Die Entwicklung jedes Unternehmens ist eng mit den gesellschaftlichen Prozessen
verbunden und vollzieht sich innerhalb eines gewissen ordnungspolitischen
Rahmens. Dieser ist die Grundbedingung für die wirtschaftliche Aktivität jeder
wirtschaftlichen Einheit. Ostdeutsche Traditionsunternehmen blicken auf ein 20.
Jahrhundert zurück, indem sie gleich zweimal von politischen Situationen und
Entscheidungen stark beeinflusst und in ihrem Weg bestimmt wurden.
Das erste prägnante Datum war der Zeitraum direkt nach dem Ende des 2.
Weltkrieges. Ostdeutschland wurde zur Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) erklärt
und musste fortan Reparationsleistungen an die Sowjetunion abtreten. Zudem
wurden punktuell ostdeutsche Betriebe demontiert und in Eigentum der UdSSR
überführt. Die Teilung Deutschlands bewirkte schließlich, dass das Gebiet der SBZ
von ihren traditionellen Verbindungen zum Westen weitestgehend isoliert wurde.
Es folgte die Umstellung auf das sowjetische Planungsmodell der
Zentralverwaltungswirtschaft, einer wirtschaftlichen Organisationsform, die
beinhaltete, dass dem Staat die Verfügungsgewalt an den Produktionsmitteln zuteil
wurde. Dies führte letztlich dazu, dass der Staat über die Produktion „wachte“ und
wirtschaftliche Planzahlen vorgab.
Am 01. Juli 1990 war es dann erneut soweit: Die Deutsche Demokratische Republik
(DDR), und damit natürlich auch ihre Wirtschaftsbetriebe, übernahm durch eine
Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion das politische System der Bundesrepublik
Deutschland. Wieder waren die Unternehmen einem Transformationsprozess
ausgesetzt, den sie zu bewältigen hatten. Die Schwächen der Planwirtschaft wurden
nun deutlich sichtbar und die Betriebe dem marktwirtschaftlichen Wettbewerb
„schockartig“ ausgesetzt.
Wie ostdeutsche Traditionsunternehmen nun mit diesen Phasen ihrer Entwicklung
zurechtkamen und welche Folgen und Veränderungen sich daraus für sie ergaben,
soll in dieser Arbeit, nach einem zunächst allgemeingültigem Kapitel, exemplarisch
an einigen ausgewählten Beispielen dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Transformationsprozesse seit dem 2. Weltkrieg
- Reparationen in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ)
- Übernahme des sowjetischen Modells
- Die Zeit der Kombinate
- Von der Plan- zur Marktwirtschaft
- Konsequenzen für die einheimischen Betriebe
- Fallbeispiel Carl Zeiss in Jena
- Die Folgen des 2. Weltkrieges
- Umgestaltung des Kombinates Carl Zeiss
- Der Gang an die Börse
- Fallbeispiel A. Lange & Söhne
- Gründung mit einem Staatsdarlehen
- Zerstörung, Zerschlagung und Wiederaufbau
- Der Fall der Mauer
- Weitere Beispiele
- Rotkäppchen Sekt
- Röstfein Kaffee
- Zusammenfassung
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Transformationsprozesse ostdeutscher Traditionsunternehmen im 20. Jahrhundert. Der Fokus liegt dabei auf den Folgen der politischen Veränderungen nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Übergang zur Marktwirtschaft nach der Wiedervereinigung. Die Arbeit zeigt anhand von Fallbeispielen die Herausforderungen und Anpassungen auf, denen sich diese Unternehmen stellten.
- Reparationsleistungen und Demontage ostdeutscher Betriebe nach dem Zweiten Weltkrieg
- Die Übernahme des sowjetischen Planungsmodells in der DDR
- Die Auswirkungen der Wiedervereinigung auf ostdeutsche Unternehmen
- Die Anpassung an die marktwirtschaftlichen Bedingungen
- Beispiele für die Transformationsprozesse in verschiedenen Branchen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der Transformationsprozesse ostdeutscher Traditionsunternehmen ein und beleuchtet den Einfluss politischer Situationen und Entscheidungen auf die wirtschaftliche Entwicklung. Anschließend werden die Transformationsprozesse seit dem Zweiten Weltkrieg genauer betrachtet. Das Kapitel behandelt die Reparationsforderungen der Sowjetunion, die Übernahme des sowjetischen Planungsmodells und die Entstehung der Kombinate. Danach werden die Folgen des Zweiten Weltkrieges und die Umgestaltung des Kombinates Carl Zeiss in Jena analysiert.
Das Kapitel zum Fallbeispiel A. Lange & Söhne befasst sich mit der Gründung des Unternehmens, der Zerstörung und dem Wiederaufbau sowie den Herausforderungen, die sich durch den Fall der Mauer ergaben. Abschließend werden weitere Beispiele wie Rotkäppchen Sekt und Röstfein Kaffee behandelt.
Schlüsselwörter
Transformationsprozesse, ostdeutsche Unternehmen, Traditionsunternehmen, Zweiter Weltkrieg, Sowjetische Besatzungszone (SBZ), Reparationen, Planwirtschaft, Marktwirtschaft, Kombinate, Fallbeispiele, Carl Zeiss, A. Lange & Söhne, Rotkäppchen Sekt, Röstfein Kaffee.
Häufig gestellte Fragen
Was passierte mit ostdeutschen Betrieben nach dem 2. Weltkrieg?
Viele Betriebe in der SBZ wurden demontiert oder mussten Reparationsleistungen an die Sowjetunion erbringen, bevor sie in Volkseigene Betriebe (VEB) umgewandelt wurden.
Wie funktionierte die Planwirtschaft für DDR-Traditionsmarken?
Der Staat gab Planzahlen vor und kontrollierte die Produktion über sogenannte Kombinate, die über Produktionsmittel verfügten.
Welche Herausforderungen brachte die Währungsunion 1990?
Die Betriebe wurden schockartig dem marktwirtschaftlichen Wettbewerb ausgesetzt, was viele vor enorme Anpassungsschwierigkeiten stellte.
Was geschah mit der Marke Carl Zeiss Jena?
Nach dem Krieg und der Zeit als Kombinat musste das Unternehmen tiefgreifend umstrukturiert werden und schaffte schließlich den Gang an die Börse.
Gibt es heute noch erfolgreiche ehemalige DDR-Marken?
Ja, Beispiele wie Rotkäppchen Sekt oder Röstfein Kaffee zeigen, dass einige Marken den Transformationsprozess erfolgreich gemeistert haben.
- Quote paper
- Markus Langguth (Author), 2002, Traditionsmarken der ehemaligen DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15920