„Bankerte“, „Bastarde“, oder „mit defectus natalium Behaftete“, sind einige der Bezeichnungen, die für die illegitim Geborenen in der Vormoderne geläufig waren. Dieser offensichtlichen Ausgrenzung der Unehelichen wurde erst in der Gegenwart mit der Verabschiedung des Nichtehelichengesetzes vom 19.8.1969, das die Gleichstellung der unehelichen und ehelichen Kinder regelte, ein Ende gesetzt.
Die Illegitimität als Thema fand allerdings in der Geschichtsschreibung und in der Forschung lange Zeit wenig Beachtung, was zur Folge hatte, dass sie weitgehend ein unerforschtes Gebiet geblieben ist. In historischer Hinsicht ist sie jedoch ein weit gefächertes Thema und kann aus verschiedenen Perspektiven aufgerollt werden – in ihrem theoretisch-rechtlichen Rahmen als Entwicklungsprozess in der Geschichte, aber auch als soziales Phänomen, das in allen gesellschaftlichen Schichten Verbreitung fand. Der Aspekt Illegitimität innerhalb einer sozialen Gruppe könnte allerdings ein weiteres Thema für die historische Untersuchung darstellen.
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich ausschließlich mit einer bestimmten Personengruppe, nämlich mit den illegitimen Fürstenkindern in den europäischen Dynastien der Frühen Neuzeit, wobei als Beispiel einer der unehelichen Söhne Augusts des Starken, Moritz von Sachsen (1696-1750), dienen soll. Für diesen Zweck wird zunächst das Wort Illegitimität als Oberbegriff der Unehelichkeit erklärt und in ihrem Forschungsrahmen dargestellt. In einem nächsten Schritt werden die adligen Bastarde historisch und kulturell als „Mischlingsfiguren“ spezifiziert. Des Weiteren werden nach einer kurzen biographischen Darstellung von Moritz von Sachsen die zentralen Fragen dieser Untersuchung dargelegt, nämlich die Stellung innerhalb der Dynastie und der soziale Status am Hof der illegitimen Adligen im Allgemeinen und in Bezug auf Moritz von Sachsen, sowie die Legitimation und ihre Folgen und Auswirkungen auf sein Leben und gesellschaftliche Stellung. Ein weiteres wichtiges Thema dieser Arbeit betrifft die Einsatzbereiche und die Aufstiegchancen, die Moritz als legitimierter Fürstensohn hatte, sowie die Frage, inwieweit er diese nutzen konnte, um seine politischen Ambitionen zu verwirklichen. Schließlich wird anhand einer zeitgenossischen Quelle der Frage nachgegangen, wie ein Mann wie Moritz von Sachsen – von vornehmer, aber dennoch illegitimer Herkunft, von seiner Mitwelt tradiert und rezipiert wurde.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- I. Illegitimität als Begriff und in der Forschung
- II. „Bastarde“ als Chiffre für Illegitimität und Hybridität
- III. Moritz von Sachsen – königlicher Bastard und Militärgenie
- 3.1. Biographische Daten
- 3.2. Stellung innerhalb der Dynastie und sozialer Status am Hof
- 3.2.1. Illegitime als „soziales Phänomen zur höfischen Welt“
- 3.2.2. Sozialer Status des jungen Moritz vor und nach seiner Legitimierung
- 3.2.3. Stellung an dem sächsisch-polnischen und dem französischen Hof
- 3.3. Einsatzbereiche und Aufstiegchancen
- 3.4. Politische Bestrebungen – der Traum um Thron und Krone
- VI. Zeitgenössische Rezeption
- I. Quellen
- II. Literatur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit befasst sich mit der Thematik der illegitimen Fürstenkinder in den europäischen Dynastien der Frühen Neuzeit und verwendet Moritz von Sachsen (1696-1750), einen unehelichen Sohn Augusts des Starken, als Beispiel. Die Arbeit zielt darauf ab, die Bedeutung des Begriffs "Illegitimität" zu untersuchen, die soziale Stellung von unehelichen Kindern innerhalb der Dynastien zu beleuchten und Moritz' Aufstieg und politische Ambitionen im Kontext seiner Herkunft zu analysieren.
- Der Begriff "Illegitimität" und seine historische Entwicklung
- Die soziale Stellung und Behandlung von "Bastarden" innerhalb der höfischen Welt
- Die Legitimation von Moritz von Sachsen und ihre Auswirkungen auf sein Leben
- Die Einsatzbereiche und Aufstiegchancen für illegitime Fürstenkinder
- Die zeitgenössische Rezeption von Moritz von Sachsen
Zusammenfassung der Kapitel
- Die Einleitung stellt die Thematik der Illegitimität in der Vormoderne vor und führt den Fokus auf uneheliche Fürstenkinder und Moritz von Sachsen als Beispiel ein.
- Kapitel I definiert den Begriff "Illegitimität" im historischen Kontext und diskutiert den Forschungsstand zur Thematik, wobei die Diskriminierungsthese und ihre Kritik beleuchtet werden.
- Kapitel II untersucht die historische und kulturelle Bedeutung des Begriffs "Bastard" und betrachtet die Rolle dieser "Mischlingsfiguren" in der Gesellschaft.
- Kapitel III stellt Moritz von Sachsen kurz vor und analysiert seine Stellung innerhalb der sächsischen Dynastie und seinen sozialen Status am Hof, mit einem Blick auf die Legitimation und ihre Folgen.
- Kapitel IV befasst sich mit den Einsatzbereichen und Aufstiegchancen, die Moritz als legitimierter Fürstensohn hatte, und untersucht seine politischen Ambitionen.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Schlüsselbegriffen Illegitimität, Bastarde, Dynastie, Frühe Neuzeit, Moritz von Sachsen, Legitimation, Sozialer Status, Hofgesellschaft, Aufstiegchancen, Politische Ambitionen. Sie untersucht die historische und gesellschaftliche Bedeutung der unehelichen Geburt in der europäischen Dynastiegeschichte und analysiert die Rolle und den Aufstieg von Moritz von Sachsen im Kontext seiner Herkunft.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Moritz von Sachsen?
Moritz von Sachsen (1696-1750) war ein illegitimer Sohn Augusts des Starken, der als bedeutender Feldherr und Militärstratege in französische Dienste trat.
Welchen Status hatten illegitime Fürstenkinder in der Frühen Neuzeit?
Sie wurden oft als "Bastarde" bezeichnet und rechtlich ausgegrenzt. Dennoch genossen sie am Hof oft eine privilegierte Erziehung und konnten durch Legitimation hohe Ämter erreichen.
Was bedeutete die Legitimation für Moritz von Sachsen?
Durch die offizielle Anerkennung durch seinen Vater verbesserten sich sein sozialer Status und seine Aufstiegschancen erheblich, was ihm eine glanzvolle militärische Karriere ermöglichte.
Konnte ein illegitimer Sohn den Thron erben?
In der Regel waren Bastarde von der Thronfolge ausgeschlossen. Moritz von Sachsen hegte jedoch zeitweise politische Ambitionen auf die Krone von Kurland.
Wann wurden uneheliche Kinder in Deutschland rechtlich gleichgestellt?
Erst mit dem Nichtehelichengesetz vom 19. August 1969 wurde die rechtliche Diskriminierung von unehelich Geborenen in Deutschland weitgehend beendet.
- Quote paper
- Valentina Slaveva (Author), 2010, Illegitime Fürstenkinder in den europäischen Dynastien der frühen Neuzeit am Beispiel von Moritz von Sachsen (1696-1750), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156198