Die Weimarer Republik wird oftmals auch als 'die gescheiterte Republik' bezeichnet und als Inbegriff verwendet für die Kapitulation der Demokratie vor konservativen und radikalen Kräften.
Der Verlust internationaler Macht, die strikten Bestimmungen politischer, militärischer und wirtschaftlicher Art des Versailler Vertrages und die gefühlte Demütigung der nationalistisch sozialisierten Bevölkerung bestimmten die Wiedererlangung internationaler Bedeutung und damit die Revision der Versailler Bestimmungen als einen sehr wichtigen Bereich der politischen Bemühungen. Dabei gelang der Republik zurückblickend ein bemerkenswerter Aufstieg über eine Vielzahl einzelner Etappen der Außenpolitik. Die Frage der internationalen Orientierung und der außenpolitischen Ausrichtung bestimmte dabei die außenpolitische Strategie maßgeblich; der Ausgleich, aber auch Schwerpunktverlagerungen zwischen den Westmächten in Form von Frankreich und Großbritannien auf der einen und der jungen Sowjetunion auf der anderen Seite beeinflussten die diplomatischen Bemühungen und Beziehungen.
Der Bedeutung dieser Spannungen zwischen West und Ost soll die vorliegende Arbeit nachgehen. Dabei wird die Frage nach der Bedeutung der Verträge von Locarno im Jahr 1925 in Bezug auf den politischen Ausgleich mit den westlichen Mächten und in den
Auswirkungen auf die Außenpolitik gegenüber den östlichen Nachbarn und insbesondere gegenüber der Sowjetunion im Zentrum der Betrachtung stehen. Es soll der Frage nachgegangen werden, ob die außenpolitischen Erfolge gegenüber den Westmächten eine Akzentverlagerung der deutschen Außenpolitik zu Ungunsten der Sowjetunion zur Folge hatte und welche Bedeutung dieser in den diplomatischen Strategien der Weimarer Republik nach Locarno beigemessen wurde.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die außenpolitische Rahmenlage und Vorbedingungen für Locarno
- Der Versailler Vertrag 1919
- Der Vertrag von Rapallo 1922
- Der Dawes-Plan 1924
- Die Verträge von Locarno
- Die Genese der Verträge
- Erwartungen und Ergebnisse aus deutscher Sicht
- Fazit: Locarno als Abkehr von Rapallo?
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Verträge von Locarno (1925) für die Außenpolitik der Weimarer Republik. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob die außenpolitischen Erfolge gegenüber den Westmächten eine Akzentverlagerung der deutschen Außenpolitik zu Ungunsten der Sowjetunion zur Folge hatte. Der Fokus liegt auf der Analyse der deutschen Außenpolitik im Kontext der Versailler Bestimmungen, dem Vertrag von Rapallo und dem Dawes-Plan.
- Die außenpolitische Situation der Weimarer Republik im Kontext des Versailler Vertrags
- Die Bedeutung der deutsch-sowjetischen Beziehungen im Vertrag von Rapallo
- Der Dawes-Plan als Vorbedingung für Locarno
- Die Genese und der Inhalt der Verträge von Locarno
- Die Auswirkungen von Locarno auf die deutsche Ostpolitik
Zusammenfassung der Kapitel
- Einleitung: Diese Einleitung stellt die Weimarer Republik im Kontext der 'Dolchstoß-Legende' und der innen- und außenpolitischen Herausforderungen vor, denen sie begegnete. Sie beleuchtet die Bedeutung der Wiedererlangung internationaler Bedeutung und der Revision der Versailler Bestimmungen sowie die Frage der internationalen Orientierung der Weimarer Republik zwischen Westmächten und Sowjetunion.
- Die außenpolitische Rahmenlage und Vorbedingungen für Locarno: Dieses Kapitel schildert die Situation der Weimarer Republik mit Kriegsende und die Position gegenüber den Siegerstaaten vor dem Hintergrund der Friedenskonferenz von Paris 1919 und dem Versailler Vertrag. Es befasst sich zudem mit dem Vertrag von Rapallo (1922) und dem Dawes-Plan (1924) als bedeutenden Stationen auf dem Weg nach Locarno.
- Die Verträge von Locarno: Dieses Kapitel analysiert die Genese der Verträge von Locarno (1925), ihren Inhalt und die daraus resultierenden Folgen für die deutsche Ostpolitik.
Schlüsselwörter
Die wichtigsten Schlüsselwörter der Arbeit sind: Weimarer Republik, Außenpolitik, Locarno-Verträge, Versailler Vertrag, Rapallo-Vertrag, Dawes-Plan, Deutschland, Sowjetunion, Westmächte, Revision, Ostpolitik, internationale Orientierung, Spannungsfeld.
Häufig gestellte Fragen
Was war das Ziel der Verträge von Locarno (1925)?
Ziel war die Normalisierung der Beziehungen zwischen Deutschland und den Westmächten (besonders Frankreich) sowie die Sicherung des Friedens in Westeuropa durch die Anerkennung der Grenzen.
Führte Locarno zu einer Abkehr vom Vertrag von Rapallo?
Die Arbeit untersucht, ob die Annäherung an den Westen eine Akzentverlagerung zu Ungunsten der Sowjetunion bedeutete, da Rapallo zuvor die enge deutsch-sowjetische Zusammenarbeit besiegelt hatte.
Welche Rolle spielte der Versailler Vertrag für die Außenpolitik?
Die Revision der als demütigend empfundenen Bestimmungen des Versailler Vertrags war das Hauptziel fast aller außenpolitischen Bemühungen der Weimarer Republik.
Was war der Dawes-Plan und warum war er wichtig für Locarno?
Der Dawes-Plan von 1924 regelte die Reparationszahlungen neu und stabilisierte die deutsche Wirtschaft, was eine notwendige Vorbedingung für die diplomatischen Erfolge in Locarno war.
Wie reagierte die Sowjetunion auf die Verträge von Locarno?
Die Sowjetunion sah in Locarno eine mögliche Isolierung und eine Westorientierung Deutschlands, was die deutsch-sowjetischen Beziehungen vor neue diplomatische Herausforderungen stellte.
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- Enrico Harling (Author), 2009, Go West? Die Bedeutung der Verträge von Locarno für die Außenpolitik der Weimarer Republik gegenüber den Westmächten und der Sowjetunion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/156046