In Südostasien schlossen sich bereits 1967 einige Staaten zur Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) zusammen. So wurde der südostasiatische Raum vom Regionalismus der Zeit erfasst.
Ein loser Staatenbund, dessen Entwicklung im ursprünglichen Sinne sicherlich nicht auf die ökonomische Zusammenarbeit ausgerichtet war, aber spätestens nach Ende des Kalten Kriegs und der wachsenden Interdependenz der Märkte sich doch genau in diese Richtung verstärkt vollzog. Aufgrund der starken kulturellen, religiösen und wertemäßigen Heterogenität und dem Fehlen eines Bewusstseins einer gemeinsamen Geschichte der Staaten in Südostasien, trat echte Kooperation, wie sie aus Europa bekannt ist, nur sehr schleppend und erst sehr spät zu Tage. Die genannte Entwicklung gipfelte 1992 in der Gründung der ASEAN Free Trade Area (AFTA). Diese stellte alle bisherigen Versuche ökonomischer Integration in Südostasien in den Schatten.
Bei allen Entwicklungen und Abschlüssen wurden aber die souveränitätswahrenden Prinzipien des „ASEAN Way“ von Verhandlungen und Entscheidungen immer stark betont.
Diese Arbeit soll nun die integrationstheoretischen Ursachen der Gründung und Entwicklungen der AFTA analysieren. Um dies zu erreichen, werde ich zunächst einen kurzen Rückgriff auf den Intergouvernementalismus vollziehen der für die Erklärung von staatlichen Handlungsweisen wichtig ist, um daraufhin die Überlegungen der polit-ökonomischen Ansätze darzulegen. In einem weiteren Abschnitt soll dann anhand dieser Ansätze eine theoriegeleitete Analyse der AFTA vollzogen werden, in der ich die genannten Faktoren am Beispiel herauszuarbeiten versuche.
Meine Arbeitshypothese ist dabei, dass die institutionell sehr schwach ausgestattete AFTA, sehr stark durch ökonomische Zwänge, nicht zuletzt die der Auswirkungen der Asienkrise, globale Interdependenzen und durch die Bedenken, von anderen Wirtschaften oder Wirtschaftsblöcken abgehängt zu werden, geprägt ist. Durch die meist schwach ausgeprägten Möglichkeiten nationaler Eliten oder Lobbygruppen, Einfluss zu nehmen, und in einigen Ländern noch immer vorherrschenden semi-demokratischen oder autoritären Strukturen, ist die Einführung, Gestaltung und Durchsetzung der AFTA allerdings ausschließlich von den Regierungen und Staatsspitzen geprägt. Daher ist meine These weiterhin, dass der Intergouvernementalismus als Transmissionsriemen dient, um die Koordination staatlicher Interessen im ökonomischen Sektor zu erklären.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Theoretische Analyseebene: Polit-ökonomische und intergouvernementale Überlegungen
- Die Wirtschaft als Triebkraft: Der polit-ökonomische Ansatz
- Intergouvernementale Argumente
- Theoriegeleitete Analyse: Wirtschaftsintegration in der AFTA
- Starke Potenziale im südostasiatischen Wirtschaftsraum
- Das Primat der Regierungen und Staatsspitzen
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit analysiert die integrationstheoretischen Ursachen der Gründung und Entwicklungen der ASEAN Free Trade Area (AFTA). Die Arbeit beleuchtet die Bedeutung des polit-ökonomischen Ansatzes und des Intergouvernementalismus für das Verständnis der ökonomischen Integration in Südostasien.
- Die Rolle der Wirtschaft als Triebkraft der regionalen Integration
- Die Bedeutung von Intergouvernementalen Beziehungen für die Gestaltung der AFTA
- Die Analyse der Wirtschaftsintegration in der AFTA im Kontext des polit-ökonomischen Ansatzes
- Der Einfluss der Asienkrise und globaler Interdependenzen auf die AFTA
- Die dominierende Rolle von Regierungen und Staatsspitzen bei der Gestaltung und Umsetzung der AFTA
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema ein und skizziert den historischen Kontext der Gründung der AFTA. Die Arbeit setzt sich mit dem polit-ökonomischen Ansatz auseinander, der die Bedeutung der Wirtschaft als Triebkraft für die regionale Integration betont. Des Weiteren werden die Argumente des Intergouvernementalismus beleuchtet, welche die Bedeutung staatlicher Interessen und Beziehungen im Integrationsprozess hervorheben.
Im Anschluss wird anhand dieser theoretischen Ansätze eine Analyse der AFTA durchgeführt. Dabei werden die starken Potenziale des südostasiatischen Wirtschaftsraums sowie die dominierende Rolle von Regierungen und Staatsspitzen in der AFTA-Entwicklung untersucht.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Themen Regionalismus, Wirtschaftsintegration, AFTA, ASEAN, polit-ökonomischer Ansatz, Intergouvernementalismus, Asienkrise, globale Interdependenzen, staatliche Interessen, Regierungen und Staatsspitzen.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die AFTA und wann wurde sie gegründet?
Die ASEAN Free Trade Area (AFTA) wurde 1992 gegründet. Sie ist ein Abkommen der ASEAN-Staaten zur Förderung der wirtschaftlichen Integration und des Freihandels in Südostasien.
Welche Rolle spielt der Intergouvernementalismus für die AFTA?
Der Intergouvernementalismus erklärt die AFTA als ein Projekt, das stark von den Interessen und Entscheidungen der nationalen Regierungen und Staatsspitzen geprägt ist, anstatt von supranationalen Institutionen.
Was versteht man unter dem „ASEAN Way“?
Der „ASEAN Way“ bezeichnet einen Verhandlungsstil, der auf Konsensbildung, Nicht-Einmischung in innerstaatliche Angelegenheiten und der Wahrung der nationalen Souveränität basiert.
Wie beeinflusste die Asienkrise die Entwicklung der AFTA?
Die Asienkrise erzeugte ökonomische Zwänge, die die ASEAN-Staaten dazu drängten, ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit zu vertiefen, um global wettbewerbsfähig zu bleiben und nicht von anderen Wirtschaftsblöcken abgehängt zu werden.
Warum verlief die Integration in Südostasien langsamer als in Europa?
Gründe hierfür sind die starke kulturelle, religiöse und politische Heterogenität der Region sowie das Fehlen einer gemeinsamen historischen Identität, wie sie in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg existierte.
- Arbeit zitieren
- Michael Meyer (Autor:in), 2007, Die Einrichtung der ASEAN Free Trade Area, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153120