Menschen haben verschiedene Meinungen zum Thema Gruppenarbeit und kollektiver Ideengenerierung. Eine alte Volksweisheit besagt „Zwei Köpfe sind besser als einer“. Dahinter steht die Meinung, dass sich Menschen in interagierenden Gruppen gegenseitig geistig, also kognitiv, stimulieren und somit kreativere Ideen als Einzelpersonen hervorbringen.
Andere Positionen beziehen sich darauf, dass soziale Einflüsse die Zusammenarbeit und somit auch die effektive Hervorbringung von Ideen in Gruppen behindern. Der US Amerikanische Pädagoge und Historiker Whitney Griswold (1906-1963) drückte es
seinerzeit folgendermaßen aus: „Could Hamlet have been written by committee, or the Mona Lisa painted by a club? Could the New Testament have been composed as a conference report? Creative ideas don’t spring from groups. They spring from individuals.” (zit. nach Nijstad, 2000, S. 1)
Oder wiederum mit anderen, „volksweisheitlichen“ Worten: „Viele Köche verderbenden Brei.“
Trotzdem bleibt die Arbeit in Gruppen ein wesentlicher Aspekt im Umfeld eines Individuums und tritt in alltäglichen Situationen und Schauplätzen, wie in der Schule, am Arbeitsplatz oder in der Politik immer wieder auf. Eine häufig verbreitete und sehr populäre Art der gemeinsamen Ideenfindung ist das sogenannte Brainstorming, welches von Alex F. Osborn (1953, 1957), dem Leiter einer Werbeagentur, entwickelt wurde. Der Begriff „Brainstorming“ entsprang dabei dem Gedanken „using the brain to storm a problem“ (Osborn, 1957, S. 80). Zu Deutsch: „Das Gehirn zum Sturm auf ein Problem verwenden.“.
Letztendlich steht die Frage im Raum: „Ist das gemeinschaftliche Sammeln von Ideen tatsächlich förderlich für die Quantität und die Qualität der Einfälle und welche Probleme können während dem Brainstorming auftreten?“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Brainstorming-Methode von Alex F. Osborn
3. Empirische Untersuchungen zur Effektivität von Brainstorming
3.1 Nominale versus interaktive Brainstorming-Gruppen
3.2 Produktivitätsverluste bei interaktiven Brainstorming-Gruppen
3.2.1 Ursachen
3.2.2 Die vier Experimente von Diehl und Stroebe (1986)
4. Fazit und Ausblick für die Praxis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Effektivität von Brainstorming-Gruppen im Vergleich zu nominalen Gruppen und analysiert die Ursachen für auftretende Produktivitätsverluste bei der gemeinsamen Ideengenerierung.
- Vergleich zwischen nominalen und interaktiven Brainstorming-Gruppen
- Analyse der Ursachen für Produktivitätsverluste (Produktionsblockierung, Bewertungserwartung, Trittbrettfahren)
- Empirische Überprüfung der Effektivität anhand der Studien von Diehl und Stroebe
- Evaluierung der Leistungsfähigkeit von Gruppen in Abhängigkeit von Gruppengröße und Rahmenbedingungen
- Ableitung von Handlungsempfehlungen für die praktische Anwendung der Ideengenerierung
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Ursachen
Produktionsblockierung: Bereits Lamm und Trommsdorff (1973) führten in ihren Studien den Begriff der Produktionsblockierung an. Dieser beschreibt einen Koordinationsverlust innerhalb von interagierenden Brainstorming-Gruppen, welcher dazu führt, dass die Mitglieder in ihrer freien Ideenäußerung gebremst werden.
Aufgrund des Umstandes, dass es immer nur einem Mitglied gestattet ist zu sprechen und somit Ideen zu äußern, besteht die Gefahr, dass andere Mitglieder in der Zwischenzeit ihre eigenen Ideen vergessen oder sogar an der Entwicklung weiterer Ideen gehindert werden.
Im Bezug auf die Produktionsblockierung verglichen Bouchard und Hare (1970, zit. nach Diehl & Stroebe, 1986, S. 2) zudem die Leistungsfähigkeit von fünf-, sieben- und neun-köpfigen Gruppen mit der von nominalen Gruppen und fanden heraus, dass diese kontinuierlich mit der Gruppengröße abnahm.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die kontroversen Ansichten zur Effektivität von Gruppenarbeit und stellt die Kernfrage nach der tatsächlichen Leistungsfähigkeit von Brainstorming-Gruppen.
2. Die Brainstorming-Methode von Alex F. Osborn: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der Brainstorming-Methode, ihre drei Phasen sowie die grundlegenden Regeln zur Maximierung der Einfallsproduktion.
3. Empirische Untersuchungen zur Effektivität von Brainstorming: Hier werden wissenschaftliche Studien vorgestellt, die belegen, dass nominale Gruppen interaktiven Gruppen bei der Ideengenerierung qualitativ und quantitativ überlegen sind.
4. Fazit und Ausblick für die Praxis: Das Fazit fasst zusammen, dass die Produktionsblockierung der Hauptgrund für Leistungsverluste ist und empfiehlt alternative Techniken wie Brainwriting oder Paararbeit.
Schlüsselwörter
Brainstorming, Gruppenarbeit, Ideengenerierung, Produktionsblockierung, Bewertungserwartung, Trittbrettfahren, nominale Gruppen, interaktive Gruppen, Kreativität, Leistungsminderung, Koordinationsverlust, Gruppeneffektivität, Ideenfindung, Brainwriting, kognitive Stimulation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Effektivität der Brainstorming-Methode und vergleicht dabei die Leistung von interagierenden Gruppen mit der von Einzelpersonen, die ihre Ideen nominal zusammenführen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Produktivitätsdefizite bei der Gruppenarbeit, spezifische psychologische Störfaktoren wie die Produktionsblockierung sowie die empirische Validierung durch klassische psychologische Studien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem theoretischen Anspruch des Brainstormings („Quantität erzeugt Qualität“) und den tatsächlichen empirischen Ergebnissen aufzuzeigen und zu erklären.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die detaillierte Auswertung und Zusammenfassung empirischer Experimente, insbesondere der Studien von Diehl und Stroebe aus dem Jahr 1986.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der methodischen Struktur des Brainstormings, dem Vergleich zwischen nominalen und interaktiven Gruppen sowie der fundierten Analyse der Faktoren Produktionsblockierung, Bewertungserwartung und Trittbrettfahren.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Brainstorming, Produktionsblockierung, nominale Gruppen und Gruppeneffektivität charakterisiert.
Warum schneiden echte Brainstorming-Gruppen oft schlechter ab als Einzelpersonen?
Hauptursache ist die Produktionsblockierung: Da immer nur ein Mitglied sprechen kann, verlieren andere Mitglieder ihre Ideen, während sie darauf warten, an der Reihe zu sein, oder sie werden in ihrem kognitiven Prozess gehemmt.
Ist das "Trittbrettfahren" der Hauptgrund für die Leistungsverluste?
Nein, laut den Studien von Diehl und Stroebe hat das Phänomen des Trittbrettfahrens nur einen geringen Einfluss; die Produktionsblockierung spielt die deutlich dominantere Rolle bei der Minderung der Gruppenleistung.
Was ist der wichtigste Tipp für die Praxis?
Um die Produktivität zu erhöhen, empfiehlt die Arbeit, Brainstorming in der Gruppe zu reduzieren und stattdessen in Paaren zu arbeiten oder Techniken wie Brainwriting anzuwenden, um die Produktionsblockierung zu minimieren.
- Quote paper
- Bianca Alle (Author), 2009, Effektivität von Brainstorming-Gruppen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153171