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Die rhetorische Frage als indirekte Behauptung in der Bildzeitung

Eine sprechakttheoretische Untersuchung

Title: Die rhetorische Frage als indirekte Behauptung  in der Bildzeitung

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 34 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Andreas Kiepe (Author)

German Studies - Semiotics, Pragmatics, Semantics
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Die vorliegende Arbeit möchte das Phänomen der indirekten Behauptung durch die Form der rhetorischen Frage näher beleuchten. Sie gliedert sich in drei Kapitel. In einem ersten Schritt soll der Sprechakt der Behauptung vollständig beschrieben werden: Nach einer Klassifizierung und Einordnung des Sprechaktes, welche sich in erster Linie an Searle orientiert, soll die Behauptung hinsichtlich der drei Merkmale der Handlungsbedingungen, dem vom Sprecher verfolgten Ziel und den dazu verwendeten sprachlichen Mitteln charakterisiert werden. Es wird sich dabei zeigen, dass die rhetorische Frage eine der möglichen sprachlichen Formen zur Realisierung einer Behauptung darstellt.
Die Untersuchung der rhetorischen Frage hinsichtlich ihrer Pragmatik, ihrer syntaktischen und semantischen Eigenschaften und konkreter Äußerungsbeispiele soll Thema des zweiten Kapitels sein.
Abschließend soll im dritten Kapitel versucht werden, anhand der gewonnenen Ergebnisse die Methodik der Bildzeitung mit ihren Beweggründen und Zielen nachzuvollziehen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Der Sprechakt des Behauptens

1.1. Eine Klassifizierung nach Searle

1.2. Die Handlungsbedingungen des Behauptens

1.3. Das kommunikative Ziel (der illokutionäre Zweck) beim Behaupten

1.4. Die für eine Behauptung verwendeten sprachlichen Mittel

2. Die rhetorische Frage

2.1. Zur Fragehandlung

2.2. Indirekte Sprechakte

2.3. Syntax und Semantik der rhetorischen Frage

2.3.1. Interrogativsatztypen rhetorischer Fragen

2.3.2. Das Negationselement in der rhetorischen Frage

2.3.3. Der Konjunktiv II (+ nicht)

2.3.4. Modalpartikeln

2.4. Modell: Mögliche Realisierungsformen der rhetorischen Frage

3. Die rhetorische Frage in der Bildzeitung

3.1. Perlokutionäre Effekte der rhetorischen Frage

3.2. Vorteile der Indirektheit

3.3. Stimulusfragen

3.4. Eine Schlagzeilen-Analyse

3.4. Ergebnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion der rhetorischen Frage als Mittel zur indirekten Behauptung, insbesondere im Kontext der Bildzeitung. Dabei wird analysiert, wie sprachliche Strukturen dazu genutzt werden, beim Leser eine bestimmte kognitive Wirkung zu erzielen, ohne explizite Behauptungen aufzustellen, die rechtlich angreifbar wären.

  • Sprechakttheoretische Grundlagen des Behauptens und Fragens
  • Strukturelle Analyse rhetorischer Fragen (Syntax, Semantik, Modalpartikeln)
  • Die rhetorische Frage als Strategie der Boulevardpresse
  • Abgrenzung von Stimulusfragen und gnoseologischen Fragen
  • Rechtliche und ethische Aspekte der indirekten Kommunikation

Auszug aus dem Buch

3.2. Vorteile der Indirektheit

Der oben beschriebene Aspekt der Erlangung von Aufmerksamkeit auf der Seite des Adressaten ist wesentlich bei der Verwendung rhetorischer Fragen in der Bildzeitung. Als Boulevardzeitung ohne Abonnenten hat sie ein ökonomisches Interesse, ihr Produkt in hohen Stückzahlen zu verkaufen. Dafür muss ein möglichst großer Leseanreiz geschaffen werden, und hierzu kann die Frageform beitragen. Das Fragezeichen regt in der Art des bedingten Reflexes Denkprozesse beim Leser an.

Doch darüber hinaus bietet die rhetorische Frage noch mehr Potential: die indirekte Behauptung macht sich weniger angreifbar für die behauptete Proposition als die direkte. Während die Propositionen von Deklarativsätzen wahr oder falsch sein können, sind die von Interrogativsätzen „in charakteristischerweise ‚offen’. Daraus folgt, daß die propositionalen Gehalte von Interrogativsätzen nicht einer Wahrheitsbewertung unterzogen werden können…“ Ein falscher bzw. gelogener Gehalt entzieht sich in der Frageform einer Beurteilbarkeit. Man bewahrt sich die Möglichkeit eines Rückbezuges auf den sekundären Illokutionsakt, so dass man sagen kann: „Es war ja nur eine Frage.“

In diesem Zusammenhang sinkt auch die Notwendigkeit, das Behauptete zu belegen. Die offene Frageform erleichtert es, Gerüchte, Übertreibungen und generell nicht belegbare Inhalte zu formulieren. Searles Regeln der Behauptung (2) und (4) legen fest: Wer etwas behaupten will, muss Gründe dafür haben und außerdem an die Wahrheit von p glauben. In ähnlicher Form formuliert es Grice in seiner Konversationsmaxime der Qualität:

Unter die Kategorie der Qualität fällt eine Obermaxime – Versuche, deinen Beitrag so zu machen, dass er wahr ist – und zwei speziellere Maximen: 1. Sage nichts, was du für falsch hältst. 2. Sage nichts, wofür dir angemessene Gründe fehlen.

Für die Printmedien ist es der deutsche Pressekodex, der diese Regeln formuliert. Er hat für die Verleger und Journalisten den Charakter einer freiwilligen Selbstverpflichtung. So heißt es hier unter Ziffer 9: „Es widerspricht journalistischem Anstand, unbegründete Behauptungen und Beschuldigungen, insbesondere ehrverletzender Natur, zu veröffentlichen.“

Um einen Verstoß gegen diesen und andere publizistischen Grundsätze zu vermeiden, weicht die Bildzeitung gerade bei besonders starken Behauptungen auf die Frageform aus.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen der rhetorischen Frage in Schlagzeilen ein und definiert das Ziel der Arbeit, den Zusammenhang zwischen sprachlicher Struktur und dem intendierten Sprechakt zu untersuchen.

1. Der Sprechakt des Behauptens: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen des Behauptens auf Basis der Sprechakttheorie von Searle, Rolf und Meibauer unter Berücksichtigung von Handlungsbedingungen und Zielen.

2. Die rhetorische Frage: Hier werden Syntax, Semantik und die Rolle von Negation, Modalpartikeln und Konjunktiv bei rhetorischen Fragen analysiert, um deren Funktion als indirekte Sprechakte zu bestimmen.

3. Die rhetorische Frage in der Bildzeitung: Der Hauptteil wendet die Theorie auf die Praxis der Boulevardpresse an, analysiert Schlagzeilen und untersucht, warum die Bildzeitung gezielt rhetorische Fragen einsetzt, um indirekte Behauptungen zu verbreiten.

Schlüsselwörter

Rhetorische Frage, Sprechakttheorie, Indirekte Behauptung, Bildzeitung, Pragmatik, Illokution, Perlokution, Stimulusfrage, Modalpartikeln, Journalismus, Pressekodex, Syntax, Semantik, Gnoseologische Frage, Schlagzeilen-Analyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Verwendung rhetorischer Fragen in der Bildzeitung als rhetorisches Mittel, um Informationen zu vermitteln, ohne explizite Behauptungen aufstellen zu müssen.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Die Untersuchung umfasst die sprechakttheoretische Fundierung von Behauptungen und Fragen sowie die linguistische Analyse syntaktischer und semantischer Merkmale rhetorischer Fragen im Boulevardjournalismus.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Ziel ist es herauszufinden, aus welchen Beweggründen die Bildzeitung die Frageform wählt, um indirekte Behauptungen zu transportieren, und wie diese Strategie zur Steigerung des Leseanreizes bei gleichzeitiger Risikominimierung beiträgt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine pragmatische linguistische Untersuchung durchgeführt, die sich auf theoretische Ansätze (Searle, Rolf, Meibauer) stützt und diese durch eine empirische Schlagzeilen-Analyse in der Bildzeitung ergänzt.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Sprechakte und die Analyse konkreter Sprachbeispiele in der Bildzeitung, wobei syntaktische Strukturen, Modalpartikeln und perlokutionäre Effekte betrachtet werden.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Rhetorische Frage, Sprechakttheorie, indirekte Behauptung, Pragmatik, Illokutionsindikatoren und Boulevardjournalismus.

Warum weicht die Bildzeitung bei brisanten Themen auf die Frageform aus?

Durch die Frageform kann die Zeitung spekulative Inhalte transportieren, ohne direkt für den Wahrheitsgehalt einer Behauptung haftbar gemacht zu werden, da sich der „Frage-Modus“ einer Wahrheitsbewertung entzieht.

Wie unterscheidet der Autor zwischen Stimulusfragen und rhetorischen Fragen?

Während Stimulusfragen ein Wissensdefizit beim Leser eröffnen, das im Text behoben werden soll, dienen rhetorische Fragen dazu, den Leser zur Übernahme einer bereits feststehenden Meinung oder Behauptung zu drängen.

Welche Rolle spielt der deutsche Pressekodex in dieser Analyse?

Der Pressekodex dient als ethischer Rahmen, der unbegründete Behauptungen untersagt; der Autor argumentiert, dass die Bildzeitung die Frageform nutzt, um solche regulatorischen Einschränkungen zu umgehen.

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Details

Title
Die rhetorische Frage als indirekte Behauptung in der Bildzeitung
Subtitle
Eine sprechakttheoretische Untersuchung
College
University of Münster  (Germanistisches Institut)
Course
Der Sprachgebrauch in den Medien
Grade
1,5
Author
Andreas Kiepe (Author)
Publication Year
2006
Pages
34
Catalog Number
V151010
ISBN (eBook)
9783640624058
ISBN (Book)
9783640624072
Language
German
Tags
Linguistik Sprachwissenschaft Sprechakttheorie Behauptung rhetorische Frage indirekt Bild Bildzeitung Bild-Zeitung Boulevard Germanistik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Kiepe (Author), 2006, Die rhetorische Frage als indirekte Behauptung in der Bildzeitung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/151010
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