Ein limitierender Faktor für das Wirtschaftswachstum ist eine mangelhafte Energieversorgung. In Indien steigt das Energiedefizit seit den 1980er Jahren stetig an, da die Entwicklung der Energienachfrage noch nicht von der Wirtschaftsentwicklung des Landes abgekoppelt ist. Hierfür wird im Rahmen dieser Arbeit zunächst das Konzept der Entkopplung und ihre Bedeutung für die beiden Größen Primärenergiebedarf und Wirtschaftswachstum erläutert. Es folgt die Darstellung der indischen Energiewirtschaft mit ihren Spezifika und Problemstellungen, begünstigenden Ursachen für eine bisherige Kopplung sowie das Aufzeigen der Notwendigkeit, die Entwicklung der Energienachfrage von der Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes abzukoppeln. Besonders vor dem Hintergrund der aufgezeigten sehr unterschiedlichen in der Literatur zu findenden Entwicklungsmöglichkeiten für den Energiebedarf und -mix soll dies dazu dienen, den zahlreichen divergierenden Herausforderungen zu begegnen. Diese äußern sich in einer ineffizienten Energieallokation mit hohen Verlusten und Umweltinanspruchnahmen in der gesamten Prozesskette von der Energiebereitstellung bis zu deren Verwendung. Die hohe energiepolitische Subventionierung des Agrarsektors verstärkt den Effekt und führt zu einer defizitären Finanzlage der Stromgesellschaften. Die Verwen-dung der nicht-kommerziellen Energieträger Holz, Dung und Agrarabfälle durch die ärmeren Bevölkerungsschichten ist ebenfalls sehr ineffizient.
Der zunehmenden Nutzung der indischen Kohle als gegenwärtigen und zukünftigen Hauptenergielieferant stehen zahlreiche infrastrukturelle Kapazitätsengpässe und ein zunehmend globales Umweltdenken entgegen. Ein Ausweich auf andere Energieträger ist mit zusätzlichen, teils erheblichen Problemen behaftet. Der hoffnungsträchtige Ausbau der Atomenergie ist neben umwelttechnischen Bedenken in seiner technologischen Entwicklung schwer planbar und daher ungewiss. Sinkende eigene Vorkommen an Erdgas und Erdöl lassen die Importabhängigkeit stetig steigen. Die damit verbundenen Probleme politischer Abhängigkeit und die schwer kalkulierbare, aber wachsende finanzielle Belastung durch die Importkosten können nur beschränkt gemildert werden. Es wird verdeutlicht, dass die Diversifikationsoptionen im Import von Erdöl und Erdgas durch die politische Instabilität in den Bezugs- bzw. Transitländern sehr eingeschränkt sind.Anschließend werden die zwei wesentlichen Optionen vorgestellt, um eine Entkopplung herbeizuführen.
Inhaltsverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- Symbolverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Die Entkopplungstheorie bezüglich Wirtschaftswachstum und Energiebedarf
- 2.1 Einführung in die Entkopplungstheorie
- 2.2 Entkopplung der Entwicklung von Bruttoinlandsprodukt und Primärenergiebedarf
- 3 Energiewirtschaft in Indien – Status quo und Perspektiven
- 3.1 Überblick über Indiens wirtschaftliche Entwicklung, Energiewirtschaft, Energiepolitik und ihre Reformen
- 3.1.1 Das Land Indien
- 3.1.2 Indiens wirtschaftliche Entwicklung
- 3.1.3 Indiens Energiewirtschaft
- 3.1.4 Indiens Energiepolitik und die Reformen des Energiesektors
- 3.2 Überblick über ausgewählte, zukünftig prognostizierte Energieträgermixe und Energiebedarfe
- 3.3 Überblick über die kommerziellen und nicht-kommerziellen Primärenergieträger im indischen Kontext
- 3.3.1 Kommerzielle Energieträger – Steinkohle und Braunkohle
- 3.3.2 Kommerzieller Energieträger – Erdgas
- 3.3.3 Kommerzieller Energieträger - Erdöl
- 3.3.4 Kommerzielle Energieträger – Atomenergieträger
- 3.3.5 Nicht-kommerzielle Energieträger
- 3.4 Zukünftige Versorgungssicherheit Indiens mit fossilen Primärenergieträgern
- 3.5 Zwischenfazit
- 4 Energiewirtschaft in Indien - Entkopplungsansätze im indischen Kontext
- 4.1 Verbesserung der Energieeffizienz
- 4.2 Nutzung der Erneuerbaren Energien
- 4.2.1 Wasserkraft
- 4.2.2 Solarenergie
- 4.2.3 Windkraft
- 4.2.4 Geothermie
- 5 Praktische Umsetzung der Entkopplungsansätze – Chancen und Risiken
- 5.1 Ausgewählte Chancen und Lösungen
- 5.1.1 Effizienzsteigerung durch Markt- und Verwaltungsreformen
- 5.1.2 Finanzierung von Effizienzmaßnahmen durch den Clean Development Mechanism
- 5.2 Ausgewählte Risiken und Probleme
- 5.2.1 Verbreitung von Kleinbiogasanlagen
- 5.2.2 Verbreitung effizienterer Kochöfen
- 5.2.3 Marktöffnung für effizienzsteigernde Privatinvestitionen
- 6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Master-Thesis befasst sich mit der Energiewirtschaft Indiens und den Herausforderungen, die mit der stetig wachsenden Energienachfrage verbunden sind. Die Arbeit untersucht das Konzept der Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Energiebedarf und analysiert die Möglichkeiten, diese Entkopplung in Indien zu erreichen.
- Die Bedeutung der Entkopplungstheorie für die indische Energiewirtschaft
- Die Herausforderungen der indischen Energiewirtschaft, wie z.B. die ineffiziente Energieallokation, die hohe Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und die unzureichende Infrastruktur
- Die Chancen und Risiken der Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Energiebedarf in Indien
- Die Rolle der Erneuerbaren Energien und der Energieeffizienzsteigerung bei der Entkopplung
- Die praktische Umsetzung von Entkopplungsstrategien in Indien
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Problemstellung der Arbeit vor und erläutert die Bedeutung der Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Energiebedarf. Das zweite Kapitel widmet sich der Entkopplungstheorie und analysiert die Zusammenhänge zwischen Wirtschaftswachstum und Energiebedarf. Das dritte Kapitel gibt einen Überblick über die indische Energiewirtschaft, ihre Herausforderungen und die verschiedenen Energieträger. Das vierte Kapitel untersucht die Möglichkeiten zur Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Energiebedarf in Indien, indem es die Verbesserung der Energieeffizienz und die Nutzung der Erneuerbaren Energien beleuchtet. Das fünfte Kapitel analysiert die Chancen und Risiken der praktischen Umsetzung von Entkopplungsstrategien in Indien. Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Die Arbeit konzentriert sich auf die Themen der Entkopplung, Energiewirtschaft, Energiebedarf, Energieeffizienz, Erneuerbare Energien, Indien, Wirtschaftswachstum, Energiepolitik, Ressourcenmanagement, Nachhaltigkeit und Entwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Warum ist die Energieversorgung ein limitierender Faktor für Indiens Wirtschaft?
Indiens Energienachfrage ist noch stark an das Wirtschaftswachstum gekoppelt. Ein Energiedefizit bremst daher direkt die wirtschaftliche Entwicklung des Landes.
Was bedeutet die „Entkopplung“ von Wirtschaftswachstum und Energiebedarf?
Entkopplung bedeutet, dass das Bruttoinlandsprodukt wächst, ohne dass der Primärenergiebedarf im gleichen Maße ansteigt, meist durch Effizienzsteigerungen oder Strukturwandel.
Welche Rolle spielt Kohle in der indischen Energiewirtschaft?
Kohle ist der gegenwärtige und zukünftige Hauptenergielieferant Indiens, steht jedoch vor Problemen wie Kapazitätsengpässen und globalen Umweltbedenken.
Welche erneuerbaren Energien werden in Indien gefördert?
Die Arbeit beleuchtet insbesondere den Ausbau von Wasserkraft, Solarenergie, Windkraft und Geothermie als Ansätze zur nachhaltigen Energieversorgung.
Was sind die größten Risiken für die indische Energieversorgung?
Dazu gehören die steigende Importabhängigkeit bei Öl und Gas, politische Instabilität in Transitländern sowie ineffiziente Energieallokation und hohe Subventionen im Agrarsektor.
Wie kann der Clean Development Mechanism (CDM) Indien helfen?
Der CDM bietet Möglichkeiten zur Finanzierung von Effizienzmaßnahmen und Projekten zur Nutzung erneuerbarer Energien durch internationale Zusammenarbeit.
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- Master of Science André Schröter (Author), 2010, Ein Überblick über die Energiewirtschaft Indiens und ihre Herausforderungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151475