In einem Kommentar zu seinem Werk, bezeichnet Stevenson „The Strange Case of Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ als gelungene „bogey story“. Auch wenn er damit wohl recht behält, so vermag diese Erklärung alleine nicht ausreichen um den weltweiten Erfolg der Geschichte zu erklären. Die anhaltende Beliebtheit der fesselnden Novelle, die in immer neue Versionen und Varianten mündet, lässt solch eine simple Rechtfer-tigung nicht zu. Und so liegt die Vermutung nahe, dass die Geschichte mehr als eine zweckorientierte Genreproduktion ist. Deshalb existieren bereits eine Reihe von Interpretationsansätzen, die der Geschichte eine tiefere Deutung nahe legen. Vladimir Nabokov beispielsweise, verweist auf die Möglichkeit einer unterdrückten Homose-xualität – eine Lesart die bei vielen Kritikern Anklang fand und weiter untersucht wurde. Den meisten Deutungsmustern ist jedoch gemein, dass es sich um den Gegen-satz zweier Pole handelt. Henry Jekyll eine positive, kontrollierende Kraft und Mr. Hyde eine unterdrückte, und wie schon der Name vermuten lässt, versteckte negative Kraft.
In dieser Arbeit soll nun ein Interpretationsansatz entwickelt werden, welcher ein, die schon existierenden Deutungen übergreifendes Verständnis ermöglicht, und so ver-sucht den Gegensatz in seiner Ursprünglichkeit zu erfassen. Die Prämisse einer sol-chen Untersuchung ist die Annahme, dass es sich hier um einen Gegensatz von all-gemeiner Gültigkeit handelt. Entsprechend muss sich in diesem Fall ein kulturphilo-sophisches Weltbild äußern, welches der Geschichte unterliegt.
Aus diesem Grund möchte ich zunächst einige Thesen und Gedanken aus Nietzsches Geburt der Tragödie, sowie Bachtins Schrift „Der groteske Leib“ ausführen. Eben-falls von Bedeutung erscheint mir der historische Kontext der Novelle, weshalb ich auch diesen kurz erläutern werde. Auf diese Art soll nun solch ein kongruentes „Weltbild“ entstehen, welches in der darauf folgenden Analyse der Novelle inhaltlich und erzähltheoretisch bestätigt wird.
Ziel ist zu zeigen, dass der Mensch, gleich der Erkenntnis Jekylls, „not truly one, but truly two“ ist
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Theorie
- Nietzsche
- Bachtin
- Die Viktorianische Epoche
- Analyse
- Inhalt
- Figuren
- Erzählstruktur
- Konklusion / Interpretation
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit zielt darauf ab, eine Interpretation von Robert Louis Stevensons "The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde" zu entwickeln, welche die bestehenden Interpretationsansätze übergreift und den Gegensatz von Jekyll und Hyde in seiner Ursprünglichkeit erfasst. Die Arbeit untersucht, wie diese Dualität als ein Ausdruck eines kulturphilosophischen Weltbildes verstanden werden kann.
- Die Dualität von Apollinischem und Dionysischem nach Nietzsche
- Der groteske Leib nach Bachtin
- Der historische Kontext der Viktorianischen Epoche
- Die Analyse der Erzählstruktur und des Inhalts von "The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde"
- Die Frage der menschlichen Natur und die Unmöglichkeit einer vollständigen Einheit
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema ein und beleuchtet die bestehende Interpretationslandschaft von "The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde". Die Arbeit stellt die Hypothese auf, dass die Geschichte eine tiefere Bedeutung hat, die über eine simple "bogey story" hinausgeht.
Das Kapitel "Theorie" präsentiert zentrale Thesen von Friedrich Nietzsche und Michail Bachtin, die als theoretische Grundlage für die Interpretation der Novelle dienen. Nietzsche's Theorie der "Duplizität des Apollinischen und des Dionysischen" wird beleuchtet und im Hinblick auf die menschliche Existenz und die Kunst interpretiert. Bachtin's Schrift "Die Groteske Gestalt des Leibes" wird vorgestellt und in Bezug auf die körperliche Einheit und das Verhältnis zur Umwelt betrachtet.
Das Kapitel "Analyse" analysiert die Novelle von "The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde" in Bezug auf Inhalt, Figuren und Erzählstruktur. Der Fokus liegt auf der Darstellung des Gegensatzes zwischen Jekyll und Hyde und dessen Bedeutung für die Interpretation der Geschichte.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Themen der Dualität, des Apollinischen und des Dionysischen, dem grotesken Leib, dem kulturphilosophischen Kontext, der Viktorianischen Epoche, "The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde", Robert Louis Stevenson und der menschlichen Natur. Sie untersucht die Bedeutung der Gegenüberstellung von Jekyll und Hyde als Ausdruck eines tieferen, universalen Gegensatzes.
- Citar trabajo
- Matthias Stoltz (Autor), 2010, Dr. Jekyll and Mr. Hyde - Der Getriebene Mensch zwischen Apollon und Dionysos, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155908