Die Europäische Union besteht nach erfolgter Osterweiterung inzwischen aus 27 Staaten mit insgesamt fast 500 Millionen Einwohnern. Ihr oberstes Ziel ist die Schaffung einer freien Gemeinschaft ohne Handelshemmnisse wofür ihr im Jahr 2008 Gesamtausgaben in Höhe von gut 129 Milliarden Euro zur Verfügung standen. Beachtlich ist dabei die Entwicklung des Gesamthaushaltes, der Jahr für Jahr deutlich anwächst und im 2005 erstmals die Schwelle von 100 Mrd. Euro überschritten hat. Alleine die Agrarausgaben machen innerhalb der Verpflichtungsermächtigungen für 2010 (141,5 Mrd. Euro) mit etwa 42 Prozent (59,5 Mrd. Euro) den zweitgrößten Bestandteil nach den Strukturfördermaßnahmen aus. Nicht nur aufgrund der über die Jahre hinweg teils horrenden Ausgaben, sondern auch wegen des häufig zweifelhaften Erfolges der verwendeten Maßnahmen, die beispielsweise zu einer fast traditionellen Überproduktion bestimmter landwirtschaftlicher Güter führten, sah sich kaum ein Tätigkeitsbereich der EU in den vergangenen Jahren ähnlich starker nationaler und internationaler Kritik ausgesetzt, wie die Agrarpolitik. Die folgende Seminarsarbeit wird sich daher im Schwerpunkt mit der Frage beschäftigen, in wieweit eine zentrale Entscheidungs- und Finanzierungsbefugnis von Seiten der EU für den agrarwirtschaftlichen Sektor überhaupt zu rechtfertigen ist. Dabei sollte deutlich werden, dass aus fiskalföderalistischer Sicht in vielen Tätigkeitsbereichen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) einer dezentralen, nationalstaatlichen Organisation durchaus der Vorzug zu geben wäre.
Ein Verständnis der dargelegten Analyse wird allerdings nur dann möglich sein, wenn die grundlegenden Strukturen und Aufgabenbereiche der GAP bekannt sind. Aus diesem Grunde werde ich im ersten Teil der Arbeit zunächst einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung und Bedeutung der GAP liefern. Der Schwerpunkt dieses Abschnitts wird auf einer Darstellung der wichtigsten Ziele der GAP und der zu ihrer Erreichung zur Verfügung stehenden fiskalpolitischen Instrumente liegen.
Ziel des zweiten Teils der Arbeit ist es, die derzeitige Finanzierungssituation des EU – Agrarhaushalts kritisch zu beleuchten. Neben der bereits angesprochenen fiskalföderalistischen Analyse, soll dieser Abschnitt insbesondere auch einen Überblick über die aktuellen Ausgaben im Rahmen der europäischen Agrarpolitik liefern.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Geschichte und Entwicklung der GAP
- Die Ziele der GAP
- Die Instrumente der GAP
- Reformen seit 1992
- Der aktuelle Agrarhaushalt
- Die GAP aus fiskalföderalistischer Sicht
- Das Problem der Heterogenität der Landwirtschaft innerhalb der Europäischen Union
- Der Europäische Garantiefonds für die Landwirtschaft (EGFL)
- Marktordnungsausgaben
- Direktzahlungen, Zahlungsansprüche (= Betriebsprämien) und Flächenzahlungen
- Der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER)
- Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Seminararbeit analysiert die Ausgaben der Europäischen Union im Rahmen der aktuellen Agrarpolitik unter fiskalföderalistischen Gesichtspunkten. Ziel ist es, die Rechtfertigung einer zentralen Entscheidungs- und Finanzierungsbefugnis der EU für den Agrarsektor zu hinterfragen und die Vorteile einer dezentralen, nationalstaatlichen Organisation in der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) aufzuzeigen.
- Entwicklung und Bedeutung der GAP
- Ziele der GAP und die fiskalpolitischen Instrumente
- Kritische Betrachtung der Finanzierung des EU-Agrarhaushalts
- Analyse der GAP aus fiskalföderalistischer Sicht
- Heterogenität der Landwirtschaft in der EU
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung gibt einen Überblick über den Hintergrund und die Bedeutung der EU-Agrarpolitik. Sie beleuchtet die rasante Entwicklung des EU-Gesamthaushalts und den hohen Anteil der Agrarausgaben.
Kapitel 2 befasst sich mit der Geschichte und Entwicklung der GAP. Es werden die Ziele der GAP, die zur Verfügung stehenden Instrumente und die wichtigsten Reformen der Vergangenheit dargestellt.
Kapitel 3 analysiert die aktuelle Finanzierungssituation des EU-Agrarhaushalts, beleuchtet die fiskalföderalistischen Aspekte und gibt einen Überblick über die aktuellen Ausgaben der europäischen Agrarpolitik.
Schlüsselwörter
Europäische Union, Gemeinsame Agrarpolitik (GAP), Agrarpolitik, Fiskalföderalismus, Heterogenität, Landwirtschaft, EGFL, ELER, Finanzierung, Ausgaben, Direktzahlungen, Flächenzahlungen, Marktordnungsausgaben, EU-Agrarhaushalt, Agrarmärkte.
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch sind die Agrarausgaben der EU?
Agrarausgaben machen etwa 42 Prozent des EU-Haushalts aus, was im Jahr 2010 rund 59,5 Milliarden Euro entsprach.
Was sind die Ziele der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP)?
Die GAP zielt auf die Sicherung der Versorgung, stabile Märkte und die Förderung der ländlichen Entwicklung ab.
Was ist der Unterschied zwischen EGFL und ELER?
Der EGFL finanziert primär Marktordnungen und Direktzahlungen, während der ELER für die Entwicklung des ländlichen Raums zuständig ist.
Warum wird die GAP aus fiskalföderalistischer Sicht kritisiert?
Kritiker argumentieren, dass aufgrund der Heterogenität der Landwirtschaft in der EU eine dezentrale, nationalstaatliche Organisation oft effizienter wäre.
Was sind Betriebsprämien in der EU-Landwirtschaft?
Betriebsprämien sind Direktzahlungen an Landwirte, die als Zahlungsansprüche pro Fläche gewährt werden und einen Großteil der Agrarförderung ausmachen.
- Quote paper
- Norbert Lagrain (Author), 2010, EU – Ausgaben im Rahmen der aktuellen Agrarpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156768