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Das Motiv der Flucht in der Exillyrik

Title: Das Motiv der Flucht in der Exillyrik

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 17 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Doreen Czekalla (Author)

German Studies - Modern German Literature
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„[I]n den ersten Minuten nach der Flucht war er nur ein Tier, das in die Wildnis ausbricht, die
sein Leben ist, und Blut und Haare klebten noch an der Falle. [...]Ein zweiter Anfall von
Angst, die Faust, die einem das Herz zusammendrückt. Jetzt nur kein Mensch sein, jetzt
Wurzeln schlagen, ein Weidenstamm unter Weidenstämmen, jetzt Rinde bekommen und
Zweige statt Arme. [...] Warum muß man gerade ein Mensch sein, und wenn schon einer,
warum gerade ich, Georg.“1 Ich habe dieses Zitate aus Anna Seghers Das Siebte Kreuz meiner
Arbeit vorangestellt, weil es widerspiegelt, was Flucht bedeutet. Die Flucht assoziiert die
ständige Angst und das Verfolgtwerden, das Verstecken und die Gefahr, vielleicht vor dem
drohenden Tod. Der Flüchtende muss in jeder Minute auf der Hut sein vor dem, wovor er
flieht, dass dieser ihn nicht entdeckt. Er möchte sich auflösen, unsichtbar machen oder, wie
Georg in Das siebte Kreuz, sich in eine Weide verwandeln. Das Flüchtlingsdasein ist ein
hastiges Leben von begrenzter Dauer zwischen zwei Welten: Dem Ort, von dem man
geflüchtet ist und dem Ort, an den man sich flüchtet und Rettung erhofft. Es ist eine Suche
und Sehnsucht nach Schutz und Geborgenheit, nach Ruhe und Rast von der erschöpfenden
Flucht.
Ich werde anhand ausgesuchter Gedichte von Paul Zech, Nelly Sachs, Berthold Viertel und
Max Herrmann-Neisse zeigen, wie diese Autoren das Thema Flucht lyrisch umsetzen. Hierbei
möchte ich Gemeinsamkeiten und Unterschiede formaler und inhaltlicher Natur aufzeigen
und interpretieren. Ich bin mir bewusst, dass die ausgewählten Lyriker keine heterogene
Gruppe bilden, die man anhand je eines Gedichtes vergleichen kann. So verschieden die
Autoren sind und so verschieden ihr Werk ist, haben sie eines gemeinsam: Sie teilen das
Schicksal der vielen tausend Exilanten in den dreißiger und vierziger Jahren des 20.
Jahrhunderts und sie verbindet die Flucht vor dem Nationalsozialismus aus Deutschland
beziehungsweise Österreich.
Zuerst gehe ich in meiner Arbeit jeweils kurz auf die persönlichen Fluchterlebnisse des
Autors ein. Dann werde ich jedes Gedicht vorstellen, es formal und inhaltlich unter dem
Gesichtspunkt der Fluchtthematik analysieren und interpretieren. Am Schluss möchte ich
zusammenfassend vor allem die Gemeinsamkeiten der einzelnen Gedichte hervorheben und
das Problem des Ankommens nach der Flucht ansprechen.
1 Seghers: S. 23ff.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Paul Zech: Aus meinem Haus, von Hab und Gut...

3. Nelly Sachs: In der Flucht...

4. Berthold Viertel: Der Gehetzte

5. Max Herrmann-Neisse: Rast auf der Flucht

6. Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die lyrische Auseinandersetzung mit dem existentiellen Thema der Flucht während der Zeit des Nationalsozialismus. Ziel ist es, an ausgewählten Gedichten bekannter Exillyriker Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der formalen sowie inhaltlichen Darstellung des Flüchtlingsdaseins und des Problems des Ankommens zu analysieren.

  • Lyrische Verarbeitung von Flucht und Vertreibung
  • Analyse der Fluchterfahrung bei Paul Zech, Nelly Sachs, Berthold Viertel und Max Herrmann-Neisse
  • Gegenüberstellung von Fluchtmotiven und der Hoffnungslosigkeit im Exil
  • Untersuchung der formalen Gestaltung und Metaphorik in der Exillyrik

Auszug aus dem Buch

4. Berthold Viertel: Der Gehetzte

Heute streichle ich noch meinen Hund,

Aber morgen haben sie mich,

Und haben sie mich, so begraben sie mich

Und ich werde nie wieder gesund.

Wenn ich daran denk, ist die Tür an der Wand

Vermauert, das Fenster aus Blei.

Mein Anzug tut schon ganz unbekannt,

Und dabei ist er noch wie neu.

Wozu Füße, wenn zum Laufen nicht,

Ein Kopf, der nicht lügen mehr will!

Am besten leg ich mich aufs Gesicht

Und halte die Hände still.

„Der Gehetzte“ ist im Gedichtband Daß ich in dieser Sprache schreibe 1981 veröffentlicht worden. Viertel war seit 1928 als Regisseur in Hollywood tätig und emigriert 1933 über Wien und Prag nach Paris und ist ab 1933 bis 1939 überwiegend in London zu hause. Ab 1939 emigriert er in die USA und lebt fortan in New York oder ist als Regisseur in Hollywood tätig. Die lyrische Tätigkeit hat Berthold Viertel als „Kampf eines Einzelnen gegen die zunehmende weltumfassende Verdunkelung des Lebens und seiner Werte, als innere Gegenwehr, als Notwehr eines Menschen in der deutschen Emigration“ bezeichnet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Bedeutung der Fluchtthematik anhand eines Zitats von Anna Seghers und stellt das methodische Vorgehen bei der Analyse der ausgewählten Lyriker dar.

2. Paul Zech: Aus meinem Haus, von Hab und Gut...: Dieses Kapitel interpretiert das Sonett von Paul Zech vor dem Hintergrund seiner persönlichen Flucht nach Argentinien und analysiert die bildliche Darstellung des Wahnsinns.

3. Nelly Sachs: In der Flucht...: Der Fokus liegt hier auf der metaphernreichen Sprache von Nelly Sachs, welche die rastlose Bewegung der Welt und das Flüchtlingsdasein als einen Zustand ohne Entrinnen beschreibt.

4. Berthold Viertel: Der Gehetzte: Dieses Kapitel untersucht die pessimistische Stimmung im Gedicht Viertels und deutet das lyrische Ich als einen Menschen, der unter dem Druck der Verfolgung resigniert.

5. Max Herrmann-Neisse: Rast auf der Flucht: Das Kapitel befasst sich mit der Sehnsucht des lyrischen Ichs nach einem Moment des Friedens und der „lindernden Rast“ inmitten einer von Krieg und Vernichtung geprägten Welt.

6. Schluss: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass in keinem der Gedichte ein wirkliches Ankommen im Exil möglich ist, da die Heimat unwiderruflich verloren bleibt.

Schlüsselwörter

Exillyrik, Flucht, Nationalsozialismus, Paul Zech, Nelly Sachs, Berthold Viertel, Max Herrmann-Neisse, Emigration, Identität, Heimatverlust, Lyrikanalyse, Exilerfahrung, Vergänglichkeit, Schutzlosigkeit, Wahnsinn.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der literarischen Aufarbeitung der Flucht von Exilanten während der Zeit des Nationalsozialismus anhand von vier repräsentativen Gedichten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert auf die Themen Flucht, existenzielle Angst, die Suche nach Sicherheit im Exil, das Gefühl der Fremdheit sowie die Unmöglichkeit des Ankommens.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die formale und inhaltliche Analyse der Fluchtthematik in ausgewählten Gedichten, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der lyrischen Umsetzung aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die biographische Hintergründe der Autoren mit der detaillierten Interpretation ihrer Gedichte verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden nacheinander Gedichte von Paul Zech, Nelly Sachs, Berthold Viertel und Max Herrmann-Neisse analysiert, wobei jeweils der persönliche Fluchthintergrund einbezogen wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Exillyrik, Flucht, Heimatverlust, Emigration und die existenzielle Identitätskrise der Exilierten.

Wie unterscheidet sich die Darstellung der Flucht bei Nelly Sachs von den anderen Autoren?

Nelly Sachs verwendet eine stark metaphernreiche Sprache, in der nicht nur das menschliche Leid, sondern die Flucht als universelle Bewegung der Welt und ihrer Elemente begriffen wird.

Warum spielt das Bild des „Gastes“ bei Max Herrmann-Neisse eine so wichtige Rolle?

Das Bild des Gastes symbolisiert bei Herrmann-Neisse die Vorläufigkeit und den Mangel an Zugehörigkeit, was die prekäre Situation des Exilierten in der Fremde unterstreicht.

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Details

Title
Das Motiv der Flucht in der Exillyrik
College
University of Leipzig  (Institut für Germanistik)
Course
Hauptseminar: Exilliteratur 1933 - 1945
Grade
1,5
Author
Doreen Czekalla (Author)
Publication Year
2003
Pages
17
Catalog Number
V15888
ISBN (eBook)
9783638208819
Language
German
Tags
Motiv Flucht Exillyrik Hauptseminar Exilliteratur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Doreen Czekalla (Author), 2003, Das Motiv der Flucht in der Exillyrik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15888
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