht, ob diese Entwicklung ökonomisch rational oder systemisch bedingt ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die ökonomische Theorie (Keynesianismus), die Systemtheorie nach Talcott Parsons zur Erklärung politischer Handlungen sowie die Auswirkungen von Parteieninteressen und Wahlsystemen auf die öffentliche Verschuldung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Grund zu finden, warum Verschuldung stattfindet, obwohl sie oft als unsinnig und ungewollt wahrgenommen wird, und dabei die systemischen Anreize der Politik aufzudecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine Kombination aus empirischer Datenauswertung, theoretischer Analyse (insbesondere Systemtheorie nach Talcott Parsons) und der vergleichenden Staatstätigkeitsforschung (Neue Politische Ökonomie).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die ökonomische Analyse (Argumente für Verschuldung, Keynes-Theorie), die historische Entwicklung in der BRD und die Untersuchung der politischen Motivationslage (Machterhalt, Wahlsysteme).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Staatsverschuldung, Keynesianismus, Systemtheorie, politische Konjunkturzyklen, Parteienwettbewerb und Haushaltsdisziplin charakterisieren.
Wie unterscheidet sich das Handeln eines Politikers von dem eines Unternehmers laut der Arbeit?
Während der Unternehmer durch die Logik der Marktwirtschaft und Kapitalakkumulation sowie Zinsvorgaben begrenzt wird, orientiert sich der Politiker primär an der Machtakkumulation und der stetigen Legitimation durch das Volk, was andere Anreizstrukturen schafft.
Welche Bedeutung hat das Wahlsystem für die Staatsverschuldung laut Sven Mally?
Das Wahlsystem trägt zur Verschuldung bei, da Regierungen versuchen, durch Ausgaben ihre Popularität zu steigern und unpopuläre Maßnahmen (wie Steuererhöhungen) zu vermeiden, um ihre Wiederwahl oder Machtposition nicht zu gefährden.
- Quote paper
- Sven Mally (Author), 2010, Staatsverschuldung in der BRD, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/161570